Entwarnung: Keine Kreditklemme in der Euro-Zone

Im Dezember gab es noch einen Rekordeinbruch um 35 Milliarden Euro. Private Haushalte erhielten zu Jahresbeginn sogar mehr Darlehen. Experten führen die Entspannung auf die Europäische Zentralbank (EZB) zurück, die die Banken mit billigem Geld überschüttet hat.

Die Institute erhielten im Dezember fast eine halbe Billion Euro für bis zu drei Jahre zu Niedrigzinsen - in der Hoffnung, dass sie einen Teil davon an Unternehmens- und Privatkunden weiterreichen. Obwohl die Rechnung zumindest teilweise aufgegangen ist, warnen Experten vor zu viel Optimismus. "Die Gefahr einer Kreditklemme ist noch nicht gebannt", sagte ING-Analyst Carsten Breszki. Die Geldflut habe zwar die Stimmung gehoben - ablesbar etwa an steigenden Aktienkursen und den sinkenden Zinsen für Staatsanleihen aus Krisenländern wie Italien. "Die Auswirkungen auf die Konjunktur bleiben aber begrenzt", sagte Breszki.

Die EZB will an diesem Mittwoch nachlegen und den Banken erneut so viel Geld für drei Jahre leihen wie sie wollen. Von Reuters befragte Händler von Kreditinstituten der Euro-Zone gehen davon aus, dass die Banken 500 Milliarden Euro abrufen werden - elf Milliarden Euro mehr als bei der ersten Aktion im Dezember. Mitte Januar war lediglich eine Nachfrage von 263 Milliarden Euro prognostiziert worden. "Das wird als letzte Gelegenheit gesehen, sich Liquidität über drei Jahre zu beschaffen", sagte ein Geldhändler. Alle Experten gehen davon aus, dass die EZB nicht noch einmal für einen so langen Zeitraum billiges Geld bereitstellt. Der Zins orientiert sich am Leitzins, der auf dem Rekordtief von einem Prozent liegt. Nach den Worten von EZB-Chef Mario Draghi wurde bereits mit der ersten Aktion eine "große, große Kreditklemme" verhindert.

Die Banken horten viel Geld, weil sie bei einer Eskalation der Schuldenkrise - etwa durch eine Staatspleite von Griechenland - viel Geld verlieren würden. Auch müssen sie künftig mehr Eigenkapital vorhalten.

Banken kaufen mehr Staatsanleihen

Die Banken steckten einen Teil des EZB-Geldes in den Kauf von Staatsanleihen. Banken in Italien und Spanien haben ihre Bondkäufe im Januar hochgefahren, geht aus Daten der EZB hervor. Das ist nicht nur ein Akt des guten Willens, um zur Stabilisierung der Euro-Zone in der Schuldenkrise beizutragen. Die Banken verdienen auch gutes Geld: Bei der EZB können sich die Institute Geld für ein Prozent Zinsen leihen, bekommen aber etwa für fünfjährige spanische Anleihen eine Rendite von rund 3,6 Prozent.

Spanische Banken steigerten ihren Bestand von Staatsanleihen der Euro-Länder um die Rekordsumme von 23,1 Milliarden Euro auf 229,6 Milliarden Euro. In Italien stieg das Volumen um den monatlichen Spitzenwert von 20,6 Milliarden Euro auf 280 Milliarden Euro. Auch Banken aus Irland, Frankreich und Deutschland erhöhten ihre Bestände. Portugal und Griechenland hingegen, die auf Milliarden-Hilfen ihre Euro-Partner angewiesen sind, bauten ihren Bestand an Staatsanleihen aus.

Geldmenge wächst

Für eine leichte Entspannung spricht auch das beschleunigte Wachstum der Geldmenge M3 in der Euro-Zone. Sie wuchs im Januar um 2,5 (Dezember: 1,6) Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Reuters

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