Bausparkassen hoffen auf Rettung in letzter Sekunde

Werde die Prämie nur um ein Drittel gekürzt statt um die Hälfte, dann drohe bei den Einlagen der Institute kurzfristig nur ein Rückgang um 5 bis 7 Prozent statt um ein Fünftel, meinte s-Bauspar-Chef Josef Schmidinger am Mittwoch.

Er warf der Politik vor, dass mit der drohenden Halbierung von 114 auf 57 Mio. Euro 40.000 Jobs teilweise aufs Spiel gesetzt würden und man auf einen Teil der knapp 800 Mio. Euro Steuerleistung verzichte, die es durch die jährlich 3,4 Mrd. Euro Finanzierungsleistung des Bausparsektors gebe. In Zeiten ohnedies rückläufiger Neubau-Investitionen und sinkender Wohnbaufördergelder bei steigendem Wohnungsbedarf sei eine Kürzung problematisch.

Schmidinger geht davon aus, dass bei einer Halbierung der Förderung - von derzeit 36 auf 18 Euro im Jahr bezogen auf die maximal förderbare Eigenleistung von 1.200 Euro - nachhaltig 5 bis 7 Prozent der Einlagen wegbrechen könnten, also nicht nur in den ersten ein, zwei Jahren. Würde man von einem Worst-case von dauerhaft Minus 20 Prozent ausgehen, "so dürften wir - bankwirtschaftlich zu Ende gedacht - in den nächsten fünf Jahren kein einziges neues Darlehen mehr vergeben". Denn die Bausparverträge liefen jeweils nur sechs Jahre, die Darlehensrückflüsse seien aber auf 20, 25 Jahre verteilt.

Jedenfalls müsse sich der Bausparsektor teurer refinanzieren - und das werde den Wohnbau und das Wohnen verteuern, warnte Schmidinger beim Bilanzpressespräch der Bausparkasse der Sparkassen. Auf die 6,3 Mrd. Euro Einlagen müsse die "s" derzeit nur 1,82 Prozent Zinsen zahlen, für 2 Mrd. Euro "s"-Wohnbaubank-Anleihen zahlen man 3 Prozent, für 2 Mrd. Euro Pfandbriefe aber 3,7 Prozent. Müssen künftig mehr Bauspareinlagen durch Pfandbriefe substituiert werden, "müssen Kredite wesentlich teurer vergeben werden - eine Konjunkturbremse". Dabei liege die Verteuerung auf der Hand: "0,5 Prozent mehr am Markt machen pro Wohnung und Monat 40 Euro mehr aus - bei der Differenz von 1,8 auf 3,7 Prozent sind das dann 160 Euro", erläuterte Schmidinger: "50, 60 oder 70 Basispunkte werden wir schon hinaufgehen müssen."

Zinslücke ist nicht zu schließen

Die Bausparinstitute selbst könnten die durch eine Förderkürzung entstehende Lücke - entgegen landläufiger Meinung - nicht schließen, das sei angesichts einer Eigenkapitalquote von 8,4 Prozent nicht möglich, betonte Schmidinger. Der Sektor zahle heute bereits mit 1,82 Prozent mehr auf die Einlagen als die Banken, die es im Schnitt nur auf 1,58 Prozent brächten. Und die Darlehensverzinsung liege etwa bei der "s" nur bei 3,22 Prozent gegenüber 3,47 Prozent bei den Banken. Zudem hätten die Institute mit Basel-III-Belastungen zu kämpfen und seien vom deutlich schwierigeren Zwischenbanken-Geschäft betroffen: "Wenn wir weiter Finanzierungsleistungen erbringen sollen, brauchen wir einen kontinuierlichen Mittelzufluss auch auf der Passivseite."

Für Bauwirtschaft und Wohnbau zeichnete Schmidinger ein eher düsteres Bild. Die Lage der Bauwirtschaft sei kritisch, die Bauinvestitionen seien rückläufig, und die Winterarbeitslosigkeit am Bau habe einen mehrjährigen Rekord erreicht. Allein in Wien gebe es derzeit, bereinigt um Doppelzählungen, rund 40.000 Wohnungssuchende - in Bau seien derzeit aber nur rund 2.500 neue Einheiten statt 8.000 bis 10.000. "Daher brauchen wir günstiges Geld für das Wohnen", lautet die Conclusio für den s-Bauspar-Chef.

Wie berichtet soll die Bauspar-Förderung bereits ab 1. April halbiert werden und nicht erst - wie ursprünglich geplant - ab Anfang 2013. Bis Ende März beträgt die Bausparprämie somit noch 3 Prozent der Eigenleistung, danach sind es nur mehr 1,5 Prozent. Gefördert werden Einzahlungen von bis zu 1.200 Euro im Jahr (bzw. 100 Euro im Monat). Erfolgt die Erstattung für das Gesamtjahr 2012, ist ein Durchschnittssatz von 1,875 Prozent anzuwenden. Nimmt der Nationalrat keine Änderungen mehr vor, liegt künftig die Bandbreite der Bausparförderung bei 1,5 bis 4 Prozent, derzeit sind 3 bis 8 Prozent möglich; momentan liegt die Prämie wegen des allgemein niedrigen Zinsniveaus mit 3 Prozent an der Untergrenze. Zur Zeit haben rund 5,2 Mio. Österreicher einen Bausparvertrag im Ansparstadium.

APA

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