China will Konjunktur mit mehr Krediten anschieben

Die Notenbank der zweitgrößten Volkswirtschaft schraubte die Mindestreserveanforderung für Banken um 50 Basispunkte auf 20,5 Prozent zurück. Damit haben die Geldhäuser etwa bis zu umgerechnet knapp 50 Mrd. Euro mehr Geld zur Vergabe von Krediten zur Verfügung. Es ist der zweite Schritt dieser Art seit November.

Damals hatte die Notenbank erstmals seit drei Jahren die Rücklagenquote gesenkt, um den Geldfluss an Unternehmen und Verbraucher zu verstärken. Aus Furcht vor einer Überhitzung der schnell wachsenden Wirtschaft hatte sie zuvor die Kreditvergabe gedrosselt. Doch nun zeichnet sich das fünfte Quartal mit einem sinkenden Wachstum in Folge ab.

Experten hatten schon seit längerem mit der Entscheidung der Notenbank gerechnet und sehen noch Spielraum für eine weitere Lockerung der Mindestreserveanforderung. Gleichwohl gehen sie nicht von drastischen Schritten aus, da die Notenbank auch die Inflationsgefahren im Blick haben müsse. "Es ist keine große Überraschung", sagte Ökonom Hua Zhongwei von Huachuang Securities. Auch wenn die chinesische Führung stets die Bedeutung einer stabilen Geldpolitik betone, sei eine Senkung der Mindestreserveanforderung nötig. Denn die Konjunkturdaten vom Jänner deuteten auf einen weiteren Abschwung der Wirtschaft hin.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt damit, dass sich das Wachstum im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet auf 8,2 Prozent verlangsamt von 8,9 Prozent im Schlussquartal 2011.

Wachstum flaut ab

Die Regierung in Peking geht davon aus, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr unter die Marke von 8 Prozent sinken wird. Einige Experten schließen sogar nicht aus, das es unter 7 Prozent fallen könnte.

Das käme einer Rezession gleich, sagte Paul Markowski von MES Avisers. Denn die meisten Fachleute schätzen, dass China ein Wachstum von 8 Prozent benötigt, um dem jährlichen Ansturm am Arbeitsmarkt Herr zu werden. 2011 wuchs die Wirtschaft noch um 9,2 Prozent, 2010 sogar um 10,4 Prozent.

Ein Abschwung könnte auch globale Folgen haben, da China angesichts der Schuldenkrise in Europa und der Konjunkturunsicherheiten in den USA zum wichtigsten Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft wurde. Chinas Vize-Präsident Xi Jinping (Bild) trat diesen Sorgen entgegen. "Chinas Wirtschaft wird weiter stabiles Wachstum aufweisen. Es wird keine sogenannte harte Landung geben", versicherte der 58-Jährige, der als designierter Nachfolger von Staatsoberhaupt Hu Jintao gilt, zum Abschluss seiner USA-Reise. Der Exportweltmeister werde zudem weitere daran arbeiten, den Binnenkonsum zu stärken und mehr zu importieren.

APA/hahn

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