Rufe nach der Zivilisierung des Kapitalismus sind alt, jetzt müssen Taten folgen

„Es ist nicht allzu schwer, jene zu verführen, die nichts zu verlieren haben.“

Wir zahlen nicht für eure Krise“, stand auf den Transparenten der Demonstrationen vor dem London-Gipfel. Ein verständliches Motto, hat man doch von den golde­nen Zeiten der Finanzwelt kaum etwas abbekommen. Zur Bewältigung der Finanzkrise hingegen soll­ten nun alle etwas beitragen. Auch dass aus der Finanzkrise inzwischen eine ­schwere Wirtschafts­krise geworden ist, löst nicht wirklich Solidaritätsgefühle aus. Die eine Seite sah sich schon früher von dem Slogan „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“ hinters Licht geführt, die andere agiert immer noch aus der Posi­tion des Stärkeren, der sein Ter­ritorium verteidigt. Während die einen von Kurzarbeit, Lohnverzicht und Arbeitslosigkeit betroffen sind, verteidigen die anderen ­erfolgreich ihre Bestände im geschützten Bereich, und wieder andere diffamieren eine neue Verteilungsdiskussion als Neiddebatte und Wirtschaftsschädigung.

Unser System muss zu einer Mentalitäts- und Systemänderung genutzt werden:  Die Rufe nach der „Zivilisierung“ des Kapitalismus sind alt, jetzt müssen ihnen Taten folgen. Da die „Kurzatmigkeit allen Handelns“ eine wesentliche ­Ur­sache des augenblicklichen Zustands sei, sieht Ralf Dahrendorf in einem neuen Verhältnis zur Zeit einen Schlüssel zu einer besseren Zukunft. Nachhaltigkeit auf allen Ebenen scheint mir auch das tauglichste Angebot für jene zu sein, deren Perspektivenlosigkeit sie sonst zu potenziellen Opfern von Demagogen macht. Das bedeutet eine neue Bildungspolitik mit flächendeckendem Angebot von Gesamt- und Ganztagsschulen, ein Steuersystem, das einen gerechter verteilten Beitrag der Betroffenen zum Gemeinwesen einfordert, und eine Mindestsicherung, die nicht das Selbstwertgefühl beschädigt. Man sollte sich nicht auf die Apathie der Benachteiligten verlassen. Es ist nicht allzu schwer, jene zu verführen, die nichts zu verlieren haben.

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