Britische Wirtschaft fast auf Vorkrisenniveau - Zinserhöhung erwartet

Aufschwung nach Ende der meisten Corona-Beschränkungen

Britische Wirtschaft fast auf Vorkrisenniveau - Zinserhöhung erwartet

Britische Wirtschaft fast auf Vorkrisenniveau - Zinserhöhung erwartet

Die britische Wirtschaft ist nach dem Ende der meisten Coronabeschränkungen wieder gewachsen und nähert sich ihrem Vorkrisenniveau. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im August um 0,4 Prozent zum Vormonat zu, wie das Statistikamt ONS in London mitteilte. Im Juli war es noch um 0,1 Prozent geschrumpft, da wegen Quarantäne-Maßnahmen tausende Beschäftigte nicht zur Arbeit gehen konnten.

"Die Wirtschaft hat sich im August erholt, da Bars, Restaurants und Festivals vom ersten vollen Monat ohne Covid-19-Beschränkungen in England profitiert haben", sagte ONS-Direktor Darren Morgan. Mittlerweile liegt die britische Wirtschaft nur noch um 0,8 Prozent unter dem vor der Coronakrise erreichten Niveau. Deshalb könnte die Bank of England (BoE) die erste große Zentralbank seit Ausbruch der Pandemie sein, die ihren Leitzins anhebt. Die Anleger wetten auf eine Erhöhung auf 0,25 Prozent bis Ende Dezember. Aktuell liegt der Leitzins auf dem historischen Tief von 0,1 Prozent.

Auch die Industrieunternehmen Großbritanniens weiteten ihre Produktion im August spürbar aus. Gegenüber dem Vormonat sei die Gesamtherstellung um 0,8 Prozent gestiegen, teilten die Statistiker mit. Analysten hatten im Mittel einen Zuwachs um lediglich 0,2 Prozent erwartet. Gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhte sich die Produktion um 3,7 Prozent.

Besonders deutlich stieg die Produktion im Bergbau, wohingegen die Energiegewinnung und die Gasproduktion nachgaben. Die Warenherstellung im verarbeitenden Gewerbe erhöhte sich zum Vormonat um 0,5 Prozent und zum Vorjahresmonat um 4,1 Prozent. Sowohl die Gesamtherstellung als auch die Warenherstellung liegen aber immer noch unter ihrem vor der Coronakrise verzeichneten Niveau.

Die Wirtschaft dürfte dann im September allerdings auch durch die zeitweilige Verknappung von Benzin und Diesel an vielen Tankstellen in England ausgebremst worden sein. Verursacht wurde das durch einen Mangel an Lkw-Fahrern, der wiederum auf den EU-Ausstieg des Landes zurückgeht, durch den viele osteuropäische Arbeitnehmer auf den Kontinent zurückgekehrt sind. Das sollte die Zentralbank überzeugen, "dass die Wirtschaft nicht sofort durch eine Anhebung der Zinssätze abgekühlt werden muss", sagte Ökonom Samuel Tombs von Pantheon Macroeconomics.

Die britische Wirtschaft war 2020 um 9,7 Prozent eingebrochen - es war der stärkste Rückgang seit 300 Jahren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt ihr heuer ein Wachstum von 6,8 Prozent voraus.

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