Fastenzeit auch an den Börsen?

Seit Wochenmitte hat etwa der DAX kaum noch zugelegt, nachdem er seit Jahresbeginn um 1000 Punkte nach oben geschnellt war.

Eine Korrektur sei inzwischen "mehr als überfällig", kommentiert die Landesbank Berlin. Auch Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB prognostiziert sinkende Kurse. Nachdem der Hype um das zweite Rettungspaket für Griechenland vorbei sei, rückten wieder die Unsicherheitsfaktoren in den Fokus. "Noch ist völlig unklar, wie viele der privaten Gläubiger sich am vereinbarten Anleihetausch beteiligen", sagt Basse. "Und von daher bleibt es völlig ungewiss, ob Griechenland die Umschuldung womöglich erzwingt." Die gesetzlichen Grundlagen für einen solchen Schritt hatte das Parlament in Athen am Donnerstag geschaffen.

Großes Thema am Markt wird wohl die für Mittwoch erwartete gigantische Geldspritze der EZB werden. Zum zweiten Mal können sich Banken der Eurozone zum Niedrigzins von einem Prozent für drei Jahre mit Geld eindecken. Experten sind gespannt, wie viel die Banken abrufen werden - die große Frage ist, ob die 489 Milliarden Euro vom ersten Tender im Dezember übertroffen werden. Die EZB will mit dieser Aktion die Banken ermutigen, wieder am Staatsanleihenmarkt zuzugreifen und Kredite zu vergeben. "Große Impulse für die Börse erwarte ich allerdings nicht", sagt Basse. "Um ausreichend Liqudität machen sich Anleger wenig Sorgen, dieser Tender dürfte schon komplett eingepreist sein."

US-Notenbank im Blickpunkt

Potenzial für positive Überraschungen sehen Experten dagegen in den US-Konjunkturdaten. Vor allem der am Donnerstag anstehende ISM-Einkaufsmanagerindex wird mit Spannung erwartet. Aber auch von den Statistiken zu den Auftragseingängen für langlebige Güter und den Verbraucherausgaben erhoffen sich Aktienstrategen neue Hinweise auf eine nachhaltige Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft. "Die US-Wirtschaft arbeitet sich weiter langsam aus dem tiefen Tal heraus", sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz voraus. "Die Rezession im Euroraum scheint die US-Wirtschaft dabei wenig zu bremsen."

Am Mittwoch wird der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, den halbjährlichen Bericht zur Geldpolitik vorstellen. Die große Frage ist, ob er Hinweise auf neue geldpolitische Stimuli gibt (QE3). Die Commerzbank sieht keinen großen Handlungsbedarf, da zuletzt sowohl Konjunktur- als auch Arbeitsmarktdaten solide ausgefallen seien.

Hierzulande veröffentlicht am Dienstag der Marktforscher GfK seinen Index zum Verbrauchervertrauen. Von Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass sich die Hochstimmung vom Vormonat hält.

Bilanzsaison läuft auf Hochtouren

Last but not least - wieder einmal werden etliche Firmen ihre Bilanzen vorlegen und einen Ausblick geben. Im Fokus stehen vor allem Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe. Hierzu gehören der Generika-Hersteller Stada (Montag), der Baukonzern Hochtief (Mittwoch) und die TV-Senderkette ProSiebenSat.1 (Donnerstag). Aus dem Dax werden sich der Medikamenten-Produzent Bayer am Dienstag und der Konsumgüter-Hersteller Beiersdorf am Donnerstag in die Bücher schauen lassen. "Großes Potenzial für Kurssprünge ergibt sich daraus wohl nicht", sagt Basse. "Es bleibt ein makro-getriebener Markt. Investoren spielen nicht einzelne Unternehmensstories, sondern das gesamte Umfeld."

Der wichtigste Termin an der Wiener Börse wird die BIlanzpräsentation der Erste Group am Mittwoch sein. CEO Andreas Treichl wird wohl einen deftigen Nettoverlust für das Gesamtjahr 2011 vorlegen.

Reuters/hahn

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