Warten auf die USA wäre für Europa der falsche Weg

„Europa muss ein Stück wachsen, um auf gleiche Augenhöhe mit den USA zu gelangen.“

Die Folgen von Barack Obamas Wahlsieg auf Europa kennen wir noch nicht. Die Freude hierzulande ist dennoch groß, schließlich steht „Change“ als Symbol für eine Absage an die vergangene US-Politik eines George W. Bush, die uns Europäer gestört hat: vom Unilateralismus über die Geringschätzung internationaler Organisationen und militärische Lösungen für politische Konflikte bis hin zu einem amerikanischen Provinzialismus, der Religion mit Politik verbindet. Sich nun aber nach Obamas Sieg zurückzulehnen und abzuwarten, ob und wie sich die US-amerikanische Politik verändert, wäre wenig anspruchsvoll. Attentismus ist eindeutig der falsche Weg.

Stattdessen sollte sich die europäische Politik nun darauf konzentrieren, eigene Konzepte für eine transatlantische Allianz zu entwickeln. Schließlich stehen Verhandlungen über die Wege aus den weltweiten, grenzüberschreitenden Krisen an – den Weg aus einer der Finanzkrise folgenden Wirtschaftskrise, einer möglichen Hungerkrise und einer drohenden Klimakatastrophe. Gemeinsame europäische Vorschläge wären deshalb enorm wichtig, auch wenn in Verhandlungen mit den USA schlussendlich Kompromisse eingegangen werden müssen. Hier tritt aber sofort wieder die europäische Krankheit mit all ihren Symptomen zutage: und zwar die Frage, ob wir Europäer überhaupt in der Lage sind, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. Deshalb sollten wir uns auf der Suche nach den Auswirkungen der neuen Präsidentschaft auf Europa nicht in die USA begeben, sondern bei uns selbst beginnen.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner meinte schon am Tag vor der Wahl, dass es nun darum gehe, der neuen US-Administration „auf Augenhöhe“ zu begegnen. Nach der entscheidenden Nacht allerdings befinden sich die Politiker der einzelnen Länder bereits wieder im Wettbewerb um den ersten Termin mit dem Präsidenten im Weißen Haus – nicht um europäische, sondern um eigene nationalstaatliche Interessen zu vertreten. Während die USA mit Obamas Wahlsieg innenpolitisch gefestigt sind, ist eine gemeinsame europäische Innenpolitik nach wie vor Zukunftsmusik. Will Europa mit den USA aber auf Augenhöhe verhandeln, müssen wir erst an unserer eigenen geopolitischen Anatomie arbeiten. Denn um auf gleiche Augenhöhe zu gelangen, muss Europa noch ein ganzes Stück wachsen.

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