Eurozone steht Jahrzehnt des Schuldenabbaus bevor

Den Ländern der Eurozone steht nach Einschätzung von Wifo-Chef Aiginger ein Jahrzehnt des Schuldenabbaus bevor: "Wir befinden uns in einer zehnjährigen Phase des Zurückfahrens der Schulden", sagte Aiginger im Interview mit den "Salzburger Nachrichten". Einen raschen Befreiungsschlag gebe es nicht, es sei ein langer Weg, "wir haben zehn Jahre Konsolidierung vor uns."

"Und deshalb ist es so wichtig, dass man nicht einseitig auf Sparen setzt, denn zehn Jahre auf Wachstumsinvestionen zu verzichten, das geht nicht," ergänzte Aiginger. 2012 sei ein sehr entscheidendes Jahr, er glaube nicht, dass das Schlimmste schon überstanden sei. Immerhin sei das Wirtschaftswachstum 2011 trotz Katastrophenmeldungen und Unsicherheit mit 3,2 Prozent "hervorragend" gewesen. "Wir stehen eher an der Kippe, und jetzt ist die Frage, ob man die richtigen Antworten auf die Unsicherheit findet."

Bisher sei das weder in Österreich noch auf europäischer Ebene der Fall. "Es gibt in Österreich keine Ansätze einer wachstumsorientierten Konsolidierung und einer Umstellung des Steuersystems, das Leistung und soziale Ausgewogenheit berücksichtigt."

Auf die Frage, wie gefährlich der Zustand sei, in dem wir uns gerade befinden, sagte Aiginger: "Es ist eine Gratwanderung." Europas Wirtschaft werde heuer bestenfalls stagnieren. Nötig sei ein wachstumsorientierter Konsolidierungskurs. "Man muss bei alten Ausgaben sparen, damit Geld für neue da ist. Europa muss als Region mit hohen Löhnen durch beste Technologie und Qualifikation punkten."

Die Ratingagenturen haben nach Ansicht des Wifo-Chefs "eine positive Funktion, aber das Tempo und die Unstetheit ihrer Mitteilungen bedürfen der Korrektur". Vor allem müsse auch klar sein, nach welchen Kriterien Ratings geändert werden, und die Agenturen müssten auch positive Fakten zur Kenntnis nehmen.

Zu Zweifeln an den EU-Beschlüssen vom Dezember erklärte der Wifo-Chef: "Wir haben eine Vertrauenskrise." Die Regierungen hätten die beginnenden Erholung nicht zur Konsolidierung nutzen können, die EU die Unvollkommenheit der Währungsunion nicht beseitigen und kein Regulierungssystem für Banken aufziehen können. Die Rettungsschirme seien zu spät und zu klein gemacht und zersplittert.

- APA

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