Erdbeben in Japan: Schockwellen in Finanz- und Rohstoffmärkten

Die Erdbeben-Katastrophe in Japan hat am Freitag Schockwellen durch die internationalen Finanz- und Rohstoffmärkte gesendet. "Der steigende Ölpreis wegen der Krise in Nordafrika und die Euro-Schuldenkrise sorgen ja ohnehin schon für schlechte Stimmung," sagte Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. "Und nun belastet das Beben in Japan zusätzlich."

Angeführt von einem Kursrutsch bei den Rückversicherern fiel der EuroStoxx50 um 1,2 Prozent, der Dax gab bis zu 1,4 Prozent auf 6.963 Punkte nach und an der Wiener Börse sank der ATX um 0,73 Prozent auf mittags 2.786,43 Punkten. Der Nikkei-Index hatte in Tokio mit einem Abschlag von 1,7 Prozent auf einem Fünf-Monats-Tief geschlossen.

"Die Schäden lassen sich noch nicht beziffern, aber für die nordjapanische Wirtschaft sieht es schrecklich aus", sagte Tsutomu Yamada, Marktanalyst bei Kabu.com Securities.

Die Grundstimmung an den Märkten war ohnehin angespannt: Zum einen herrschte große Unsicherheit, welche Ergebnisse der Euro-Gipfel in Brüssel bringt. Zum anderen stand im größten OPEC-Förderland Saudi-Arabien ein neuerlicher Protesttag an. Dieser lief zunächst ruhig an - die Preise für Öl gaben nach. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,38 auf 114,05 Dollar (82,54 Euro). Die US-Sorte WTI kostete 101,74 Dollar und damit knapp einen Dollar weniger als im späten Vortagesgeschäft.

Die Sorgen vor einem weiteren Dämpfer für die weltweite Erholung schickten nach dem Beben vor allem die Industriemetalle auf Talfahrt. Gefragt war dagegen der sichere Hafen Gold. Japan ist laut Commerzbank nach China und den USA das weltweit drittgrößte Rohstoffverbrauchsland und bei nahezu allen Rohstoffen auf Importe angewiesen. In Tokio gehandelte Gummi-Futures fielen um 3,7 Prozent auf 4,84 Dollar je Kilogramm. Das war der niedrigste Stand seit fast drei Monaten. Der Inselstaat ist vor allem im Geschäft mit Gummi sehr stark engagiert.

An den internationalen Devisenmärkten stand der Yen im Fokus. In den Handelsräumen wurde darüber spekuliert, dass die Japaner - wie auch schon nach dem schweren Beben von Kobe im Jahr 1995 - Fremdwährungen wieder zurückführen. Die Landeswährung stieg zum Dollar bis auf 82,59 (spätes Vortagesgeschäft: 82,92) Yen. Der Euro notierte um 1,3767 und damit etwas niedriger als im späten Vortagesgeschäft.

Am deutschen Aktienmarkt gingen vor allem die Münchener Rück und Hannover Rück auf Talfahrt. Die Titel der Rückversicherer verbilligten sich um 4,8 beziehungsweise 5,6 Prozent, die Allianz gab um 2,1 Prozent nach. "Japan hat einen sehr entwickelten Versicherungsmarkt. Deswegen dürfte es sehr hohe Belastungen geben", prognostizierte Matthias Engelmayer von Independent Research. Nach Einschätzung des Schweizer Rückversicherers Swiss Re sind die Kosten der Naturkatastrophe in Japan bisher noch nicht abschätzbar. Für den Konzern ist Japan einer der zehn wichtigsten Märkte. Die Aktien gaben um mehr als fünf Prozent nach.

- APA

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