Der IWF adelt Deutschland

"Die Aussichten für den Aufschwung in Deutschland sind günstig, doch wird der Ausblick eingetrübt durch externe Risiken", heißt es im jüngsten IWF-Länderbericht zu Deutschland.

Das größte dieser externen Risiken sei eine Verschärfung der Euro-Staatsschuldenkrise. Auch von der globalen Entwicklung und dem Ölpreis könnten Gefahren für den Aufschwung ausgehen. Der Fonds forderte Deutschland auf, mit Reformen die Wachstumskräfte zu steigern und noch mehr für die Absicherung der Bankensektors zu tun. Die Haushaltspolitik der Regierung nannten IWF-Verteter angemessen, und zwar ohne explizit neue Ausgabenprogramme zur Wachstumsstärkung zu fordern.

Der IWF hatte im letzten Weltwirtschaftsausblick (WEO) für Deutschland ein Wachstum von 0,6 Prozent in diesem Jahr und 1,5 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt. Es gibt auch keinen Grund, dies derzeit zu ändern, sagten IWF-Vertreter in Berlin. "Die derzeitige Entwicklung ist im Großen und Ganzen im Einklang mit unseren Erwartungen vom WEO", erklärten sie. Im zweiten Jahr sollte Deutschland dem Fonds zufolge sein Wachstumspotenzial wieder ausschöpfen, das bei einer Jahresrate von rund 1,25 Prozent liege.

Privater Konsum als Stütze

Getragen wird der deutsche Aufschwung inzwischen nach den Analysen des Fonds vom privaten Konsum und den Investitionen, also dem Binnenmarkt. Den Kurs einer moderaten finanzpolitischen Konsolidierung hält der Fonds für angemessen. "Wir würden keine ehrgeizigere Konsolidierung empfehlen", macht ein Vertreter des Fonds aber klar. Zudem sieht der Fonds Deutschland auf dem Kurs einer etwas ausgewogeneren Entwicklung, das heißt insbesondere mit niedrigeren Leistungsbilanzüberschüssen. Diese sollen nach Angaben von Fonds-Vertretern von zuletzt sieben Prozent in Richtung - längerfristig - vier Prozent des BIP sinken.

Weiterhin als verwundbar schätzt der IWF den deutschen Bankensektor ein, und zwar trotz Fortschritten in Hinblick auf eine stärkere Krisen-Beständigkeit. Dabei monierte der Fonds unter anderem hohe Fremdfinanzierungsanteile, eine schwächere Qualität des Banken-Kapitals sowie signifikante Außenstände im grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr. Auch bei den Landesbanken sei noch einiges zu tun. "Wir meinen insbesondere, dass noch größere Anstrengungen nötig sind, um die Landesbanken zu restrukturieren und ihre Geschäftsmodelle zu reformieren", hieß es in dem Bericht.

In der krisengeplagten Euro-Zone sieht der IWF Deutschland in einer herausgehobenen Rolle, um für den Währungsraum eine stabilere Architektur für Nach-Krisen-Zeiten zu schaffen. Das gelte etwa beim Werben um mehr Strukturreformen in den Ländern des Raumes. Diese sollten durch paneuropäische Maßnahmen ergänzt werden. Dies könnte die stärkere Mobilisierung von EU-Strukturfondsmitteln einschließen, auch den Ausbau der Ausleihkapazitäten der Europäischen Investitionsbank (EIB). Daneben könnte der Abbau von Ungleichgewichten in der Euro-Zone zu mehr Stabilität verhelfen. Wenn Deutschland im Zuge dieser größeren Ausgewogenheit im Währungsraum zeitweise eine etwas überdurchschnittliche Inflation verzeichnen würde, dann wäre das nach Einschätzung des Fonds hinnehmbar.

Reuters

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