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AK kritisiert Arbeitsbedingungen in der Paketbranche

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AK kritisiert unsichere Beschäftigung und Arbeitsdruck
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Die Paketlogistik hat zu Weihnachten Hochsaison und ist damit einmal mehr ins Visier der Arbeiterkammer geraten. Die Interessenvertretung kritisiert die Arbeitsbedingungen in der Branche und insbesondere die Praxis, dass große Logistiker Arbeit an Subunternehmen auslagern und Leiharbeiter einsetzen würden. "Durch Auslagerung der Aufträge an Subunternehmen versuchen manche Akteure, sich der Verantwortung zu entziehen", sagte AK-Jurist Matthias Piffl-Stammberger am Montag.

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Die Paketlogistik hat zu Weihnachten Hochsaison und ist damit einmal mehr ins Visier der Arbeiterkammer geraten. Die Interessenvertretung kritisiert die Arbeitsbedingungen in der Branche und insbesondere die Praxis, dass große Logistiker Arbeit an Subunternehmen auslagern und Leiharbeiter einsetzen würden. "Durch Auslagerung der Aufträge an Subunternehmen versuchen manche Akteure, sich der Verantwortung zu entziehen", sagte AK-Jurist Matthias Piffl-Stammberger am Montag.

Die Arbeiterkammer fordert daher erneut eine Haftung des Erstauftraggebers für die Löhne. Außerdem mehr Kontrollen durch die Finanzpolizei und das Arbeitsinspektorat und die Wiedereinführung des Kumulationsprinzips. Dieses sah vor, dass bei Gesetzesübertretungen wie Unterentlohnung für jede einzelne Übertretung eine Strafe entrichtet werden musste.

"Der Fehler liegt im System. Der Druck kommt von oben nach unten", sagte Johanna Neuhauser von der Universität Wien am Montag bei einem Pressegespräch, die im Auftrag der AK eine Befragung unter Paketzustellern und Beschäftigten in Verteilzentren durchgeführt hat. Die Befragten zeigten sich von Lohn- und Sozialdumping und hohem Arbeitsdruck betroffen. Leiharbeiter stünden unter permanentem Druck, gekündigt zu werden, so Neuhauser. Nach Spitzenzeiten wie zu Weihnachten stünde den Beschäftigten im Jänner oft die Kündigung ins Haus, bestätigte auch AK-Jurist Piffl-Stammberger.

Häufigste Anliegen in der AK-Beratungsstelle seien nicht rechtzeitig, nicht vollständig oder gar nicht bezahlten Löhne oder eine hohe Anzahl an Überstunden, die nicht ausbezahlt worden seien. "Die Beratungsfälle sind gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten überproportional", sagte Piffl-Stammberger.

In der Paketbranche würden überwiegend Menschen mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete arbeiten, denen es noch schwerer fallen würde, ihre Rechte einzufordern, so Piffl-Stammberger. Zugewanderte sollten vor Dienstantritt und während des Dienstverhältnisses besser über Arbeitsrechte aufgeklärt und mit Arbeiterkammern und Gewerkschaften in Kontakt gebracht werden, forderte Silvia Hofbauer, Leiterin der Abteilung Arbeitsmarkt und Integration in der AK Wien. Geflüchtete sollten zudem einen leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen und eine leichtere Nostrifikation, also Anerkennung ihrer erworbenen Ausbildungen oder Abschlüsse.

Wie in jeder stark wachsenden Branche gebe es auch bei den Paketzustellern schwarze Schafe und Negativbeispiele, räumten Arbeitgebervertreter ein. "Sie stehen aber nicht repräsentativ für die gesamte Branche", sagte Markus Fischer, Obmann des Fachverbands Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Montag laut einer Aussendung. Unzumutbare Arbeitsbedingungen und Vertragsverhältnisse dürfe man aber nicht einfach zur Kenntnis nehmen. "Als Interessenvertretung der gesamten Branche stellen wir uns entschieden gegen jegliche Ausbeutung", so die Branchensprecherin für Kleintransporteure, Katarina Pokorny.

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