Drittreichster Russe macht Putin Präsidentschaft streitig

Jetzt hat der Oligarch Michail Prochorow ein anderes Ziel im Visier: Er will dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin bei der Präsidentenwahl am Sonntag die Stirn bieten und selbst in den Kreml einziehen.

Der 46-Jährige begann seine politischen Gehversuche im vergangenen Jahr, als er vor der Duma-Wahl kurz die Kreml-nahe liberale Partei Gerechte Sache anführte, sie aber nach einem Streit mit dem einflussreichen Putin-Vertrauten Wladislaw Surkow wieder verließ. Der 18 Milliarden Dollar schwere Prochorow machte sein Geld während der Privatisierungen der 90er Jahre im Banken- und Rohstoffsektor. Heute gehört ihm auch das amerikanische Basketball-Team New Jersey Nets. Der 2,04-Meter-Hüne spielt selbst Basketball und weiß, dass sich sportliche Erfolge nicht immer sofort einstellen. Für seine "Nets" hat er das Ziel, den Meistertitel in fünf Jahren zu holen. Manchmal müsse man einfach ein wenig Geduld haben, erklärt Prochorow.

Ähnlich sieht er auch seine politische Karriere: "Ich war ein Gewinner in der Wirtschaft, jetzt will ich ein Gewinner in der Politik sein", verkündet der Milliardär im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Der Präsidenten-Wahlkampf biete ihm ein ideales Sprungbrett in die Politik. "Am Ende des Tages werde ich siegen."

Die meisten politischen Beobachter gehen nicht davon aus, dass Prochorow Putin derzeit gefährlich werden kann. In einer aktuellen Umfrage des unabhängigen Meinungsforschungsinstituts Lewada kommt er auf lediglich sechs Prozent der Stimmen. Prochorow sei eine Karikatur eines Oligarchen, den Millionen von Wählern erklärtermaßen niemals unterstützen würden, sagt Nikolai Petrow vom Carnegie Moscow Center.

Putin klar in Front

Putin führt die Umfragen trotz des Vorwurfs von Wahlbetrug bei der Parlamentswahl im Dezember mit großem Vorsprung an. Prochorow weist Vorwürfe von Kritikern zurück, er lasse sich vom Kreml instrumentalisieren, da sein Werben vor allem um Wähler aus der von Putin enttäuschten Mittelschicht den Frust in kontrollierbare Bahnen lenke.

Auch der inhaftierte Ex-Chef des Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, sieht in Prochorow einen vom Kreml bestellten Gegenkandidaten zu Putin. Prochorow sei vermutlich ein "reines Putin-Projekt", auch wenn dieser es selbst nicht wahrhaben wolle, erklärt Chodorkowski, der selbst politische Ambitionen hatte erkennen lassen und danach in zwei Verfahren wegen verschiedener Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Konzern zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden war.

Prochorow kündigte schon einmal an, den früheren Ölmagnaten im Fall eines Wahlsieges zu begnadigen. Zudem will er die Duma auflösen und Ende des Jahres ihre Neuwahl abhalten. Der Oligarch will insbesondere die Stimmen der liberal gesinnten wachsenden Mittelschicht einsammeln, die hauptsächlich in Städten wie Moskau und Sankt Petersburg zu finden ist und zuletzt massenhaft zu Demonstrationen gegen Putin auf die Straße ging.

Auf Prochorows Agenda steht nicht weniger als Russland zu "einem der transparentesten, offensten und demokratischten Länder der Welt zu machen".

Playboy-Image als Hindernis

Als Stolperstein auf seinem politischen Weg könnte sich Prochorows Ruf als Playboy mit Hang zu Luxus-Partys und Vorliebe für Nobel-Skiorte erweisen. 2007 wurde der Unternehmer, den das "Forbes"-Magazin als drittreichsten Mann Russlands und auf Platz 32 im weltweiten Vergleich sieht, im französischen Wintersport-Resort Courchevel festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, Prostituierte eines illegalen Callgirl-Rings für Partys engagiert zu haben. Der Junggeselle wies die Anschuldigungen zurück und wurde später entlastet. "Prochorow war in zu viele Skandale verwickelt und kann sich daher nicht mehr darauf verlassen, ein beliebter Politiker zu werden", sagt Politik-Experte Petrow. "Er kann jederzeit ausgebremst werden."

Prochorow selbst sieht die Angelegenheit betont gelassen und hat sie sogar als "Beginn meiner politischen Karriere" bezeichnet. Vorher habe ihn in Russland niemand gekannt. "Danach wurde ich mehr oder weniger berühmt."

Reuters

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