Deutscher Iran-Experte warnt vor Überreaktion gegenüber Ahmadinejad

Vor der Parlamentswahl im Iran hat der Sicherheitsexperte der deutschen Grünen, Omid Nouripour vor wachsender Kriegsgefahr durch Überreaktionen des Westens gegenüber dem Regime gewarnt. Der Umgang mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad gleiche einem Geduldsspiel, sagte der in Teheran geborene sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

"Wir müssen weiter mit Sanktionen Druck ausüben, aber bei aller Bedrohung durch das iranische Atomprogramm: Wir haben noch Zeit", meinte Nouripour. Die Parlamentswahl im Iran an diesem Freitag ist der erste Test für Ahmadinejad seit dessen umstrittener Wiederwahl vor knapp drei Jahren. Die Parlamentswahl hat vor allem innenpolitische Bedeutung.

"Die Gefahr eines Kriegs gegen den Iran ist so real wie noch nie", warnte Nouripour. Dabei schätze er die Wahrscheinlichkeit eines israelischen Angriffs derzeit als vergleichsweise gering ein. Doch Ahmadinejad selbst habe ein Interesse an einer Eskalation des Konflikts mit der Staatengemeinschaft.

Sein Zeitfenster schließe sich mit den Präsidentschaftswahlen 2013, bei der er nicht mehr antreten dürfe. Die Zeit Ahmadinejads im Machtkampf mit Ayatollah Ali Khamenei, dem starken Mann im Iran, laufe immer mehr ab. "Ahmadinejad kann die Machtauseinandersetzung nur über die Eskalation des internationalen Konflikts entscheiden", warnte Nouripour.

Dafür reiche Ahmadinejad womöglich ein Anlass, um zum Beispiel die wichtigste Öl-Transportroute über das Meer, die Straße von Hormuz, zu schließen. "Das könnte die internationale Gemeinschaft zum Handeln zwingen." Vor allem an Amerika liege es dann.

Im Zuge einer solchen Eskalation drohe ein Szenario, bei dem Hardliner um Ahmadinejad zu einem Militärputsch drängen. Auch Hochhäuser in Dubai könnten von iranischen Scut-Raketen bedroht sein. "Der Nebeneffekt könnten eine Schockwelle für die Weltwirtschaft und dauerhaft hohe Öl- und Gaspreise sein", sagte Nouripour.

Dies rücke auch Russlands Regierungschef Wladimir Putin in die Rolle des Gewinners, denn dessen bröckelnde Machtbasis sei von hohen Öl- und Gaspreisen abhängig. "Eine konstruktive Rolle Russlands wäre in einer solchen Konstellation nicht zu erwarten."

- APA

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