Das Straucheln des Lieblingsfeindes ist in Österreich immer ein Wunschtraum

„Der Budgetsanierer, Deregulierer, Privatisierer und Reformer Karl-Heinz Grasser wirkt in den Zeiten der Sozialdemokratisierung aller Parteien wie ein neoliberales Relikt.“

Wenn die Popularität populistischer Parteien schneller wächst als die politische Potenz ihres Personals, dann hat man ein Recruiting-Problem wie die damaligen ­Wende-Freiheitlichen anno 2000. Dann gibt es wenige Gute und viele, die weniger gut sind, dann kommen auch Sickls, Forstingers und Krügers zu Ministerehren, und aus „Buberln“ werden Schlüsselfiguren, zum Beispiel Walter Meischberger. Die Grenzen von Freundschaft und Seilschaft verschwimmen, und die karrierefördernden Zweckgemeinschaften sammeln sich um Galionsfiguren wie Karl-Heinz Grasser: Strahlemann, Publikumsliebling und Herr über das große Geld. Ein politisches Ausnahmetalent mit dem fatalen Hang, Warnlampen zu ignorieren, die Motten im Licht nicht zu erkennen und sich von fragwürdigen Einflüsterern falsch beraten zu lassen.

KHG, die Ich-AG, war immer ein bisschen zu nah am Feuer. Das dubiose Provisionsinkasso seiner Freunde/Partner/Auf­tragnehmer Walter Meischberger und Peter Hochegger für den Mil­liardendeal mit den Bundeswohnungen ist das jüngste Beispiel einer Serie, deren gemeinsames Kriterium zumindest eine „schlechte Optik“ ist. Der damalige Finanzminister sagt, er wusste nichts von der Involvierung von Beratern und Lobbyisten bei der Buwog-Privatisierung, und er dementiert auch vehement, den Verkauf gesteuert zu haben. Nur die Justiz kann den Beweis dafür erbringen und damit die Kritiker widerlegen. Grasser hat offensiv gegen alle Anschuldigungen reagiert. Was er trotzdem nicht ­verhindern kann, ist, dass die Jagdgesellschaft wieder sattelt und die alte Homepage-Upgrade-Flöttl-Meinl-Melange ­wieder aufkocht. Im Schuldvermutungs-Land Österreich ist das mögliche Straucheln des Lieblingsfeindes, das bisher ja noch nicht gefeiert werden konnte, ein nie ausgeträumter Wunschtraum. Der Fall des „Feschisten“ – welch subtil-perfide Faschismus-Anspielung! – würde die selbstsichere Performance des Marketing-Großmeisters endlich vergelten, und von den Rängen käme der Schlussapplaus der Empörungs-Profis in Politik und Medien.

Wobei es nicht nur der provozierende KHG ist, der zu gut aussieht und zu eloquent redet und der eine Promi-Frau geheiratet hat – Zielscheibe ist der geborene Kärntner immer auch aus politischen Gründen gewesen. Der Budgetsanierer, Deregulierer, Privatisierer und Reformer Karl-Heinz Grasser wirkt in den Zeiten der Sozialdemokratisierung aller Parteien wie ein neoliberales Relikt. Seine Politik hat Akzeptanz bei den Wählern gefunden, aber nie den Respekt seiner Gegner. Seine „Karriere nach der Karriere“ hat außer privatem Glück noch wenig Erfolg gebracht, und jetzt fallen lange Schatten der Vergangenheit auf ihn. Wenn sich Karl-Heinz Grasser nichts sehnlicher wünscht als restlose Aufklärung der Vorwürfe, dann kann man sich diesem Wunsch nur anschließen. Schon allein deshalb, weil es schade wäre, würden die Leistungen der Regierung Schüssel, zu denen Grasser als Finanzminister einen wesentlichen Anteil beige­steuert hat, im Zwielicht bleiben.

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