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EZB lässt Zins unverändert bei 4,5 Prozent

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Trotz Konjunktursorgen vorerst keine Zinssenkung
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Die Europäische Zentralbank (EZB) pausiert auch im neuen Jahr und lässt die Leitzinsen erneut unverändert. Die Hüter des Euro um EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschlossen am Donnerstag auf ihrem ersten geldpolitischen Treffen 2024, den Schlüsselzins bei 4,50 Prozent zu belassen. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, bleibt weiter auf dem Rekordniveau von 4,00 Prozent.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) pausiert auch im neuen Jahr und lässt die Leitzinsen abermals unverändert. Die Hüter des Euro um EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschlossen am Donnerstag auf ihrem ersten geldpolitischen Treffen 2024, den Schlüsselzins bei 4,50 Prozent zu belassen. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, bleibt weiter auf dem Rekordniveau von 4,00 Prozent.

"Die zukünftigen Beschlüsse des EZB-Rats werden dafür sorgen, dass die Leitzinsen so lange wie erforderlich auf ein ausreichend restriktives Niveau festgelegt werden", erklärten die Währungshüter. Eine Zinswende ist für die EZB zurzeit kein Thema.

Im EZB-Rat sei man sich einig gewesen, dass es "zu früh sein", über Zinssenkungen zu sprechen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss in Frankfurt. Konsens herrsche unter den Währungshütern auch darüber, dass der geldpolitische Kurs weiter an Daten und nicht am Kalender auszurichten sei, sagte sie auf die Frage, ob Zinssenkungen im März oder April vom Tisch seien. "Wir haben unsere Abhängigkeit von den Daten bestätigt", fügte sie hinzu.

Spekulationen und Reaktionen an der Börse

An der Börse wird seit einigen Wochen auf rasche Zinssenkungen in diesem Jahr spekuliert. Mehrere Währungshüter, darunter Lagarde und Deutsche-Bundesbank-Präsident Joachim Nagel haben sich gegen aus ihrer Sicht zu aggressive Zinssenkungserwartungen gestemmt.

Laut Lagarde ist die EZB auf einem guten Weg, die Inflation im Euroraum auf zwei Prozent zurückzubringen. "Wir werden wahrscheinlich viel mehr im April, Mai wissen," sagte sie jüngst am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Diese Daten würden der EZB eine gute Vorstellung davon geben, wie sich die Inflation entwickeln werde. "Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe", betonte Lagarde auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss.

In ersten Reaktionen wurde die Zinsentscheidung als erwartbar gewertet. "Im Laufe des Jahres werden wir Leitzinssenkungen sehen, doch Zeitpunkt und Ausmaß werden meines Erachtens von den Märkten nicht richtig eingeschätzt", erklärte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). "Die Zinswende wird später kommen und geringer ausfallen als gegenwärtig von den Märkten eingepreist," fügte er hinzu.

Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sollte sich die EZB von aggressiven Zinssenkungserwartungen der Finanzmärkte nicht unter Druck setzen lassen. Solange die Löhne so stark stiegen wie zuletzt, sei das Inflationsproblem noch nicht gelöst. "Die 70-er Jahre zeigen, wie gefährlich es ist, wenn eine Zentralbank den Sieg über die Inflation zu früh erklärt," merkte er an.

Ausblick und Hintergrund

Die EZB teilte mit, sei werde bei der Festlegung der richtigen Höhe und Dauer des restriktiven Niveaus auch künftig einen datengestützten Ansatz verfolgen. Die Euro-Wächter hatten im Kampf gegen die hohe Inflation seit Sommer 2022 zehnmal in Serie die Zinsen angehoben, zuletzt geschah dies im September. Seitdem blieb sie auf dem erreichten Zinsplateau, da die Inflation inzwischen deutlich nachgelassen hat.

Die Inflation lag im Dezember bei 2,9 Prozent - noch im Herbst 2022 war die Teuerung zeitweise auf über zehn Prozent geklettert. Das Inflationsziel der EZB rückt damit wieder näher. Der Beschluss einer erneuten Zinspause dürfte aber auch davon beeinflusst worden sein, dass die Konjunktur im Euroraum derzeit eine Schwächephase durchläuft. Deutschland, die größte Volkswirtschaft in der Eurozone, steckt laut dem Präsidenten des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, in der Rezession fest.

Die EZB will aber tunlichst vermeiden, dass die Konjunktur im Euroraum komplett abgewürgt wird. Laut EZB-Vizepräsident Luis de Guindos könnte die Eurozone vor der Jahreswende in eine technische Rezession abgerutscht sein, wie er unlängst sagte. Im Sommerquartal war das Bruttoinlandsprodukt bereits um 0,1 Prozent geschrumpft. Wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge zurückgeht, sprechen Volkswirte von einer technischen Rezession.

Auch aufgrund dieser Sorgen wurde zuletzt an den Börsen auf eine rasche Zinssenkung gesetzt. Die Wahrscheinlichkeit eines ersten Schritts nach unten im April wurde am Vormittag gemessen an den Kursen noch bei über 60 Prozent taxiert. Vor wenigen Wochen lag die Wahrscheinlichkeit sogar noch höher. Doch mehrere Währungshüter, darunter auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, hatten sich in Reden, Interviews und Diskussionsrunden gegen die Erwartung schneller Schritte nach unten gewandt. Lagarde wies unter anderem darauf hin, dass der EZB Daten zu den diesjährigen Tarifabschlüssen in den Euro-Ländern womöglich erst im späten Frühjahr vorliegen würden. Diese gelten als wichtiges Barometer für die weitere Entwicklung der Inflation.

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