Drogenkrieg in Mexiko: Morden, bis der Papst kommt

In den meisten Ländern hängt man bunte Girlanden auf, wenn der Papst zu Besuch kommt, und schickt kleine Kinder mit Konfetti vor. In Mexiko rief der Erzbischof von León die Drogenbanden im Januar öffentlich auf, es wäre doch schön, wenn sie zumindest während des Besuchs des Heiligen Vaters Abstand davon nehmen würden, zu morden und Leichenteile im Stadtzentrum zu verteilen. Man ist bescheidener in dem katholischen Land.

Und einem Erzbischof möchte offenbar nicht mal ein mexikanischer Mafioso einen Wunsch abschlagen. Diese Woche hingen plötzlich zeitgleich in sieben Städten des Bundesstaats Guanajuato, auch in León, riesige, von Hand beschriebene Leintücher von den Straßenbrücken herab.

"Wir begrüßen den Papst!", stand darauf. Zu der Botschaft bekannten sich die "Tempelritter", eine Absplitterung der brutalen Bande "La Familia Michoacana", die sich erst vor einem Jahr gegründet hatte. Dieses Ereignis hatte sie damals ebenfalls per Leintuch verbreitet - es ist das beliebteste Kommunikationsmittel der Kartelle, auch in Zeiten von Twitter. Schließlich signalisiert es gleichzeitig: Auch wenn ihr für den Papst mehr Soldaten und Polizisten auf die Straßen schickt, könnt ihr den "Tempelrittern" nichts anhaben.

Das Kartell ist die katholischste der mexikanischen Drogenbanden. Die Gruppe hat ein Manifest verfasst, das sich an den Grundsätzen ihrer frühmittelalterlichen Vorgänger orientieren will, die im Nahen Osten raubten und mordeten. "Wir kämpfen für das Gute", heißt es darin etwa. Wer für böse befunden wird, den bringt man um.

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