Foto-Pionier Kodak ist pleite:
6,8 Mrd. Dollar Schulden

17.000 Mitarbeiter weltweit - Patente sollen zu Geld gemacht werden - Aktie stürzt ab

Die digitale Revolution in der Fotografie droht das Branchen-Urgestein Kodak hinwegzufegen. Die gut 130 Jahre alte Traditionsfirma hat am Donnerstag nach einem langen Überlebenskampf Insolvenz in den USA beantragt. Das Management will den Neustart wagen, doch es ist unklar, ob das Unterfangen letztlich gelingt.

Insolvenz, aber Neuorientierung

Die Insolvenz sei ein "notwendiger Schritt", um wieder auf die Beine zu kommen, erklärte Konzernchef Antonio Perez. Das Geschäft soll unterdessen weiterlaufen. In den USA ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Unternehmen für ihre Sanierung in ein Insolvenzverfahren nach dem sogenannten "Chapter Eleven" (Abschnitt 11 des Insolvenzgesetzes) flüchten. Das schützt vor Forderungen der Gläubiger und gibt den Firmen damit Zeit, sich neu zu sortieren.

Eastman Kodak, wie das Unternehmen vollständig heißt, hatte die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Mit dem Wechsel zu digitalen Bildern hatte der US-Konzern jedoch massive Schwierigkeiten. Ähnlich erging es dem kleineren Rivalen AgfaPhoto. Ende 2005 waren am Traditionsstandort Leverkusen nach rund 140 Jahren die Lichter ausgegangen. Mehr als 1.000 Beschäftigte verloren damals ihren Arbeitsplatz. Der Name lebt indes weiter und wird von einer Holding an Fremdfirmen lizenziert. Selbst Agfa-Kleinbildfilme gibt es bis heute zu kaufen.

6,8 Mrd. Dollar Schulden

Kodaks Insolvenz ist jedoch eine ganze Nummer größer. Den Vermögenswerten von 5,1 Mrd. Dollar (3,95 Mrd. Euro) stehen Schulden von 6,8 Mrd. Dollar gegenüber. Damit Kodak weitermachen kann, stellt die Großbank Citigroup nun fast eine Milliarde Dollar zu Verfügung. Die Finanzierung muss allerdings noch vom Insolvenzrichter gebilligt werden, der das letzte Wort hat.

Kodak bereitet sich auf ein längeres Schattendasein vor: Der Umbau des US-Geschäfts solle erst 2013 abgeschlossen werden, erklärte die Firma. Konzernchef Perez will Kodak als Druckerspezialisten neu erfinden. Doch der Wandel geht nur schleichend voran und führte immer wieder zu Verlusten. Seit 2003 wurden bereits 47.000 Arbeitsplätze gestrichen und 13 Fabriken dichtgemacht. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt weltweit noch rund 17.000 Mitarbeiter.

Erfinder des Fotofilms und des Kleinfilmformats

Die Erfindung des Fotofilms und des Kleinbildformats hatten den Konzern aus der Nähe von New York einst reich gemacht. Kodak war auch an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt. Allerdings verlor das Unternehmen hier schnell den Anschluss an Konkurrenten aus Asien. Der Siegeszug der Digitalfotografie warf schließlich das angestammte Kodak-Geschäft komplett durcheinander. Tragende Säulen wie der Fotofilm brachen praktisch komplett weg. Versuche, in neue Geschäftsbereiche wie Pharma zu gehen, schlugen fehl.

Die Macht der Patente

Kodak hält jedoch noch diverse grundlegende Patente für die Digitalfotografie, die in so ziemlich allen Geräten von der Spiegelreflexkamera bis hin zum Handy zum Einsatz kommen. Das Management sieht darin den Schatz von Kodak und will rund 1.100 Patente zu Geld machen. Der Verkauf stockt jedoch seit Monaten - auch weil mögliche Käufer Ärger wegen einer späteren Kodak-Insolvenz fürchteten. Jetzt könnten die Patente im Zuge des Insolvenzverfahrens womöglich leichter den Besitzer wechseln. Damit käme dringend benötigtes Bares herein.

Über eine Kodak-Insolvenz war seit Monaten heftig spekuliert worden, die ersten konkreten Hinweise gab es schon im Oktober. Eine Serie von Verlustjahren hatte die Bargeldreserven angegriffen. Das Unternehmen hatte selbst gewarnt, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte.

Der Kurs der Kodak-Aktie war nach den Insolvenzgerüchten dahingeschmolzen. Die New Yorker Börse drohte bereits, das Papier aus dem Handel zu verbannen, weil der Kurs dauerhaft unter einem Dollar fest hing. Während die Aktie noch in den 90er Jahren mehr als 90 Dollar kostete, notiert sie seit Wochen bei 50 Cent. Am Donnerstag stürzte das Papier vorbörslich auf 39 Cent ab.

Kodak verklagt Apple und Samsung

In den vergangenen Tagen hatte Kodak mit einer Serie von Patentklagen für Schlagzeilen gesorgt. Binnen einer Woche wurden Apple, Samsung, der Smartphone-Spezialist HTC und der Erzrivale Fujifilm verklagt. Die Klage gegen Samsung feuerte Kodak nur wenige Stunden vor dem Insolvenzantrag ab. Nach Einschätzung von Experten versucht Kodak mit den Klagen, potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios zu demonstrieren.

-Apa, Red.

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