Die Schweizer Uhrenindustrie boomt

Longines und Tissot stehen erneut vor einem guten Geschäftsjahr. Beide Uhrenmarken stellen Personal ein und investieren in ihre Produktionsstätten. Longines ist im höheren Mittelklasse-Segment tätig, Tissot bedient die Mittelklasse.

Viele Marken in diesen Preisklassen mussten im vergangenen Jahr wegen des starken Frankens und der teuren Rohstoffe ihre Preise erhöhen. Sie erhofften sich zudem, so noch mehr vom Uhrenboom in Asien zu profitieren. Eine ganz andere Strategie verfolgten Longines und Tissot: Beide Marken hielten ihre Preise konstant und wollen dies auch 2012 tun.

"Es ist eine sehr kostspielige Entscheidung, auf Kosten der Rentabilität nur den Markt zu begünstigen", sagt Walter von Känel, Longines-Chef seit fast einem Vierteljahrhundert, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die Uhren aus St-Imier (BE) kosten zwischen 1.000 und 4.000 Franken (830 bis 3.320 Euro).

"Man kann alles erhöhen, nur nicht den Preis", bekräftigt Tissot-Chef François Thiebaud, der anlässlich der Baselworld 2012 sein 16-jähriges Jubiläum an der Unternehmensspitze feiern kann. "Eine Uhrenmarke muss immer noch innovativer sein, die Qualität des Verkaufs und des Kundenservices stetig verbessern", führt Thiebaud aus. Für eine Tissot-Uhr müssen Kunden zwischen 250 und 1200 Franken bezahlen.

Tissot wie auch Longines profitieren beide von der Marktmacht ihres Mutterkonzerns Swatch Group. "Es ist die Stärke der großen Konzerne, dass sie ihre Margen auf allen Ebenen halten können - beim Einkauf, der Produktion, den eigenen Filialen und der Detailhändler", sagt von Känel. Dies ist wahrlich ein Trumpf - besonders unter Berücksichtigung der aktuellen Währungseffekte, unter denen die Uhrenindustrie leidet: Im Jahr 2011 musste die Branche bei den weltweiten Verkäufen von rund 7 Mrd. Fr. Einbußen von rund 700 Mio. Fr. verbuchen.

Enorme Werbeausgaben

Mit Swatch im Rücken können es sich die Uhrenfirmen auch leisten, hunderte Millionen in die Werbung zu investieren und so ihre globale Präsenz zu sichern. Tissot-Uhren werden in über 16.000 Verkaufsstellen in über 160 Ländern und eigenen 34 Filialen verkauft. Longines seinerseits betreibt rund ein Dutzend eigene Boutiquen, daneben gibt es rund hundert Franchisenehmer, die Hälfte davon in China.

"Longines wird in seinem Preissegment noch äußerst erfolgreich sein in diesem Jahr", sagt Walter von Känel. "Wir sind extrem gut ins neue Jahr gestartet und haben genug Uhren produziert für ein außerordentliches Jahr." Der Swatch-Konzern und seine 17 Uhrenmarken erwarten für das Jahr 2012 ein Umsatzwachstum zwischen fünf und neun Prozent.

Longines hat sich das Ziel gesetzt, beim Umsatz nach 2011 in diesem Jahr erneut die Milliardengrenze zu durchbrechen. "Gemessen am Umsatz sind wir das fünftstärkste Schweizer Uhrenunternehmen", sagt Firmenchef von Känel. Die Uhrenmarke, die in diesem Jahr ihr 180-jähriges Jubiläum feiert, liegt demnach nur noch hinter Rolex, Omega, Cartier und Patek Philippe zurück.

Asien als Umsatzreiber

Die Hälfte des Umsatzes macht Longines in Asien und im Mittleren Osten, rund ein Drittel wird in Europa generiert. Um die große Nachfrage zu stillen, wird die Marke, die jedes Jahr rund eine Million Uhren produziert, zwischen 40 und 60 neue Mitarbeiter anstellen. Derzeit beschäftigt Longines rund 700 Personen an seinem Standort in St-Imier.

Auch Tissot erwartet ein ausgezeichnetes Jahr. Die im neuenburgischen Locle beheimatete Marke, die einen Drittel ihrer Verkäufe in Asien erzielt, hat seit dem Antritt von François Thiebaud als Chef ein kontinuierliches Wachstum hingelegt. Selbst 2009, als der Rest der Schweizer Uhrenindustrie an den Nachwehen der Finanzkrise litt, legte Tissot unbeeindruckt zu.

Mit den ihr zugehörenden Marken Certina und Mido ist das Unternehmen drauf und dran, im laufenden Jahr 5 Millionen Uhren herzustellen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr produzierte Tissot 3 Millionen Uhren. Derzeit beschäftigt Tissot rund 1.000 Angestellte, 300 davon in Locle.

APA/hahn

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