Frankreichs Wirtschaft stagniert - Dämpfer für Euro-Zone

Die überraschende Stagnation der französischen Wirtschaft stellt die Erholung der gesamten Euro-Zone zunehmend infrage. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft im Währungsraum wuchs im zweiten Quartal nicht mehr, wie das Statistikamt am Freitag mitteilte.

Noch zu Jahresanfang hatte es mit 0,9 Prozent das stärkste Wachstum seit rund fünf Jahren gegeben. Dies erhöht zudem den Druck auf die Regierung in Paris, mit Sparpaketen den hohen Schuldenberg abzubauen. An den Finanzmärkten wird immer stärker angezweifelt, ob Frankreich sein "AAA"-Top-Rating als Schuldner behalten wird.

Neben Deutschland galt das Schwergewicht Frankreich bisher als entscheidender Wachstumsmotor im Euro-Raum. Denn viele hoch verschuldete Staaten wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland kommen nur mühsam aus der Krise heraus oder stecken weiter mitten in der Rezession.

In Frankreich sorgten nun vor allem zurückhaltende Verbraucher für einen Dämpfer. Der Privatkonsum sank deutlich um 0,7 Prozent. Für die gesamte Wirtschaft hatten Fachleute für die Zeit von April bis Juni ein Anziehen von 0,3 Prozent erwartet. Frankreichs langfristige Wachstumsperspektiven seien zwar intakt, betonte Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. Allerdings dürfte die Verschärfung der Schuldenkrise in Europa für zusätzlichen Druck sorgen. "Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsraten für den Rest des Jahres niedrig bleiben." Die Berenberg Bank erwarte 2011 ein Plus von 1,9 Prozent. Die BIP-Daten hätten aber für ein "deutliches Abwärtsrisiko der Prognose" gesorgt. Die Regierung dürfte ihr Ziel, das Haushaltsdefizit 2011 auf unter sechs Prozent zu drücken, verfehlen. Dies könne die Nervosität an den Märkten erhöhen.

Frankreichs Finanzminister Francois Baroin hingegen betonte, trotz der schwachen Wirtschafts-Daten halte die Regierung an ihren Zielen für das Wachstum und den Defizitabbau fest. Die Konsolidierungspläne basieren auf einer Wachstumsprognose von 2,0 Prozent für 2011. Frankreichs Banken gehörten zu den solidesten weltweit, sagte Baroin im RTL Radio. Am Mittwoch hatten allerdings Gerüchte über angebliche Zahlungsschwierigkeiten der französischen Großbank Societe Generale die Runde gemacht und damit eine neue Verkaufslawine an den europäischen Aktienmärkten losgetreten. Die französische Aufsicht AMF kündigte daraufhin ein 15-tägiges Verbot von Leerverkäufen für die Aktien von elf Banken und Versicherern an. Auch Italien, Spanien und Belgien wollen die Marktturbulenzen durch das vorläufige Verbot hochspekulativer Börsengeschäfte eindämmen.

Baroin kündigte zudem baldige deutsch-französische Vorschläge für ein besseres Funktionieren der Eurozone an. Die Anleger könnten darauf zählen, dass beide Länder bis Ende des Sommers eine entsprechende Initiative erarbeiten werden. Die Investoren sollten keine Zweifel an den Fähigkeiten beider Länder haben, Wege für ein effektivere Führung und Koordination des Währungsraumes zu entwickeln. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy wollen am Dienstag in Paris über die aktuelle Lage in der Eurozone beraten.

- APA

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