Trend Logo

Gewerbe und Handwerk schlagen Konjunktur-Alarm

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
6 min

Gebremste Wirtschaftsentwicklung, besonders bei Gewerbe und Handwerk

©iStockphoto
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed

Die gebremste Wirtschaftsentwicklung bekommen Gewerbe und Handwerk deutlich zu spüren. Besonders triste Stimmung herrscht im Bausektor. "Wenn der Baubereich mit den nachgelagerten Gewerken schwächelt, hat das natürlich Auswirkungen auf die gesamte österreichische Wirtschaft - der Bau spielt mehr als die Hälfte des Umsatzes von Gewerbe und Handwerk ein", so die WKÖ-Bundesspartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster. Sie will von der Regierung einen "Booster" für den Bausektor.

von

Die gebremste Wirtschaftsentwicklung bekommen Gewerbe und Handwerk deutlich zu spüren. Besonders triste Stimmung herrscht im Bausektor. "Wenn der Baubereich mit den nachgelagerten Gewerken schwächelt, hat das natürlich Auswirkungen auf die gesamte österreichische Wirtschaft - der Bau spielt mehr als die Hälfte des Umsatzes von Gewerbe und Handwerk ein", so die WKÖ-Bundesspartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster. Sie will von der Regierung einen "Booster" für den Bausektor.

Die Bauwirtschaft sei "ein Frühindikator für die übrigen Branchen", betonte die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

"Insgesamt haben wir eine negative Entwicklung", sagte Christina Enichlmair mit Blick auf die Auftragseingänge und Umsätze, die im ersten Halbjahr 2023 wertmäßig um insgesamt 2,1 Prozent gesunken seien, mengenmäßig aber um 9 Prozent. Die Preise seien um 7 Prozent gestiegen.

"Am schlimmsten" sei es im Baubereich mit einem nominellen Rückgang von 11,6 Prozent, real - bezogen auf die Menge - seien es sogar minus 17,2 Prozent gewesen. Überdurchschnittlich schlecht lief es den Angaben zufolge heuer im ersten Halbjahr auch bei den Kunststoffverarbeitern mit minus 8,6 (nominell) bzw. 12,2 Prozent (real), im Holzbau (minus 8,1 bzw. 14,3 Prozent) sowie bei den Tischlern und im Holzgestaltenden Gewerbe (minus 6,7 bzw. 13,2 Prozent).

Bei den Umsätzen und Auftragseingängen zumindest nominell leicht im Plus lagen lediglich die Elektrotechniker mit 2,8 Prozent. "Doch real war in allen Branchen ein Minus zu beobachten", berichtete die Projektleiterin von der KMU Forschung.

Im dritten Quartal 2023 brache der Auftragsbestand gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr in Gewerbe und Handwerk um 11,9 Prozent ein. "Das ist noch stärker als im ersten Corona-Jahr", strich Enichlmair hervor. Im dritten Quartal 2020 hatte es einen Rücksetzer von 10,8 Prozent gegeben.

"Fast alle Branchen haben ein Minus, viele zweistellig." Bei den Tischlern und Holzgestaltern schrumpfte der Orderbestand heuer im dritten Quartal gegenüber der Vorjahresperiode laut KMU Forschung Austria um 19,7 Prozent, bei den Kunststoffverarbeitern um 19,1 Prozent. "Da gab es nicht mal zu Corona-Zeiten ein solches Minus", so Enichlmair. Im Baugewerbe - mit einer Abschwächung von 18,7 Prozent "ausgehend von einem hohen Niveau - gab es "noch niemals seit Beginn unserer Erhebungen 2011 so einen starken Rückgang". Bei den Hafnern, Platten- und Fliesenlegern und Keramikern verringerte sich der Auftragsbestand um 15,3 Prozent.

Auch heuer im Zeitraum Juli bis September waren die Elektro-, Gebäude- Alarm- und Kommunikationstechniker die Einzigen, die im Plus waren - mit einem um 2,7 Prozent größeren Orderpolster als ein Jahr davor. Das sei in erster Linie der Installation von Photovoltaikanlagen sowie mehr Wartung Reparatur - Stichwort Reparaturbonus - zu verdanken.

Bei den PV-Anlagen zeichnet sich aber auch eine Bremse ab: Bis vor wenigen Monaten habe es bei Teilen für die PV-Anlagen noch Lieferengpässe gegeben, so Scheichelbauer-Schuster. "Das Material haben wir, jetzt gibt es einen Engpass an Netzkapazität." Dadurch könne der private Strom nicht eingespeist werden.

