Ägypten - Internationale Pressestimmen

Internationale Tageszeitungen beschäftigen sich in ihren Freitag-Ausgaben mit der Ereignissen in Ägypten:

Aftonbladet" (Stockholm)

"Am entscheidenden Punkt hat sich nichts geändert. Hosni Mubarak, der Diktator und Plünderer im eigenen Land, denkt nicht an Rücktritt. Mit dem typischen Mangel an Selbsterkenntnis bei älteren Machthabern klammert er sich an sein Amt. Möglicherweise hat Mubarak die letzte Chance verpasst, die Macht mit wenigstens einem klein bisschen Würde abzugeben. Es wird mehr Chaos, vielleicht auch mehr Leiden und Gewalt geben, ihm aber letzten Endes nichts nützen. Am Ende werden die Demonstranten und das Verlangen des Volkes nach Freiheit das Regime in Ägypten wegfegen. (...) Ägypten und die gesamte arabische Welt sind aufgewacht und stehen vor einer neuen Ära."

Neue Zürcher Zeitung

"Sollte Mubaraks stufenweises Abtreten mehr als nur ein Präsidentenopfer sein, ist die weitere Entwicklung im Nilland völlig offen. So sympathisch und phantasievoll das bisherige Vorgehen der jungen ägyptischen Protestbewegung anmuten mag - in Ägypten wird nicht über Nacht die Demokratie eingeführt. Die Repression der vergangenen Jahrzehnte hat das Wachstum jener gesellschaftlichen Komponente verhindert, die zum Funktionieren einer liberalen Ordnung unabdingbar ist: die Bereitschaft zu Eigenverantwortung. Weil weder die etablierten und teilweise illegalen Oppositionsparteien noch die Facebook-Protestler imstande sind, innert Kürze tragfähige politische Strukturen aufzubauen, wird die Armee als einzige landesweit verankerte Großorganisation ein Leichtes haben, sich als Garantin für einen friedlichen Übergang zu einer an den Urnen gewählten neuen Regierung anzubieten."

El Pais (Madrid)

"Der Rais ist nicht leicht zu kriegen. Sein Durchhaltevermögen und seine Fähigkeit zu Manövrieren sind größer als die ganze Welt erwartet hätte. Die Ansprache glich einer Übung in Lobhudelei. Sein Zynismus ging so weit, dass Mubarak die Forderungen der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz als legitim bezeichnete. Obwohl sein Verbleib im Amt das größte Hindernis ist, präsentierte sich Mubarak in seiner Rede als der unentbehrliche Garant der Veränderungen, die bis zu den nächsten Wahlen umgesetzt werden sollen."

de Volkskrant (Amsterdam)

"Der Volksaufstand dürfte sich nun eher ausweiten. In den letzten Tagen hatten sich auch immer mehr Ärzte, Anwälte und Beamte den Demonstranten angeschlossen. Streiks und Unruhen haben sich ausgebreitet auf das ganze Land. Trotz aller Einschüchterungsversuche haben die Proteste an Kraft gewonnen. Abgesehen von der Desillusionierung für die breite Oppositionsbewegung muss die Ansprache Mubaraks auch eine Enttäuschung für das Weiße Haus sein. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder haben die Amerikaner die Situation falsch eingeschätzt oder ihr Einfluss auf Regierung und Militärspitze Ägyptens ist kleiner als sie dachten."

La Stampa (Rom)

"Hosni Mubarak schätzt die Unterstützung Saudi-Arabiens mehr als die Kritik aus Washington, und US-Präsident Barack Obama steht damit vor einer neuen Herausforderung: Riad und Kairo setzen noch darauf, die derzeitige Krise auszunutzen. (...). Obama blieb nur übrig, die zuvor vom Weißen Haus angekündigte Absicht, über die Zeit nach Hosni Mubarak zu sprechen, wieder aufzugeben. Stattdessen versammelte er im Roosevelt Room den nationalen Sicherheitsrat zu einer der heikelsten Sitzungen seit dem Beginn seiner Präsidentschaft. Auf ihrer Agenda stand die an Amerika gerichtete Herausforderung des Hosni Mubarak, der bis zum 25. Jänner der wichtigste US-Verbündete in der arabischen Welt gewesen war. Auf dem Spiel steht nicht nur die demokratische Zukunft Ägyptens, sondern auch das amerikanische Prestige in der Region."

La Croix (Paris)

"Wie wird es in Ägypten weitergehen? Kein Beobachter, ob Diplomat oder Kenner des Landes hat diese unglaublichen Umwälzungen voraussehen können, die in der arabischen Welt passieren, und niemand wird Wetten über die zukünftige Entwicklung abschließen können. Gewiss können düstere Wolken am Horizont aufziehen, wenn die Armee oder die Muslimbruderschaft in Ägypten die Macht ergreift, die einzige organisierte Partei in einem Land, in dem die politische Opposition ausgemerzt wurde. Doch man kann auf Zuversicht und Vertrauen wetten, auf die Vielfalt der Demonstranten, die sich nicht vereinnahmen und nicht spalten lassen wollen. Man kann diesem von schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten geplagten Volk nur wünschen, dass diese Zeit der Ungewissheit bald vorüber ist."

Der Berliner Tagesspiegel untersucht die Hintergründe zur ablehnenden Haltung ägyptischer Politiker gegenüber der EU und den USA:

"Wenn im Moment weder der ägyptische Außenminister noch der Vizepräsident die EU-Außenbeauftragte Ashton treffen wollen und amerikanische Ratschläge brüsk zurückweisen, hängt das nicht nur mit Ashtons deprimierender Einflusslosigkeit und Unerfahrenheit zusammen. Es käme auch innenpolitischem Selbstmord gleich, setzten sich Ahmed Abdul Gheit oder Omar Suleiman dem Verdacht aus, unter EU- oder US-Einfluss zu geraten. Auch, dass der saudische König vor Druck aus Washington warnt, ist reiner Selbsterhaltungstrieb. Denn kippt Mubarak, ist auch Abdullah in Gefahr. In Nahost ist Domino kein Spiel, sondern tödliches Abenteuer."

- APA

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