Alexander Wrabetz - Auf den 'Tiger' folgt der 'Rote Panda'

Der neue ORF-Generaldirektor ist der Alte. Alexander Wrabetz (51) ist geglückt, was vor ihm nur der "Tiger" Gerd Bacher geschafft hat: Er wurde vom ORF-Stiftungsrat für eine weitere Amtszeit bestellt - Bacher wurde insgesamt fünfmal zum ORF-General gewählt. Zu verdanken hat Wrabetz seine Wiederwahl der Kanzlerpartei SPÖ, die unumstößlich und trotz der Avancen des Ottakringer SPÖ-Urgesteins Gerhard Zeiler an Wrabetz festhielt.

Dieser Umstand dürfte allerdings nicht nur an der bisherigen Arbeit, der zunehmend besseren Performance und am taktischen Geschick des amtierenden ORF-Chefs liegen.

Immerhin galt Wrabetz vor rund zwei Jahren bei den SPÖ-Granden noch als Ablösekandidat. Zum vorübergehenden Bruch mit Bundeskanzler Werner Faymann und Medienstaatssekretär Josef Ostermayer kam es dem Vernehmen nach im Sommer 2008 wegen eines "ZiB 2"-Beitrags über die Berichterstattung der "Kronen Zeitung" über Faymann und die Rolle des Boulevardblattes im laufenden Nationalratswahlkampf. Unter medialem Begleitgetöse wurde der Beitrag zunächst aus dem Programm gekippt, einige Tage später adaptiert und doch gesendet. Der Kanzler soll darob "not amused" gewesen sein.

Die zunehmend schlechte Finanzlage des ORF bot in Folge den Anlass, den noch unter Alfred Gusenbauers SPÖ-Vorsitz gewählten Generaldirektor zum Abschuss freizugeben. Wie in Wrabetz' Lieblingsarie "Mild und Leise" aus Wagners "Tristan und Isolde" hätte den bekennenden Opernliebhaber um ein Haar der "Liebestod" durch die eigenen Parteifreunde ereilt. Der ORF-Chef hielt sich jedoch - trotz des "Friendly Fire" aus der roten Reichshälfte, des ÖVP-Dauerbeschusses und eines zerstrittenen Direktorenteams im eigenen Haus - wacker im Sattel.

Mit Unterstützung des auf ÖVP-Wunsch neu ins Team geholten Finanzdirektors Richard Grasl und nicht zuletzt dank einer 160 Millionen Euro dicken Finanzspritze der Regierung zog Wrabetz den ORF-Karren in die schwarzen Zahlen - aus einer tiefroten Bilanz wurde ein ausgeglichenes Ergebnis, und auch die zuletzt chronisch defizitäre Konzernmutter bilanzierte 2010 erstmals wieder ausgeglichen. Das zwischenzeitlich verloren gegangene Vertrauen der SPÖ konnte Wrabetz außerdem nach und nach zurückholen, indem er bei wesentlichen Personalentscheidungen qualifizierte Kandidaten ernannte, die auch auf der roten "Wunschliste" meist ganz oben standen, von Radiodirektor Karl Amon bis Fernseh-Chefredakteur Fritz Dittlbacher. Zuletzt begann auch die ÖVP-Totalblockade gegen Wrabetz mangels Aussicht auf Erfolg zu bröckeln.

Schon bei der Wahl 2006 konnte Wrabetz die Stimmen der ÖVP-nahen Betriebsräte für sich gewinnen. Damals wurde der Kaufmännische Direktor Wrabetz von einer "Regenbogenkoalition" aus roten, orangen, blauen, grünen und unabhängigen Stiftungsräten gegen den Widerstand der ÖVP-Parteizentrale und gegen seine Chefin Monika Lindner gewählt. Die Zusammensetzung der Geschäftsführung spiegelte diese Mehrheitsverhältnisse wieder. So wenig Team war in einer ORF-Führung nie, das Direktorium galt von Anfang an als zerstritten, und so manche Wegbegleiter blieben im gegenseitigen Infight auf der Strecke, darunter Informationsdirektor Elmar Oberhauser und Wrabetz' enger Vertrauter, Kommunikationschef Pius Strobl. Auch mit Programmdirektor Wolfgang Lorenz krachte es wiederholt und manchmal in einer Art, die an die Doku-Soap-Formate von Privatsendern erinnern ließ.

In Ton und Auftreten erinnerte Wrabetz dennoch weniger an einen aggressiven und lauten "Tiger", als der Gerd Bacher Zeit seines ORF-Lebens galt, sondern eher an einen "Roten Panda": ruhig und leise, harmoniebetont, sachlich. Und wie der rote Panda zeichnete sich Wrabetz als geschickter und akrobatischer "Kletterer" in den komplizierten Verästelungen der heimischen Innenpolitik aus.

Umtriebig war Wrabetz etwa als oberster ORF-"Lobbyist". Das EU-Beihilfeverfahren wurde ohne größere Beschneidungen des öffentlich-rechtlichen Senders abgeschlossen, von der heimischen Politik gab es grünes Licht für die Gebührenrefundierung und fast wie in alter Bacher-Manier kann der ORF-Chef demnächst mit dem Kultur-und Informationssender ORF III sowie mit ORF Sport plus zwei neue Spartenkanäle starten. Die programmliche Bilanz von Wrabetz fällt gemischt aus. Einigen Flops rund um die Programmreform zu Beginn seiner Amtszeit standen schöne Erfolge in der Information und eine unumstritten unabhängigere Redaktion als unter seiner Vorgängerin gegenüber.

In seiner zweiten Amtszeit will Wrabetz den ORF als "Leitmedium der Zukunft" etablieren. Dafür erwartet er sich Unterstützung seitens der Politik, in Form einer unbefristeten und vollständigen Refundierung der Gebührenbefreiungen, einer Gebührenerhöhung, dem Entgegenkommen bei Werbebeschränkungen im Onlinebereich und der Ausdehnung von Werbezeiten im Fernsehen. Zugutekommen soll das dem Programm, immerhin will Wrabetz, der auch dem Vorstand der European Broadcasting Union (EBU) angehört, die Mittel für Eigenproduktionen jährlich um fünf Prozent aufstocken.

Privat ist der dreifache Vater mit einer Ärztin verheiratet, mit der er immer wieder bei gesellschaftlichen Ereignissen zu sehen ist. Wrabetz wurde am 21. März 1960 in Wien geboren. Seine Karriere startete er im Bankenbereich. Von 1987 bis 1992 war Wrabetz als Assistent des Vorstands der Österreichischen Industrieholding AG für Hugo Michael Sekyra tätig, 1992 zog er als Geschäftsführer in das ÖIAG-Handelshaus Intertrading ein, von dort wechselte er als Vorstand zur ÖIAG-Tochter Vamed. Darüber hinaus übernahm er diverse Aufsichtsratsfunktionen innerhalb der ÖIAG und war Mitglied des ORF-Kuratoriums, bevor er 1998 von Generalintendant Gerhard Weis als Kaufmännischer Direktor in den ORF geholt wurde. Der promovierte Jurist stammt aus einem freiheitlichen Elternhaus, dockte aber früh bei der SPÖ an. Er war Bundesvorsitzender der SPÖ-Studentenorganisation VSStÖ und organisierte 1983 den erfolgreichen Vorzugsstimmen-Wahlkampf für den heutigen SPÖ-Mediensprecher Josef Cap. Seine Parteimitgliedschaft in der SPÖ hat Wrabetz mit seinem Amtsantritt als Generaldirektor ruhend gestellt.

- APA

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