Trend Logo

Flughafen-Chef warnt: Deutsche Luftfahrtpolitik kein Vorbild

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Passagierzahlen und Auslastung steigen
©APA/APA/MAX SLOVENCIK/MAX SLOVENCIK
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Die österreichischen Flughäfen haben sich von der Corona-Pandemie gut erholt, die Passagierzahlen haben fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Das Passagierplus von gut 25 Prozent im vergangenen Jahr sei ein "sehr erfreuliches Ergebnis für die österreichischen Flughäfen und die österreichische Luftfahrt", sagte Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger am Freitag zur APA. Gleichzeitig warnte er davor, sich die Luftfahrt-Politik des Nachbarn Deutschland zum Vorbild zu nehmen.

von

Die österreichischen Flughäfen haben sich von der Corona-Pandemie gut erholt, die Passagierzahlen haben fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Das Passagierplus von gut 25 Prozent im vergangenen Jahr sei ein "sehr erfreuliches Ergebnis für die österreichischen Flughäfen und die österreichische Luftfahrt", sagte Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger am Freitag zur APA. Gleichzeitig warnte er davor, sich die Luftfahrt-Politik des Nachbarn Deutschland zum Vorbild zu nehmen.

"Wir hatten an den österreichischen Verkehrsflughäfen 33,2 Millionen Passagiere im letzten Jahr, das ist ein Wachstum von mehr als 25 Prozent", berichtete Jäger, der auch Präsident der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (AÖV) ist. "Im Vergleich zum Vorkrisenniveau liegen wir rund 8 Prozent unter dem Rekordjahr 2019." Es habe an allen Flughäfen ein deutliches Wachstum gegeben, am stärksten habe sich Klagenfurt mit einem Plus von 85 Prozent entwickelt. Auch die Auslastung auf den österreichischen Flügen sei um 3,5 Prozentpunkte auf fast 79 Prozent gestiegen.

Der Rückgang bei der Fracht um 4,3 Prozent sei unter dem europäischen Durchschnitt gelegen. "Da hoffe ich, und die letzten Monaten deuten schon ein wenig in die Richtung, dass es heuer da noch einen deutlichen Aufschwung gibt."

Mit Unbehagen blickt Jäger zum Nachbarn Deutschland und wünscht sich, dass die Rahmenbedingungen für die Luftfahrt in Österreich "so bleiben, wie sie sind, oder noch weiter verbessert werden. Wenn man ein schlechtes Beispiel sucht hinsichtlich der Luftfahrtpolitik und der Luftfahrtentwicklung in Europa, dann ist das leider aktuell Deutschland, das ja für uns historisch immer mit Abstand der stärkste Markt war und ist."

Der Flugverkehr in Deutschland liege noch immer um 20 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Die Streiks und Streikdrohungen an den Flughäfen sowie die deutliche Anhebung der Flugverkehrsabgabe in Deutschland würden "weiter dafür sorgen, dass der Flugverkehr in Deutschland hinter dem europäischen Durchschnitt hinterherhinkt". Für den österreichischen Standort könne das ein kleiner Wettbewerbsvorteil sein, "wenn wir nicht den Fehler machen, Entwicklungen wie in Deutschland nachzumachen".

Darum sei es wichtig, die Sozialpartnerschaft auch in der Luftfahrt zu pflegen. Der Flughafen-Chef hofft, "dass es auch bei einer künftigen Bundesregierung beim jetzigen Niveau der Luftfahrtabgabe bleibt". Noch besser wäre es, wenn man die Einnahmen von mehr als 100 Mio. Euro pro Jahr dafür verwendete, die Produktion von CO2-neutralen Kraftstoffen anzukurbeln, meinte Jäger.

Jedenfalls wäre das besser als eine Einschränkung der Kurzstreckenflüge. "Je kürzer die Strecke, desto höher der Anteil der Umsteiger." So seien etwa auf der Strecke Graz-Wien 90 Prozent der Passagiere Umsteiger, die ab Wien weiterfliegen. "Solche Flüge zu verbieten ist auch ökologisch völlig sinnlos. Denn wer nicht mehr über Wien nach New York fliegen kann, der fliegt dann halt über irgendeinen anderen Hub in Europa nach New York, da ist für das Klima nichts gewonnen."

