Gaddafi: Das blutige Ende eines Diktators

Nach der Tötung des langjährigen libyschen Machthabers Gaddafi gibt es widersprüchliche Angaben zu den genauen Umständen seines Todes. Der Chef der Übergangsregierung, Mahmud Jibril, erklärte, Gaddafi sei ins Kreuzfeuer von Regierungskämpfern und eigenen Anhängern geraten und habe dabei einen tödlichen Kopfschuss erlitten. Er sei demnach aber noch lebend nach Misrata gebracht worden.

Ein Gerichtsmediziner konnte laut Jibril nicht feststellen, von welchen Kämpfern das Geschoß stammte. Ein Mitarbeiter des Übergangsrates machte dagegen Kämpfer der Regierung für Gaddafis Tod verantwortlich. "Sie haben ihn sehr brutal verprügelt und dann getötet. Das hier ist Krieg." Zudem wurden weitere Versionen bekannt. Ein anderer Mitarbeiter der Übergangsregierung sagte etwa, Gaddafi sei in einem Krankenwagen verblutet. Nach offiziellen Angaben gab es keinen Befehl für seine Tötung.

Brutale TV-Bilder von Gaddafis Ende

International von zahlreichen Fernsehsendern ausgestrahlte Videoaufnahmen zeigten Gaddafi nach seiner Festnahme lebend inmitten von Kämpfern des Übergangsrats. Allerdings schien er bereits verletzt und hatte Blut auf Gesicht und Schultern. Ein Kämpfer des Übergangsrats schien ihm eine Pistole an den Kopf zu halten. Ob er abdrückte, war nicht zu erkennen. Anschließend ist auf den Aufnahmen zu sehen, wie Gaddafi auf einen Pickup gezogen wird.

Außer Gaddafi sollen auch dessen Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi und Verteidigungsminister Abu Bakr Yunis getötet worden sein. Am Abend wurde zudem der Tod der Gaddafi-Söhne Saif al-Islam und Mutassim von staatlichen Fernsehen bestätigt. Beide sollen wie ihr Vater in Sirte getötet worden sein.

Samstag beginnt die 'Übergangsphase'Staat

Jibril sagte weiters am Donnerstagabend nach Angaben des Senders Al-Jazeera, die neuen Machthaber wollten an diesem Samstag offiziell den Beginn der Übergangsphase auf dem Weg zu einem demokratischen Staat verkünden. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Jalil, wolle dies in Sirte, der Heimatstadt von Ex-Diktator Gaddafi tun. Dann werde binnen 30 Tagen eine neue Übergangsregierung gebildet. Acht Monate später solle dann ein Nationalkongress einberufen werden, um die Weichen für einen kompletten Neuanfang zu stellen.

Übergangsrat will schnelles Begräbnis

Jibril erklärte den Angaben zufolge, der Übergangsrat habe am Donnerstag, nachdem Gaddafi getötet worden sei, Kontakt mit dem Internationalen Strafgerichtshof aufgenommen. Das Gericht habe die Libyer gebeten, Gaddafi vorerst nicht zu begraben, damit der Leichnam untersucht werden könne. Der Übergangsrat habe jedoch anders entschieden. Allerdings hätten Ärzte Haar- und Gewebeproben von der Leiche genommen, um keine Zweifel an der Identität des Getöteten aufkommen zu lassen. Gaddafi werde in Kürze an einem unbekannten Ort nach islamischem Ritus begraben.

NATO will Militäreinsatz beenden

Der NATO-Rat will auf einer Sondersitzung voraussichtlich schon am (heutigen) Freitag den Militäreinsatz in Libyen für beendet erklären. US-Präsident Barack Obama sprach von einem "historischen Tag in der Geschichte Libyens". "Sie haben ihre Revolution gewonnen", sagte er in Washington an die Adresse der Rebellen gerichtet. In einer Videokonferenz stimmte Obama mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem britischen Premier David Cameron darin überein, dass dies ein "außergewöhnlicher Tag" für die NATO-geführte Militärallianz sei, vor allem aber für die libysche Bevölkerung.

Die NATO hatte monatelang Ziele in Libyen bombardiert, um nach eigener Darstellung die Bevölkerung zu schützen. Der Einsatz ermöglichte den Sturz Gaddafis durch Rebellen.

- APA, Red

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