Auer-Welsbach Prozess: 8 Jahre Haft

Urteil nicht rechtskräftig - Geständnis war Milderungsgrund -
Anleger schauen großteils durch die Finger - Anwalt: "Die Gier
hat es dem Beschuldigten leicht gemacht"

Der seit April in Untersuchungshaft sitzende Kärntner Finanzjongleur Wolfgang Auer-Welsbach bleibt weiter im Gefängnis. Der Chef des im Herbst 2008 zusammengebrochenen Firmenkonglomerats AvW hat am Montag am Klagenfurter Landesgericht zugegeben, rund 12.500 Anleger geprellt und einen Schaden von über 450 Mio. Euro angerichtet zu haben. Der Schöffensenat verurteilte ihn zu acht Jahren Haft sowie zur Übernahme der Verfahrenskosten. Außerdem muss er den Genussscheininhabern, die sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen haben, bis zu 500 Euro pro Kopf Wiedergutmachung zahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Auer-Welsbach bekennt sich schuldig

Der AvW-Prozess war einer der größten Prozesse der Zweiten Republik, der durch das Geständnis Auer-Welsbachs jäh zu Ende ging. Zu Prozessbeginn hatte er noch alle Vorwürfe vehement bestritten, dann kam mit dem Verteidigerwechsel der Gesinnungswandel. Er bekannte sich in allen Anklagepunkten schuldig. Die Staatsanwaltschaft warf ihm gewerbsmäßig schweren Betrug, Untreue, betrügerische Krida, Bilanz- sowie Beweismittelfälschung vor. Am Montag schließlich bedankte sich Auer-Welsbach bei Richter Christian Liebhauser-Karl für das "faire Verfahren" und nahm das Urteil an. Die Untersuchungshaft wird ihm jedenfalls angerechnet. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

Die Ankläger hatten ein Strafausmaß gefordert, das sich an der gesetzlichen Obergrenze von zehn Jahren orientiert. "Es darf durch eine zu milde Bestrafung nicht der Eindruck entstehen, dass ein solches Vergehen toleriert wird", sagte Staatsanwalt Thomas Liensberger in seinem Abschlussplädoyer. Jeder potenzielle Nachahmungstäter müsse wirksam davon abgehalten werden, auch nur annähernd ein ähnliches Modell aufzuziehen. "Der Schaden ist enorm", meinte Liensbergers Kollege Christof Pollak. "Viele haben Haus und Hof verloren, sie stehen zum Teil vor dem Nichts". Der Angeklagte habe Umwelt und Anleger über mehr als zehn Jahre systematisch getäuscht und sich über sein kompliziertes Finanzgeflecht auch persönlich bereichert. Er habe den Kurs von Aktien und Genussscheinen manipuliert sowie mit seinem Namen, mit einem Börsegang und durch positive Falschdarstellungen seines Unternehmens das Vertrauen der Kunden gewonnen.

Verteidiger: Mandant ist nicht der diabolische Beschuldigte

Auer-Welsbachs neuer alter Pflichtverteidiger Franz Großmann wiederum bat den Senat um ein mildes Urteil. Sein Mandant sei "nicht der diabolische Beschuldigte", aber "Gelegenheit macht Diebe." In letzter Zeit herrsche ein anderer Geist, es sei "leichter geworden, sich zu bedienen." Angesichts dessen müsse man sich auch fragen: "Wo ist denn heute die Gier?" Die Gier sei "ein tiefer menschlicher Wesenszug. Die Gier macht blind. Die Gier hat es dem Beschuldigten so leicht gemacht", sagte Großmann in seinem Abschlussplädoyer. Wenngleich er, Großmann, weit davon entfernt sei zu sagen, die Anleger seien selbst schuld. "Geblendet waren sie vom Midas vom Wörthersee."

Erneut Kritik an Kontrollinstanzen

Erneut übte Großmann Kritik an den für die AvW zuständigen Kontrollinstanzen, etwa die Bundeswertpapieraufsicht (BWA, jetzt FMA). "Wenn es ein funktionierendes System der Kontrolle gegeben hätte, säße der Beschuldigte heute nicht hier, sondern wäre vielleicht schon früher dagewesen." Auch den anwesenden Anlegervertreter Erich Holzinger griff Großmann am Montag mehrmals scharf an: "Mediengeilheit ist eine sehr schwere Krankheit." Es könne nicht angehen, "jetzt dem Beschuldigten vorzuhalten, er lege ein taktisches Geständnis ab."

Auer-Welsbach gab sich heute geknickt. "AvW war mein Leben, ich bin die AvW, ich bin besessen von der AvW, ich habe sie diktatorisch geführt", räumte er ein. Nach einigen Monaten im Gefängnis habe er erkannt, dass nur er allein dafür verantwortlich sei", sagte er zum Richter. Es tue ihm "wirklich innerlich leid für die vielen, vielen Geschädigten". Er sehe jetzt auch ein, dass die "Malversationen" des ehemaligen AvW-Prokuristen K. nicht kausal für den Zusammenbruch des AvW-Systems gewesen seien. Bis vor kurzem hatte Auer-Welsbach stets seinen Prokuristen für den Niedergang des Finanzkonglomerats verantwortlich gemacht. K. hatte dies mehrfach vehement zurückgewiesen.

Geständnis als Milderungsgrund

Das Gericht erkannte das Geständnis als Milderungsgrund an. "Es mag schon sein, dass auch andere Motivationen eine Rolle gespielt haben könnten. Aber das Urteil soll auch Signalwirkung für andere derartige Fälle sein", sagte Liebhauser-Karl. Auch, dass Auer-Welsbach nach Zusammenbruch seines Imperiums selbst den Insolvenzantrag gestellt hat, wirkte sich mildernd aus.

Den geschädigten Anlegern hilft das Urteil nicht allzu viel. Im Strafverfahren müsse die Schuld des Täters geklärt werden, es sei nicht dazu da, "um weiter zu prozessieren und weitere Sachverhalte aufzuklären", sagte der Richter in Richtung Privatbeteiligte. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger meinte am Rande der Verhandlung, dass die Genussscheininhaber wohl 70 bis 80 Prozent ihres Investments verloren hätten. Bis sie Bares sehen werden, werde es noch zwei Jahre - bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens - dauern. Auch die Hoffnung, dass Auer-Welsbach noch Millionen in Liechtenstein gebunkert haben könnte, zerschlug sich am letzten Verhandlungstag: Die Behörden haben dort nur 126.000 Euro gefunden. Und das berühmt-berüchtigte Sondervermögen in Höhe von 37 Mio. Euro war laut Auer-Welsbach lediglich "operatives Geld", mit dem AvW-Aktien gekauft wurden.

(APA, red)

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