Estland hat nun Euro als offizielle Währung

Inmitten der Schuldenkrise in Europa führt Estland mit großen Hoffnungen auf wirtschaftliche Verbesserungen den Euro ein. "Das ist ein kleiner Schritt für die Euro-Zone, aber ein großer Schritt für Estland", sagte Ministerpräsident Andrus Ansip am Neujahrstag in der Hauptstadt Tallinn, wo er als erster Este Euro-Geldscheine statt Kronen aus einem Automaten zog.

Estland ist das dritte unter den neuen ost- und zentraleuropäischen Mitgliedern der Europäischen Union mit der Gemeinschaftswährung. Zuvor hatten Slowenien und die Slowakei dieses Ziel erreicht. Es gebe keine Schwierigkeiten bei der Umstellung, teilte die Zentralbank am Samstag in der Hauptstadt Tallinn mit. Viele Menschen befürchten allerdings einen weiteren Preisanstieg.

Um Mitternacht wurde das baltische Land mit 1,3 Millionen Bürgern, das der EU seit 2004 angehört, zum Euro-Land - als erste frühere Sowjetrepublik. Insgesamt leben nun in der Eurozone 330 Millionen Menschen. Die Staats- und Regierungschefs hatten bei einem Gipfel im Juni in Brüssel endgültig Grünes Licht für die Einführung der EU-Währung in Estland gegeben.

Estland erfüllt im Gegensatz zu seinen Nachbarn Lettland und Litauen die Beitrittsbedingungen mit einem annähernd ausgeglichenen Staatsbudget und geringen öffentlichen Schulden. Die Teuerungsrate allerdings hat zuletzt kräftig angezogen und liegt mit fünf Prozent im EU-Vergleich hoch. Schon 2007 hätten die Esten um ein Haar den Beitritt zum Euro geschafft, scheiterten aber hauchdünn an der zu hohen Inflation.

In der Euro-Krise, die Rettungsaktionen für wackelnde Euro-Länder wie Griechenland und Irland notwendig machte, sind Staaten mit stabiler Budgetpolitik in der EU willkommen. Andere Staaten Mittelosteuropas, etwa Polen und Ungarn, werden ihre Währungen hingegen nicht so schnell gegen den Euro tauschen. Sie sind angesichts der Turbulenzen rund um die Schuldenkrise skeptisch geworden, ob ein Beitritt ihnen viele Vorteile bringt.

Unumstritten ist der Beitritt im Land nicht. Kritiker erklärten, Estland löse "das letzte Ticket für die Titanic".

- APA

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