"Die große Herausforderung für die Flughäfen in den Bundesländern besteht darin, neben den touristischen Flugverbindungen auch weiterhin an große Drehkreuzflughäfen angebunden zu bleiben", betonte auch der Linzer Flughafen-Chef und AÖV-Vizepräsident Norbert Draskovits. "Nur so kann die Konnektivität der Regionen und der Wirtschaftsräume sichergestellt werden", sagte Draskovits laut Mitteilung.

Insgesamt wurde an allen sechs Verkehrsflughäfen Österreichs (Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Salzburg und Wien) im vergangenen Jahr rund 33,17 Millionen Passagiere gezählt, um 25,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Flugbewegungen im Linien- und Gelegenheitsverkehr hat mit 259.006 Starts und Landungen um 16,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Das Frachtaufkommen betrug 318.182 Tonnen im Jahr 2023 - um 4,3 Prozent weniger als 2022.

Auf dem Flughafen Wien stieg die Anzahl der Passagiere 2023 um 25,3 Prozent auf 29,533.186. Am Flughafen Salzburg legte das Passagieraufkommen um 15,7 Prozent auf 1,614.601 Flugreisende zu. Am Flughafen Innsbruck stieg die Anzahl der Reisenden auf 906.655 (plus 25,7 Prozent). Am Flughafen Graz lag das Passagieraufkommen mit 733.146 Passagieren um 30,6 Prozent höher als im Jahr davor. Der Flughafen Linz verzeichnete einen Passagierzuwachs von 12,1 Prozent auf 232.950 und am Flughafen Klagenfurt stieg die Zahl der Passagiere um 85,5 Prozent auf 153.536 Personen.

ZU APA0498 VOM 11.10.2023 - Anzeigetafel mit der Ankündigung eines Fluges aus Tel Aviv (Israel) am Donnerstag, 12. Oktober 2023, am Flughafen Wien in Schwechat.

Über die Autoren

Logo
Abo ab €16,81 pro Monat
Ähnliche Artikel
Photovoltaik-Paneele über Obstkulturen produzieren nicht nur Strom
Nachrichtenfeed
Photovoltaik über Obstbau schützt vor Regen und Frost
Die Bundesregierung will Verbraucherrechte im Energiesektor stärken
Nachrichtenfeed
Sondergesetz soll mehr Wettbewerb am Energiemarkt bringen
Inflation sinkt in Österreich auf niedrigsten Wert seit September 2021
Nachrichtenfeed
Inflation im April bei 3,5 % - Fünfthöchster Wert in EU
Wintersaison: Bereinigt um Inflation und Kalendertage durchwachsen
Nachrichtenfeed
Tourismus - Nächtigungsrekord mit sparsameren Urlaubern
Weitere Proteste in mehreren Bundesländern geplant
Nachrichtenfeed
Fahrradboten setzen Warnstreiks nach Pfingsten fort
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Nachrichtenfeed
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Nachrichtenfeed
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Die Addiko Bank könnte an die slowenische Bank gehen
Nachrichtenfeed
Addiko Bank rückt ins Visier von Investoren
Ausbau der Ladestellen kommt rasch voran
Nachrichtenfeed
Elektroautos im Vormarsch, aber hohe Preise schrecken ab
Der Vertrag von ÖBAG-Chefin Hlawati wurde bis Februar 2027 verlängert
Nachrichtenfeed
ÖBAG-Chefin will Dividende für Infrastruktur zweckwidmen
Viele Unternehmen sind nach dem Angriff Russlands geblieben
Nachrichtenfeed
Nur wenige ausländische Firmen kehrten Russland den Rücken
Selbstbediener-Kassen haben sich in Österreich noch nicht durchgesetzt
Nachrichtenfeed
Hofer will in bis zu 200 Filialen Selbstbedienungskassen