"Die Finanz zerstört uns und
zerstört sich selbst"

"Die Völker haben begriffen, dass ihr Schicksal nicht von Zentralbankchefs abhängen kann, die Politik betreiben. Sie begreifen, dass dieses System sich nicht mehr aufrechterhalten kann, dass die Finanz uns zuerst zerstört und sich dann selbst zerstört", sagte Tremonti in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".

"Seit jeher behaupte ich, dass man die produktiven Aktivitäten der Banken von der Spekulation trennen muss, dass man Derivate verbieten und Eurobands einführen soll. Das sind Dinge, die ich in meinem Buch geschrieben habe und die ich jetzt im Programm des Franzosen Francois Hollande und der deutschen Sozialdemokraten lese", kommentierte Tremonti.

Der Ex-Wirtschaftsminister in der Regierung des bis November amtierenden italienischen Premiers Silvio Berlusconi kritisiert die strenge Sparpolitik des Fachleutekabinetts Monti. Er befürchte die sozialen Auswirkungen der Sparmaßnahmen. Montis Sparplan sei unausgewogen, weil er lediglich auf Steuern und Tariferhöhungen basiere, die die einkommensschwachen Gruppen belasten.

Arbeitslosgkeit steigt massiv

In Italien nimmt die Arbeitslosigkeit unter dem Druck der Krise zu. Im ersten Quartal 2012 kletterte die Arbeitslosenquote auf 9,7 Prozent, das sind 1,9 Prozentpunkte mehr als im Vergleichszeitraum 2011, teilte die Internationale Organisation für Arbeit (ILO) am Montag in ihrem neuesten Bericht zur Lage in Italien mit. Es handelt sich um den höchsten Stand seit 2001. Die wahre Arbeitslosenquote sei jedoch noch höher, weil neben den 2,1 Millionen Arbeitslosen 250.000 Menschen wegen der Wirtschaftskrise in Kurzarbeit seien.

Besorgniserregend ist auch die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen, wie aus der ILO-Studie hervorgeht. Im ersten Quartal 2012 stieg die Zahl der Italiener ohne Job im Alter zwischen 15 und 24 Jahren auf 32,6 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit habe sich seit Beginn der Krise im Jahr 2008 verdoppelt.

Die ILO rief Italien auf, seine Verschuldung einzudämmen, ohne das Wirtschaftswachstum zu beeinträchtigen. Das Land müsse die Investitionen zur Förderung der Beschäftigung erhöhen. Außerdem sollten Klein- und Mittelunternehmen aktiv unterstützt werden. Ihr Zugang zu Krediten sollte in dieser schwierigen Phase erleichtert werden.

Der stärkste italienische Gewerkschaftsverband CGIL erklärte sich wegen des neuen Anstiegs der Arbeitslosigkeit besorgt. Die linke Gewerkschaft rief die Regierung Monti auf, angesichts der schwierigen Beschäftigungslage auf ihre Pläne zur Auflockerung des Kündigungsschutzes zu verzichten. Diese Pläne sind in der Arbeitsmarktreform enthalten, die jetzt vom Parlament überprüft wird. Gegen die Arbeitsmarktreform plant der CGIL-Verband einen achtstündigen Generalstreik. Ein Datum für den Streik wurde noch nicht bekanntgegeben.

Agenturen/hahn

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