AUA: Die Nerven liegen blank

Der Betriebsrat Bord erhielt in der gestrigen Informationsveranstaltung die volle Unterstützung für weitere Gespräche, sagte Bord-Betriebsrat Karl Minhard am Samstag zur APA.

"Witzig ist die Situation nicht", so Minhard, aber die Belegschaft verhalte sich vorerst abwartend. Die nächsten Verhandlungen zwischen AUA und Belegschaft seien für Montag geplant. Das AUA-Management hat einseitig den Kollektivvertrag gekündigt und wünscht sich einen Umstieg auf den deutlich günstigeren Kollektivvertrag der Regionalflugtochter Tyrolean.

Scharf weist Minhard Gerüchte um eine "Neugründung" der AUA auf Basis der Tyrolean zurück. Einerseits sei dies juristisch nicht so einfach und würde auch die Tochter Tyrolean treffen, auch sei die AUA nicht konkursgefährdet und habe genug Liquidität. Andererseits würden solche Spekulationen der AUA massiv schaden: "So kauft keiner ein Ticket mehr", warnt Minhard. Wenn von der AUA-Mutter Lufthansa solche Ideen ventiliert würden, "könnte das Verhandlungstaktik sein, das ist aber für die AUA ganz kontraproduktiv". Die "Süddeutsche Zeitung" hatte geschrieben, in der AUA-Mutter Lufthansa gebe es Überlegungen, die AUA "fallen zu lassen" und auf Basis der Tyrolean neu zu gründen.

Davon will man offiziell aber nichts wissen. AUA-Sprecher Peter Thier im "Kurier": "Plan A ist eine Reform des AUA-KV, Plan B ein Betriebsübergang in die Tyrolean." Das Insolvenz-Szenario aus der Süddeutschen sei kein Plan. AUA-Aufsichtsratschef Stefan Lauer betont in einer Aussendung lapidar, man arbeite an einer nachhaltigen Zukunft der AUA

Auch der Betriebsrat-Bord der Tyrolean weist solche Spekulationen zurück. Eine Umgründung wäre "sehr gefährlich", so Sprecherin Alexandra Patzal am Samstag zur APA. Auch wäre dies das erste Mal, dass die Lufthansa eine Tochter in die Insolvenz schicken würde, betont sie: Die Swissair sei Jahre bevor sie von der Lufthansa übernommen wurde schon in die Insolvenz geschlittert und auch in Belgien habe die Lufthansa nicht die einstig marode Sabena, sondern erst die nach der Sabena-Insolvenz frisch aufgestellte Brussels Airlines gekauft.

KV-Troubles

Patzal betont, dass es in der Tyrolean keine Überlegungen gibt, den Kollektivvertrag zu kündigen. Von der Gewerkschaft in Wien war als Reaktion auf die Kündigung des (teuren) AUA-Kollektivvertrags gedroht worden, den günstigeren Tyrolean-KV zu kündigen. Auf diesen sollten die AUA-Mitarbeiter nach Vorstellung des Managements umsteigen. "Eine Kündigung unseres Kollektivvertrags seitens der zuständigen Gewerkschaften steht nicht zur Diskussion. Derartiges war noch nie Inhalt unserer Gespräche. Wir sprechen uns klar gegen eine Kündigung unseres Kollektivvertrags aus" schreibt hingegen Patzal in einer Aussendung. "Es kann nicht sein, dass zur 'Rettung' von Personal in einem Kollektivvertrag fast 1.000 Flugbegleitern und Piloten in einem anderen Kollektivvertrag die Basis ihrer Arbeitsverhältnisse entrissen wird."

Dazu kommt, dass auch der Tyrolean-KV für die Lufthansa nicht tabu ist. Auch bei Tyrolean soll gespart werden, sagte Patzal zur APA: Derzeit gebe es eine automatische Inflationsanpassung bei positivem Passagierwachstum, der soll nach Lufthansa-Vorstellung fallen. Auch werde eine Pauschalregelung für Überstunden gefordert. Aus Sicht der Lufthansa soll die Einigung mit der Tyrolean-Belegschaft - wie mit den AUA-Mitarbeitern - bis zum 13. März, dem nächsten Aufsichtsrat, stehen. "Wir verhandeln", sagt Patzal, letztlich hängen aber auch ihre Gespräche daran, wie es der AUA geht. Die Einsparungswünsche seien jedoch bei weitem nicht so einschneidend wie bei der AUA.

Heftige Kritik übt Patzal an Gottfried Winkler von der Gewerkschaft vida. Dieser hatte im "Standard" gesagt, dass der Tyrolean-KV nur für Flugzeuge mit bis zu 110 Sitzplätzen gelte. AUA-Piloten in den Tyrolean-KV zu zwingen würde daher den Flugplan zu Fall bringen. Stimmt nicht, sagt Patzal: Im Tyrolean Kollektivvertrag gebe es keine Beschränkung auf eine bestimmte Flugzeuggröße. Beschränkungen seien der sogenannten "Scope Clause" festgehalten, die den Regionalverkehr definiere - diese stehe allerdings im gekündigten AUA-KV und nicht im Tyrolean-KV. "Da auch Tyrolean von vida vertreten wird, ist es erschreckend, wie uninformiert Kollege Winkler in der Öffentlichkeit auftritt", schreibt Patzal in ihrer Aussendung.

APA

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