Gaddafi-Sohn warnt vor Bürgerkrieg in Libyen

Saif al-Islam Gaddafi, der Sohn des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, hat die Bevölkerung seines Landes in einer Fernsehansprache am Sonntagabend vor einem Bürgerkrieg gewarnt, sollten die Unruhen weitergehen. Die Armee stehe "bis zum letzten Mann" hinter seinem Vater und werde in den kommenden Tagen eine Schlüsselrolle spielen, um ein Chaos zu vermeiden, sagte Gaddafi junior.

"Wir sind nicht Ägypten oder Tunesien", sagte Saif. Das Land mit seinen zahlreichen Stämmen werde in verschiedene Teile auseinanderbrechen. Verbrecher würden sich der Ölvorkommen bemächtigen, die Lebensmittelpreise würden steigen und schließlich würden fremde Mächte das Land wieder kolonialisieren. Gleichzeitig sicherte er Reformen, eine neue Verfassung sowie neue liberale Gesetze und höhere Löhne zu.

In libyschen Oppositionskreisen machte am Sonntagabend das Gerücht die Runde, Machthaber Gaddafi habe das Land verlassen. Eine offizielle Stellungnahme gab es in diesem Zusammenhang keine, auch der Sohn äußerte sich dazu nicht. Allerdings scheint der Zusammenhalt innerhalb des Regimes langsam zu bröckeln. Mehrere ranghohe libysche Diplomaten legten am Sonntag ihre Posten nieder und schlossen sich der "Revolution" an.

Die in ausländischen Medien genannten Zahlen von Opfern bei der Niederschlagung der Proteste im Land wies Saif al-Islam Gaddafi als übertrieben zurück. Er räumte aber ein, Polizei und Armee hätten Fehler beim Umgang mit den Protestierenden gemacht. Für die Gewalt machte er wohlhabende Geschäftsleute verantwortlich, die im Ausland lebende Libyer zu den Unruhen angestiftet hätten.

"Libyen steht vor dem Scheideweg", sagte der Sohn des Revolutionsführers weiter. "Entweder verständigen wir uns auf Reformen, oder wir werden nicht nur den Tod von 84 Menschen beweinen, sondern von Tausenden". Menschenrechtsgruppen hatten von etwa 150 Toten bei den tagelangen Aufständen gesprochen. Ärzte und Oppositionskreise nannten sogar die Zahl von 200 Toten, "Human Ritghts Watch" zählte 233 Opfer. Die Ausschreitungen erreichten unterdessen auch die Hauptstadt Tripolis.

Angesichts der sich ausweitenden Proteste in Libyen tritt der österreichische Krisenstab am Montag um 09.00 Uhr zu einer weiteren Sitzung zusammen. Dies bestätigte Außenamts-Sprecher Launsky-Tieffenthal am späten Sonntagabend der APA. Dabei werde die Lage "neu evaluiert und durchbesprochen", sagte er in Anspielung auf eine mögliche Evakuierung der im nordafrikanischen Land lebenden Österreicher.

- APA

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