Gaddafi will bis 'Märtyrertod oder Sieg' kämpfen

Nach der Einnahme seiner Residenz durch Aufständische hat der libysche Diktator Gaddafi angekündigt, bis zum "Märtyrertod oder Sieg" kämpfen zu wollen. In einer angeblichen Audiobotschaft bezeichnete er die Aufgabe der Residenz als "taktisches Manöver". Wo sich Gaddafi aufhält, ist nicht bekannt. Unterdessen rief die Übergangsregierung die Libyer zur Einheit auf.

In einer zweiten Audiobotschaft hat der untergetauchte Machthaber die Bevölkerung zum Widerstand aufgerufen. In dem von einer lokalen Radiostation verbreiteten Aufruf habe ein Mann, bei dem es sich um Gaddafi handeln soll, die Libyer aufgefordert, die Hauptstadt Tripolis von den Aufständischen "zu säubern", berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera.

Übergangsrat will Sicherheit wiederherstellen

"Wir müssen uns jetzt auf den Wiederaufbau konzentrieren und darauf, die Wunden zu heilen", sagte Mahmud Dschibril, der Chef des von den Aufständischen gebildeten Übergangsrat, in einer am Dienstagabend. Er versicherte, dass die Sicherheit in Tripolis und im ganzen Land wiederhergestellt werde. "Die Übergangsperiode hat jetzt begonnen." Ein Tiel der Minister der Übergangsregierung will bereits am Mittwoch nach Tripolis umziehen.

Nach erbitterten Kämpfen hatten die Aufständischen am Dienstag die Residenz Gaddafis erobert. Dschibril appellierte an die Verantwortung der Kämpfer. Gefangene sollten fair und nach den Regeln der Genfer Konvention behandelt werden.

Rätselhafte Audiobotschaft Gaddafis

Gaddafi soll in der Audiobotschaft gesagt haben, seine Residenz sei bereits durch 64 Nato-Luftangriffe in den vergangenen Monaten zerstört worden. Auch sein Regierungssprecher Mussa Ibrahim sprach von einem kontrollierten Rückzug aus der Residenz, da sie keinem "militärischem oder strategischem Zweck" mehr gedient habe.

Wie die BBC weiter berichtete, drohte Ibrahim in dem Telefoninterview mit al-Urubah TV zugleich Libyen in einen "brennenden Vulkan" zu verwandeln. Man werde den Eindringlingen "Feuer unter den Füßen" machen. 6500 Freiwillige seien in der Nacht nach Tripolis eingerückt und hätten sich in der ganzen Stadt verteilt. Tausende weitere würden außerhalb der Stadt auf ihren Einsatz im Kampf warten. Nach wie vor befänden sich 80 Prozent der Hauptstadt unter Kontrolle des Gaddafi-Regimes, behauptete Ibrahim.

Der Kampf um die Residenz

Nach Berichten einer BBC-Korrespondentin kam es auch in der Nacht zum Mittwoch in Tripolis immer wieder zu Kämpfen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen, teilweise auch noch in der Gaddafi-Residenz. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschsira berichtete, griffen Regierungstruppen außerdem die Aufständischen-Hochburg Misrata in der Nacht mit Raketen an. Unterdessen kündigte die sandinistische Regierung Nicaraguas an, Gaddafi Asyl zu gewähren, falls dieser dies wünsche.

Libysche Gelder in Österreich

Die in Österreich gesperrten libyschen Gelder in der Höhe von 1,2 Mrd. Euro sollen laut Außenministerium zu einem kleinem Teil entsperrt werden. "Inzwischen liegt ein Antrag des libyschen Übergangsrates an Österreich bezüglich der Freigabe von finanziellen Mitteln vor", sagte Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal am Dienstagnachmittag zur APA. Die beantragen Gelder sollen für den Betrieb von Schulen verwendet werden.

Die genaue Höhe wollte das Außenministerium aber nicht beziffern. "Österreich wird in Kürze das UNO-Sanktionenkomitee befassen", erklärte Launsky-Tieffenthal. Wenn es innerhalb von fünf Tagen keinen Einspruch der Mitglieder des UNO-Sanktionenkomitees gebe, werde der Betrag umgehend freigegebenen.

Auf Anordnung der Bundesregierung sperrte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am 1. März Gelder der Gaddafi-Familie und ihrem Dunstkreis in Österreich. Die gesamte Summe von 1,2 Mrd. Euro werde aber "nicht von heute auf morgen freigegeben", sagte der Sprecher des Außenministeriums.

Als Teil der Sanktionen der UNO und der EU wurden weltweit Hunderte libysche Konten mit einer geschätzten Gesamtsumme von mehr als 40 Milliarden Euro eingefroren, davon allein rund 22 Mrd. Euro in den USA und 7,2 Mrd. in Deutschland.

- APA, Red

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