Erdbeben in Japan: Tsunami überrollte Küste

Ein zehn Meter hoher Tsunami hat die Nordost-Küste Japans überrollt und verheerende Schäden angerichtet. Die Flutwelle wurde am Freitag durch das stärkste Erdbeben in der Region seit mindestens 140 Jahren ausgelöst und riss alles mit sich fort - Autos, Boote, Häuser, Bauernhöfe und Felder.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie riesige Wassermassen das Land überfluteten und Hunderte Meter ins Landesinnere vordrangen. Medien berichteten von mindestens 22 Toten und zahlreichen Verletzten, allerdings wurde damit gerechnet, dass die Zahl angesichts des Ausmaßes der Katastrophe erheblich steigen würde.

Das Beben der Stärke 8,9 löste auch Erdrutsche aus, zahlreiche Gebäude standen in Flammen. Es kam zu mehreren starken Nachbeben, auch die Häuser in Tokio gerieten heftig ins Wanken. Millionen Haushalte waren nach Medienberichten ohne Strom, Atomkraftwerke wurden abgeschaltet. Die Tsunami-Warnung wurde auf den gesamten Pazifik-Raum mit Ausnahme von Kanada und des US-Festlands ausgeweitet. Auch für Japan wurden weitere Tsunamis befürchtet.

Besonders heftig traf der Tsunami die Küste bei der Millionenstadt Sendai. Die Flutwelle schwemmte der Agentur Kyodo zufolge Autos über die Startbahn des Flughafens. In der Stadt brachen zahlreiche Brände aus. Ein Hotel stürzte ein, Gäste wurden verschüttet. Vor der Küste von Sendai wurde das Epizentrum des Bebens vermutet. Sendai liegt rund 300 Kilometer nordöstlich von Tokio.

Dort standen ebenfalls Gebäude in Flammen. Die U-Bahn in der Hauptstadt stellte ihren Betrieb ein. Die Hochgeschwindigkeitszüge in den Norden des Landes wurden gestoppt, Flüge umgeleitet. In der Nähe von Tokio stand auch eine Raffinerie in Brand, das Feuer drohte auf Dutzende Speichertanks überzugreifen.

Laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wurden die vier dem Erdbebenzentrum am nächsten gelegenen Atomkraftwerke sicher abgeschaltet. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan erklärte, einige Atomkraftwerke seien aus Sicherheitsgründen heruntergefahren worden. Es gebe keine Berichte über ausgetretene Radioaktivität. Kyodo meldete hingegen ein Feuer im Atommeiler Onagawa im Nordosten.

In der Präfektur Wakayama forderten die Behörden rund 20.000 Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch in anderen Gegenden wurden die Bewohner angewiesen, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben.

Die Fahrgäste der U-Bahn in Tokio begannen zu schreien, als sie die Erdstöße spürten. Sie griffen nach den Händen der anderen Passagiere, um nicht zu stürzen. "Das Gebäude wankte lange Zeit und viele Kollegen in der Redaktion griffen nach ihren Helmen und einige suchten Schutz unter ihren Tischen", berichtete Reuters-Korrespondentin Linda Sieg aus der Hauptstadt. "Es war vermutlich das Schlimmste, das ich seit meiner Ankunft in Japan vor 20 Jahren erlebt habe."

Menschen rannten in Panik aus ihren Büros und Einkaufszentren im Zentrum der Metropole. "Ich hatte sofort die Bilder von dem Beben in Neuseeland im Kopf", sagte ein Web-Designer, der in einem Coffee-Shop von den Erdstößen überrascht wurde.

Nach dem Beben weitete der Tokioter Aktienmarkt seine Verluste aus. Die Zentralbank erklärte, sie werde alles tun, um die finanzielle Stabilität sicherzustellen. Es war das heftigste Beben in Japan seit Beginn der Aufzeichnungen 1872. An Stärke übertraf es das Beben der Region Kanto im Jahr 1923, bei dem mehr als 140.000 Menschen im Tokioter Raum umkamen. Im Jahr 1995 erschütterte ein starkes Beben die Stadt Kobe und verursachte Schäden im Umfang von rund 100 Milliarden Dollar (72,4 Mrd. Euro).

Das Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik teilte mit, für die gesamte Region würden Tsunamis befürchtet. An Taiwans Ostküste wurden Evakuierungen angeordnet, auf den Philippinen wurden die Menschen angewiesen, die Küstenstriche im Osten zu meiden. Die Internationale Föderation des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds erklärte, die Flutwelle sei so hoch gewesen, dass möglicherweise Pazifik-Inseln komplett überschwemmt worden seien.

Die Katastrophe weckte Erinnerungen an den Tsunami im Jahr 2004 im Indischen Ozean, bei dem mehr als 200.000 Menschen starben.

- APA

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