Insgesamt sei der Auftragsbestand in Wochen gerechnet im dritten Quartal zurückgegangen. Fast ein Drittel der Betriebe (30 Prozent) ist nur eine Woche bis vier Wochen ausgelastet. "Dieser Anteil ist gestiegen", hielt Enichlmair fest. Im Bau- und Bauhilfsgewerbe hätten 5 Prozent überhaupt keinen Auftragsbestand. Das sei zuletzt 2019 mit 4 Prozent der Fall gewesen. Ansonsten seien die Betriebe im dritten Quartal "normalerweise immer ausgelastet".

Auch die letzten Monate des heurigen Jahres lassen keine Entspannung erkennen. Die Erwartungen der Betriebe mit Blick auf das Herbst/Winter-Quartal seien "durchwegs negativ" und sinken in den investitionsgüternahen Branchen weiter.

Bei den konsumgüternahen Branchen seien die Umsatzerwartungen insgesamt auch knapp negativ, mit einzelnen Ausnahmen. Etwas Zuversicht herrscht im Bereich Mode und Bekleidungstechnik, bei den Fußpflegern, Kosmetikern und Masseuren, im Kunsthandwerk und bei den Friseuren. Hier kämen zum Jahresende hin der Advent, Weihnachten und Veranstaltungen zum Tragen.

"Wir sehen ganz deutlich die Auswirkungen des massiven Abschwungs im Wohnbau - ein reales Minus von 9,1 Prozent im ersten Halbjahr spricht eine deutliche Sprache", fasste Scheichelbauer-Schuster zusammen. Dass der Auftragsbestand in investitionsgüternahen Branchen, vor allem im Baunebengewerbe, so stark zurückgehe, sei "wirklich ein Alarmzeichen". Es verzeichneten mehr Betriebe Umsatzrückgänge als Zuwächse. "Insgesamt stehen wir, wie in Deutschland, vor einer Rezession."

Die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk richtete einen dringenden Appell an die Regierung, möglichst rasch "einen starken wirtschaftspolitischen Impuls zu setzen". "Das brauchen wir jetzt, einen Booster in der Bauwirtschaft", meinte Scheichelbauer-Schuster und schlug unter anderem die "Neuauflage eines erweiterten, eines großen Handwerkerbonus" vor. Konkret meinte sie damit eine Dotierung von "mindestens 100 Mio. Euro für zwei Jahre". Bei einer Förderhöhe von 25 Prozent könnten damit pro Person und Jahr 5.000 Euro zur Verfügung stehen. Das wäre "budgetverträglich". "Der letzte Handwerkerbonus war für den Finanzminister aufkommensneutral", kostete also unter dem Strich keine Steuergelder.

Über die Autoren

Logo
Abo ab €16,81 pro Monat
Ähnliche Artikel
Die Bundesregierung will Verbraucherrechte im Energiesektor stärken
Nachrichtenfeed
Sondergesetz soll mehr Wettbewerb am Energiemarkt bringen
Wintersaison: Bereinigt um Inflation und Kalendertage durchwachsen
Nachrichtenfeed
Tourismus - Nächtigungsrekord mit sparsameren Urlaubern
Inflation sinkt in Österreich auf niedrigsten Wert seit September 2021
Nachrichtenfeed
Inflation im April bei 3,5 % - Fünfthöchster Wert in EU
Weitere Proteste in mehreren Bundesländern geplant
Nachrichtenfeed
Fahrradboten setzen Warnstreiks nach Pfingsten fort
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Nachrichtenfeed
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Nachrichtenfeed
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Ausbau der Ladestellen kommt rasch voran
Nachrichtenfeed
Elektroautos im Vormarsch, aber hohe Preise schrecken ab
Die Addiko Bank könnte an die slowenische Bank gehen
Nachrichtenfeed
Addiko Bank rückt ins Visier von Investoren
Der Vertrag von ÖBAG-Chefin Hlawati wurde bis Februar 2027 verlängert
Nachrichtenfeed
ÖBAG-Chefin will Dividende für Infrastruktur zweckwidmen
Viele Unternehmen sind nach dem Angriff Russlands geblieben
Nachrichtenfeed
Nur wenige ausländische Firmen kehrten Russland den Rücken
Selbstbediener-Kassen haben sich in Österreich noch nicht durchgesetzt
Nachrichtenfeed
Hofer will in bis zu 200 Filialen Selbstbedienungskassen
Diesel-Preise gehören zu den Preistreibern in der Landwirtschaft
Nachrichtenfeed
Entlastungspaket soll Bauern 20 Cent/Liter Diesel bringen