Abhörskandal: Medienmogul Rupert Murdoch vor britischem Parlament

Im Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World" haben Medienmogul Rupert Murdoch und sein Sohn James am Dienstag vor einem Parlamentsausschuss Stellung bezogen.

"Dies ist der demütigste Tag meines Lebens", sagte Rupert Murdoch zu Beginn der Anhörung vor dem Medienausschuss im Unterhaus in London. Die öffentliche und live im Fernsehen übertragene Anhörung ist eine der aufsehenerregendsten jemals von einem Parlamentsausschuss abgehaltenen Befragungen. Es ist äußerst selten, dass sich Rupert Murdoch als Chef eines der größten Medienunternehmen der Welt öffentlich äußert.

We are sorry

Rupert Murdoch und sein Sohn James entschuldigten sich in der Abhör- und Korruptionsaffäre. "Das ist der Tag der größten Demut in meinem Leben", sagte Rupert Murdoch zu Beginn der Befragung. Mit versteinertem Gesicht antwortete er auf Fragen der Abgeordneten zunächst mit knappen Aussagen - teilweise nur mit "Ja" oder "Nein". James Murdoch begann seine Stellungnahme ebenfalls mit einer Entschuldigung.

Murdoch bestritt indes jede Kenntnis des Fehlverhaltens von Mitarbeitern. Er sei hinters Licht geführt worden, sagte der 80-Jährige vor dem Medienausschuss des Unterhauses. Gleichzeitig wies der Australier mit US-Pass eine "endgültige Verantwortung" bezüglich "dieses Fiaskos" zurück.

News Coperation: 'Schnell und transparent reagiert'

News Corporation habe auf die Abhöraffäre bei "News of the World" so "schnell und transparent" wie möglich reagiert, betonten Rupert und James Murdoch. Auf viele Fragen reagierten die beiden Unternehmer abweisend. Die "News of the World" machten weniger als ein Prozent des Konzerns aus, sagte der Medienzar. Die meisten Fälle hätten gar nicht Schwelle erreicht, dass die Murdochs überhaupt involviert gewesen wären, ergänzte sein Sohn James.

Im Laufe des Nachmittags sollte auch Murdochs langjährige Vertraute, die Medienmanagerin Rebekah Brooks aussagen, die bis 2003 Chefredakteurin von "News of the World" gewesen war.

Der im Abhörskandal unter Druck geratene britische Premierminister David Cameron hat unterdessen seine Landsleute aufgerufen, den Blick nach vorne zu richten. Es gehe jetzt darum, sich mit den für das Land wichtigen Fragen wie der Schaffung von Arbeitsplätzen, der Förderung von Exporten und der Bekämpfung der Kriminalität zu beschäftigen, sagte Cameron am Dienstag. Das verlange die Bevölkerung von der Regierung. Es müsse aber auch auf das Fehlverhalten der Medien und auf die Korruptionsvorwürfe gegen die Polizei eingegangen werden. Wegen einer für Mittwoch geplanten Sondersitzung des Parlaments hat der Regierungschef seine Afrikareise abgekürzt.

10 Pressemitarbeiter der Polizei waren für Murdoch tätig

Der wegen Verbindungen zum Murdoch-Konzern in der Abhöraffäre zurückgetretene Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson sagte derweil bei einer Anhörung vor dem Innenausschuss, dass zehn der 45 Mitarbeiter der Presseabteilung der Polizei in der Vergangenheit für Murdochs britische Zeitungsgruppe News International tätig gewesen seien. Einige von ihnen seien Journalisten gewesen, andere hätten dort Arbeitserfahrung gesammelt.

Stephenson war in Verbindung mit dem früheren "News of the World"-Vizechefredakteur Neil Wallis gebracht worden, der später als Polizeiberater arbeitete. Stephenson sagte am Dienstag, er habe keinen Grund gehabt, die Einstellung Wallis' infrage zu stellen. Zugleich bestritt er, bei seiner Rücktrittserklärung am Sonntag Premierminister Cameron in ein schlechtes Licht gerückt zu haben, als er darauf anspielte, dass dieser den zurückgetretenen Chefredakteur der Zeitung, Andy Coulson, zu seinem Pressechef gemacht habe. Er stimme Cameron zu, dass es sich um "völlig verschiedene" Angelegenheiten handle, sagte Stephenson vor dem Ausschuss.

Murdoch hatte sich Mitte des Monats entschlossen, die "News of the World" einzustellen, nachdem herausgekommen war, dass Journalisten nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt hatten.

-Apa, Red.

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