Werner Faymanns Wahlkampf macht am ehesten Sinn

„Österreicher können den deutschen Konsens gegen Rechts nicht nachvollziehen.“

Deutschen den österreichischen Wahlkampf zu erklären ist nicht einfach. Die Leser im Nachbarland nehmen nur wahr, was in ihre Raster passt. Das tun Österreichs Parteien unterschiedlich gut. Mit Wilhelm Molterer ist es noch leicht: Die Charge des strengen „Haushälters“, der gegen sogenannte „Begehrlichkeiten“ das Geld zusammenhält, gibt es auch in Deutschland. (Auch wenn man so einem vielleicht keine Hauptrolle geben würde.) Schwieriger ist es mit Werner Faymann, dem Herrn von der Ausgabenseite. Die Figur des milden Fürsten, der den Armen Dukaten vor die Füße wirft, kommt im deutschen Polit-Theater nicht vor. Wenn es in Deutschland – wie hier bei Faymann – um Umverteilung geht, geht das dort immer mit einem Hauch von Solidarität und Klassenkampf einher.

Hier dagegen müffelt es nach Schatzkammer und Hermelin.
Ganz unverstanden sind und bleiben die Jörg Haiders und H.-C. Straches. Deutsche ordnen Politiker auf der Links-Rechts-Achse ein. Volkstribune, die den „kleinen Mann“ gegen „die da oben“ in Schutz nehmen, versteht man aber nur, wenn man auch ein Oben-Unten-Schema im Kopf hat. Letztes Wochenende in Köln konnte man sehen, wie es den beiden nach deutschen Schemata ergehen würde. Mit Gestalten vom Schlage Heinz-Christian Straches koaliert man nicht nur nicht, man redet auch nicht mit ihnen und lässt sie nicht einmal öffentlich auftreten. Da sind sich CDU und SPD, der Durchschnittsbürger und die Polizei ganz einig. Dass die Österreicher den deutschen Konsens nicht nachvollziehen können, ist wiederum
den Deutschen schwer begreiflich zu machen.

Faymann, erkläre ich meinen deutschen Lesern, unternimmt den (vielleicht letzten) Versuch, das immer solidere rechte Potenzial zu knacken. Wieso Faymann? Rechtsaußen integrieren sei doch eigentlich Sache der halbrechten ÖVP, meinen meine deutschen Leser. Nein, nein, antworte ich dann: Hier in Österreich geht es nicht um rechts oder links. Alle drei Lager, das rote, das schwarze und das blaue, haben miteinander gleich große Schnittflächen.
Deshalb hat der Wahlkampf so, wie Werner Faymann ihn führt, seinen Sinn. Irgendwie muss man es ja erklären.

Clinton kündigt Konsequenzen an
 

Aktuell

Heftige Kritik der USA nach Wikileaks-Enthüllungen

Originelle Geschenkidee zur Weihnachtszeit
 

Aktuell

FORMAT verlost drei Bier-Adventskalender

Originelle Geschenkidee zur Weihnachtszeit
 

Aktuell

FORMAT verlost drei Bier-Adventskalender