Aktienmärkte in Asien verlieren zwischen 2 und fast 5%

Trotz aller internationaler Bemühungen um eine Beruhigung der Finanzmärkte hat sich die Talfahrt an den Börsen zu Wochenbeginn fortgesetzt: In Asien brachen die Aktienmärkte zwischen zwei und fast fünf Prozent ein, die Vorzeichen für Europa und die USA waren ebenfalls negativ.

Die Angst vor einem Rückfall der weltgrößten Volkswirtschaft in die Rezession nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch S&P sowie die Sorgen über eine Ausweitung der europäischen Schuldenkrise lassen den Anlegern weltweit keine Ruhe. "Der Ausverkauf ist noch nicht vorbei", sagte Toshio Sumitani, Stratege von Tokai Tokio. Investoren flüchteten trotz eines außergewöhnlichen Bekenntnisses der sieben führenden Industriestaaten G-7 zur Marktstabilisierung in als sicher geltende Anlagen wie Gold oder dem Schweizer Franken. Bereits vergangene Woche waren die Finanzmärkte ähnlich beunruhigt wie in den düsteren Tagen nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008.

"Es gibt wenige Anlagen, in die man sich flüchten kann, und die, die es gibt, laufen gut", sagte Greg Gibbs von RBS in Sydney. "Gold ist der große Profiteur, weil es keine Zentralbank gibt, die es verkauft", sagte Gibbs. Der Preis für Gold markierte bei Preisen von mehr als 1.700 Dollar (1.201 Euro) je Feinunze ein neues Rekordhoch. Auch der Schweizer Franken verzeichnete zum Dollar Höchststände. Der Euro zeigte sich von den Turbulenzen indes unbeeindruckt und stieg auf rund 1,43 Dollar.

Nach dem neuerlichen Einbruch in Asien wurde auch in Frankfurt, Paris und London sowie an der Wall Street mit deutlichen Abschlägen zu Handelsbeginn gerechnet. Für Wien rechnet Börse-Chef Heinrich Schaller mit einer "Tendenz nach unten". In Tokio schloss der Nikkei-Index 2,2 Prozent schwächer bei 9.097 Punkten. Der breiter gefasste Topix gab 2,3 Prozent ab auf 782 Zähler. Außerhalb Japans gab es noch deutlichere Abschläge. So brach der Index in Südkorea zeitweise um sieben Prozent ein, notierte im Verlauf noch knapp vier Prozent schwächer. In Taiwan gaben die Kurse ebenfalls um fast vier Prozent nach. In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index 3,5 Prozent, der wichtigste Index in Shanghai verlor ebenfalls in dieser Größenordnung.

Die Zusage der sieben führenden Industrieländer G-7, alles Nötige für eine Stabilisierung der Märkte zu tun, konnte die Abschläge nicht verhindern. G-7-Vertreter hatten sich kurz vor Markteröffnung in Tokio mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt, und versucht, die Finanzmärkte vor einem weiteren Kollaps zu bewahren. Man sei bereit, "zu handeln, um für Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten" zu sorgen. Zudem "bleiben die G-7-Vertreter in engem Kontakt". "Die G-7 haben gewissermaßen eine Grenze gezogen, um eine Ausbreitung der Schuldenkrise einzudämmen", sagte Analyst Christian Cooper von Jefferies & Co.

Die Ratingagentur S&P hatte den USA am Freitag nach Börsenschluss die Bestnote AAA für die Kreditwürdigkeit genommen und um eine Stufe gesenkt auf AA+. Die Angst vor einem Börsencrash und unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft hat die führenden Industriestaaten und Schwellenländern sowie die Europäische Zentralbank (EZB) bereits am Wochenende zum Handeln getrieben. Neben Telefonkonferenzen der G-7 und der G-20 gaben die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Sonntagabend eine Erklärung ab, in der sie die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom Juli bekräftigten. Zugleich ermahnten sie Italien und Spanien, ihren verschärften Sparkurs vollständig und zügig umzusetzen. Vergangene Woche hatten sich die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen deutlich erhöht und damit Finanzmärkte und Politik stark beunruhigt.

Die EZB sah sich zudem am Sonntag veranlasst, zu erklären, sie werde ihr Anleihe-Kaufprogramm umsetzen. Händler sagten, mit Spannung werde nun die Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Dienstag erwartet. Vor allem gehe es darum zu sehen, ob die Zentralbank Hinweise auf eine weitere, dritte Runde der geldpolitischen Lockerungen - im Finanzjargon Quantitative Easing oder QE3 - geben werde.

Allerdings scheinen sich die Experten noch mehr über die europäische Schuldenkrise zu sorgen als über dieselbige in den USA. "Klar, das S&P-Downgrade ist ein höchst symbolisches und historisches Ereignis", sagte Analyst Paul Sheard Reuters Insider TV. Aber tatsächlich liegt anders als 2008 das Epizentrum für diese Krise in der Euro-Zone", sagte er. Die Märkte dürften daher ihr Augenmerk darauf richten, was die Entscheider in Europa in den nächsten Wochen machen werden.

- APA

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