Das Börsegesetz hat seit 2005 durchaus
seinen Zweck erreicht: mehr Prävention.

„Bis in die 80er-Jahre galt die Wiener Börse Investoren als große Insiderparty.“

Die Wiener Börse galt bis weit in die 80er-Jahre ausländischen Investoren als große Insiderparty, die zu meiden war. Kein Wunder: Das Börsegesetz enthielt nicht einmal ­einen Insiderparagraphen. Den Zustand beseitigte die Novelle 1993 zwar, aber Insidergeschäfte waren bis 2003, als ein Vorstand seine Verurteilung durch eine „Diversion“ (außergerichtlicher Tatausgleich) abwendete, eine Art Kavaliersdelikt. Grund für den saloppen Umgang mit Insiderinformation zum eigenen Vorteil war wohl mangelndes Unrechtsbewusstsein, weil vermeintlich kein Dritter zu Schaden kam. Selbst Aufsichtsräte taten sich schwer, Insider­delikte von Vorstandsmitgliedern als Entlassungsgrund anzusehen.

Erst die Umsetzung der EU-Marktmissbrauchsrichtlinie im Jahr 2005 bescherte Österreich ein Insiderrecht nach verschärften europäischen Standards.  Nach Paragraph 48b Börsegesetz drohen bei Vorsatzdelikten bis zu fünf Jahre, bei grob fahrlässiger Verwendung von Insiderinformation bis zu sechs Monate Haft. Flankierend dazu gelten verschärfte Vorschriften zur Marktmanipulation und zur Ad-hoc-Meldepflicht, die den raschen Informationsgleichstand aller Marktteilnehmer ­erzwingen. Compliance, Vertraulichkeitsbereiche und Handelsverbote, etwa vor Veröffentlichung von Finanzzahlen oder Transaktionen, werden von börsennotierten Unternehmen wie Finanzdienst­leistern sehr ernst genommen.

Die FMA überwacht streng. Sie kann bei Unter­suchungen in Österreich die Konteninhaber feststellen, im EWR-Ausland ist das aufgrund weit­reichender Abkommen mit lokalen Behörden möglich. Das Börsegesetz hat seit 2005 durchaus seinen Zweck, nämlich Prävention, erreicht. Die Organmitglieder gehen vorsichtig mit Insiderthemen um, die Compliance in den Unternehmen wirkt nicht zuletzt auch wegen des drohenden Reputationsschadens. Die Zeiten, in denen Insidervergehen Kavaliersdelikte waren, sind längst vorbei.

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