Getrübte Stimmung in der Jungen Wirtschaft

Zu Beginn des Jahres 2022 haben die österreichischen Jungunternehmer ihren Optimismus etwas verloren. Nur 31 Prozent erwarten einen wirtschaftlichen Aufwärtstrend. Grundsätzlich wird mit einem zunehmenden Kostendruck gerechnet.

Christiane Holzinger, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft

Christiane Holzinger, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft

Omikron und Inflation gehen nicht spurlos an den heimischen Jungunternehmern vorüber: Das neue JW-Konjunkturbarometer zeigt, dass die Stimmungslage der jungen Betriebe in vielen Bereichen von Vorsicht und Realismus geprägt ist, etwa bei Investitionen (37 Prozent rechnen mit sinkenden Investitionen) oder bei der Einschätzung der eigenen Ertragslage (mit einer Verbesserung rechnen nur 21 Prozent). Die höchste, bisher gemessene Inflationserwartung (83 Prozent) macht die stark verbreitete Sorge um die Geldwertstabilität aus.

Mehr als ein Drittel der Jungbetriebe rechnet auch in der nahen Zukunft mit einer rückläufigen Konjunktur. Preissteigerungen und zunehmender Kostendruck dämpfen die Erwartungen von Jungunternehmern weiter, zeigt die vom Linzer market-Institut im Auftrag der WKÖ-Branchenvertretung Junge Wirtschaft (JW) durchgeführte Erhebung.

Problem steigender Kosten

market-Experte David Pfarrhofer beurteilt die Gemütslage der Jungunternehmer insgesamt als "schaumgebremst". Die trübe Stimmung spiegelt sich vor allem in der Wahrnehmung der eigenen Kostenlage wider. Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) sind der Überzeugung, dass sich die eigene Kostensituation verschlechtern wird. Darüber hinaus stellte zuletzt nur eine Minderheit der Jungunternehmer einen Auftrieb beim Kaufvolumen ihrer Kunden fest, das Gros der Befragten (54 Prozent) ortete diesbezüglich Stagnation. Demgemäß prognostizieren jeweils 37 Prozent der Befragten eine konstant bleibende bzw. sich verschlechternde Ertragslage für das eigene Unternehmen. 59 Prozent der befragten Jungunternehmer gaben an, von höheren Verkaufspreisen auszugehen und den Kostendruck an die Kunden weitergeben zu müssen.

Als größte Herausforderung für 2022 werteten die Befragten steigende Preise von Rohstoffen und Vorleistungen (47 Prozent), hohe Energiepreise (40 Prozent), Lieferkettenprobleme (39 Prozent) sowie Fachkräftemangel (34 Prozent) und Arbeitskosten (32 Prozent). Auszugehen sei von einer "Investitionsbremse" im Bereich einer "an sich investitionsfreudigen" Unternehmerschaft.

All diese Faktoren würden zu einer "allgemeinen Skepsis" führen, sagte Pfarrhofer. Die steigenden Kosten bremsen auch die Möglichkeiten, neue Mitarbeiter zu beschäftigen Mehrheitlich planten die Unternehmen auch keine weiteren Anstellungen. Nur mehr 26 Prozent planen Neueinstellungen, wenngleich die jungen Betriebe diesbezüglich vor einem Jahr deutlich restriktiver waren.

Ruf nach Entlastung

In Richtung der Bundesregierung fordert Christiane Holzinger, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, daher, die im Regierungsprogramm festgeschrieben oder in der angekündigten Steuerreform enthaltenen Maßnahmen zügig umzusetzen, um eine Entlastung der Unternehmen herbeizuführen. „Österreichs junge Betriebe brauchen mehr Entlastung, denn Entlastung ist die beste Hilfe für den Aufschwung", argumentiert sie.

Maßnahmen der Steuerreform werden von der JW als sehr positiv gesehen, dazu gehört die Erhöhung des Gewinnfreibetrags (für 68 Prozent sehr bzw. eher positiv), die Senkung der Einkommenssteuer (für 64 Prozent sehr bzw. eher positiv), die höhere Grenze für geringwerte Wirtschaftsgüter (für 58 Prozent sehr bzw. eher positiv), die Einführung eines Investitionsfreibetrags (für 57 Prozent sehr bzw. eher positiv) und die Absetzbarkeit des Arbeitsplatzes im Wohnungsverband (für 42 Prozent sehr bzw. eher positiv).

„Top-Themen für uns als JW ist eine Reduktion der Arbeits- bzw. Lohnnebenkosten, Bürokratieabbau und Entlastungen bei der Lohnverrechnung. Weitere Anliegen sind die Schaffung einer neuen, günstigen Rechtsform für Start-ups wie die Austrian Limited, die Abschaffung der Mindest-KÖSt und die Einführung eines Beteiligungsfreibetrags sowie die Umsetzung einer Fachkräfteoffensive“, so Holzinger.

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