Frank Abagnale ist der gerissenste Betrüger der Geschichte

Frank Abagnale war der beste Gauner seiner Zeit, mit "Catch Me if You Can" setzte ihm Hollywood ein Denkmal. Heute berät der Ex-Kriminelle Banken und das FBI - dabei hat sich die Gaunerbranche grundlegend verändert

Frank Abagnale hat dieses gewinnende Lächeln, auch noch mit 63 Jahren. Als junger Mann ergaunerte er mit seiner Ausstrahlung Millionen. Jahrelang flog er als falscher Pilot umher, trieb sein Unwesen in 26 Ländern und das FBI an den Rand des Wahnsinns. Der Betrüger von einst hat Doktorkittel und Pilotenuniform längst gegen feinen Zwirn getauscht. Einstecktuch, rahmenlose Brille und akkurater Scheitel, ganz der American Businessman. Doch diesmal ist es keine Rolle: Abagnale berät Unternehmen - und das FBI. Als er im Hotel in Frankfurt eincheckt, passiert es schon wieder. Die Rezeptionistin lächelt: "Sie heißen ja wie der Mann, den Leonardo DiCaprio im Film gespielt hat." Dann errötet sie. "Nein, das sind wirklich Sie?" Frank Abagnale lächelt zurück und hat sie in seinen Bann gezogen. So ähnlich muss es auch damals gewesen sein.

Mr Abagnale, jahrelang narrten Sie das FBI und ergaunerten sich 2,5 Mio. Dollar mit gefälschten Schecks. Sie waren noch keine 20, da gaben Sie sich als Pilot, als Arzt und als Anwalt aus. Jetzt sind Sie Berater. Ist das nicht ganz schön langweilig?

Frank Abagnale: Oh nein. Mein Job ist immer noch aufregend. Ich habe nur die Seiten gewechselt. Seit 36 Jahren arbeite ich für das FBI. Und eben als Sicherheitsberater für Unternehmen. Die zehn größten US-Banken gehören zu meinen Kunden. Ich habe beispielsweise die Anti-Betrugssoftware Privacy Guard mitentwickelt. 14.000 Firmen setzen sie ein.

Und die vertrauen ausgerechnet Ihnen? Sie sind ein Ex-Krimineller. Früher haben Sie diese Unternehmen betrogen.

Das ist lange her. Ich war ja noch ein Kind. Glauben Sie mir, ich habe die höchste Security Clearance, die es gibt. Kaum jemand wurde so durchgecheckt wie ich. Aber am Anfang war es schwierig, das stimmt. Besonders beim FBI. Ein Ex-Krimineller, der Polizisten schult? Viele hatten einen Tunnelblick. Einmal kriminell, immer kriminell. Es hat Jahre gedauert, bis ich das Vertrauen der Mitarbeiter gewinnen konnte. Heute arbeite ich zu 80 Prozent für die Regierung, die restliche Zeit für die Privatwirtschaft.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie die Seiten wechselten?

Die Regierung holte mich aus dem Gefängnis, da war ich 26 Jahre alt. Ich war ja noch ein Junge von 16 Jahren, als ich von zu Hause ausriss und mich als Hochstapler und Scheckfälscher verdingte. Mit 21 Jahren wurde ich geschnappt. Es war ein Deal. Raus aus dem Knast, dafür musste ich dem FBI helfen, Scheckbetrüger zu entlarven.

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