Zuhause bei Österreichs Klimaschutz-Star:
Claudia Reiterer stellt sich dem Öko-Check

An diesem Montagmorgen sieht Claudia Reiterer ausgeruht aus. Sie ist in ihrer feinsäuberlich geputzten Küche beschäftigt, ihr kleiner Sohn Julian ist im Kindergarten. Es riecht nach frischem Kaffee. „Fair-Trade-Bio-Kaffee ist das aber keiner“, sagt sie plötzlich. Der Satz klingt beinahe wie eine Entschuldigung, wie schlechtes Gewissen. Wenn Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Österreich ein Gesicht hätten, dann wäre es wohl ihres.

Fast täglich steht die ORF-Lady für die Sendung „Konkret“ vor der Kamera. Da berichtet sie über ökologi­sches Bauen und Bio-Lebensmittel. Im November wird sie zum zweiten Mal den Österreichischen Klimaschutzpreis ver­leihen. Und auch privat bekennt sich der Dancing Star – sie gewann im Mai die fünfte Staffel – zu Öko. Sie ist mit dem ehemaligen Bundesparteisekretär der Grünen, Lothar Lockl, verheiratet. Tchibo-Bohnen passen da schlecht ins Bild. Wie klima­freundlich lebt der Öko-Star?

Claudia Reiterer gewährte FORMAT nun erstmals einen Einblick in ihr neues Domizil. Gemeinsam mit der Öko-Nanny Birgit Kohlmaier-Schacht wurde in einer Vor-Ort-Inspektion alles genau unter die Lupe genommen: Energie­versorgung, Lebensmittel, Haushaltsgeräte und Auto. Sogar den Kleiderschrank sah sich Kohlmaier-Schacht an. „Ich hoffe, die Öko-Nanny hebt den Zeigefinger nicht zu oft“, scherzt sie vor Beginn des Rundgangs.

Solaranlage und Ökostrom
Derzeit herrscht in Reiterers Bleibe in einigen Ecken noch Chaos. Die Wiese im Garten wurde schon länger nicht gemäht, im Keller türmen sich die Umzugsschachteln. Die ORF-Moderatorin und der ehemalige Grüne sind erst vor einem Monat in das 140 Quadratmeter große Häuschen am Stadtrand eingezogen. „Einige Dinge müssen wir erst angehen. Wie etwa die Ummeldung auf Ökostrom. Da liegt mir mein Mann schon wochenlang in den Ohren“, bekennt Reiterer.

Die Solaranlage auf dem Dach ist ­bereits installiert. Die Kollektoren liefern in den Sommermonaten die Energie für Warmwasser und Heizung. Rund 400 Liter fasst der Wassertank im Keller – eine Dusche für jedes ­Familienmitglied geht sich da locker aus. Eine Gasbrennwerttherme liefert im Winter zusätzlich Energie. Besonders klima­freundlich: Die 130 Grad heiße ­Abluft wird zu 70 Prozent wiederverwertet. Kostenpunkt der Anlage: 4.800 Euro. „Wir überlegen, das Haus zusätzlich zu dämmen, um Energie zu sparen. Jetzt warten wir aber mal den nächsten Winter ab“, erzählt Reiterer.

Das Urteil der Öko-Nanny: Je besser die Wärmedämmung, umso geringer ist der Heizwärmebedarf. Oft können durch eine Verbesserung der Gebäudehülle bis zu 80 Prozent der Energie gespart werden – eine Dämmung sollte deswegen schon angedacht werden. Ein Passivhaus, das den ganzen Energiebedarf selbst erzeugt, wäre überhaupt ideal „Prinzipiell ist aber jede Form von erneuerbarer Energie positiv“, erklärt die Umweltberaterin, „auch wenn die hohen Anschaffungskosten zunächst abschrecken, sind über den Lebens­zyklus gerechnet ökologische ­Heizsysteme günstiger.“

Kleine Sünden
Gleich aufmerksam wird Öko-Nanny Kohlmaier-Schacht aber auf die kleinen Klima-Sünden Reiterers: Hinter den Heizkörpern ist keine Alufolie angebracht. Die­se könnte die Wärmestrahlen reflektieren und Energie sparen. Reiterer ­verwendet auch keine Energiesparlampen. Die Öko-Beraterin erklärt: „Würde Claudia fünf herkömmliche Glühlampen mit 60 Watt durch Sparlampen ersetzen, sparte sie ­damit pro Jahr 150 Kilogramm CO2 und rund 40 Euro.“ Vorsicht: In Räumen, wo oft das Licht ein- und ausgeknipst wird, sind Sparlampen noch nicht so sinnvoll. „Ein klassischer Fehler ist auch das Kippen von Fenstern zum Lüften. Besser wäre Stoßlüften“, so Kohlmaier-Schacht.

Ein Blick in den Kühlschrank lässt das Herz der Öko-Nanny aber wieder ­höher schlagen: Darin finden sich vor allem Bio-Milchprodukte, frisches Gemüse aus dem Supermarkt, Lachs und selbstgemachte Marmelade. „Die CO2-Emission durch Düngemittel, die für Viehfutter verwendet werden, sind bei Biomilch um zwei Drittel geringer als bei herkömmlicher Milch“, weiß sie.

Inländisches Saisonobst bevorzugt
Claudia Reiterer erzählt, dass sie fast ausschließlich zu Saisonobst und -gemüse greife, um unnötige Transportkilometer zu sparen. „Obwohl manche Obstsorten in Österreich Saison haben, bieten die Supermärkte diese oft nur aus dem Ausland an“, ärgert sie sich. „Manchmal mache ich andere Kunden im Geschäft darauf aufmerksam oder spreche den Filialleiter darauf an“, outet sich die Buchautorin – sie verfasste kürzlich eine H.-C.-Strache-Biografie – als Supermarkt-Schreck. Ihr Ausweg: Ausländisches Obst und Gemüse kommt nur selten in den Einkaufswagen.

Claudia Reiterer kocht gerne, wenn’s aber schnell gehen muss, dann greift die 40-Jährige auch in die Tiefkühltruhe. Ihre Haushaltsgeräte weisen durchwegs eine hohe Energie-Effizienz-Klasse auf, also AA+ oder A++. Auch hier gilt: Kleine Tricks vergrößern die Wirkung. „Wenn man konsequent statt mit 90 mit 60 Grad wäscht, spart man pro Jahr 25 Kilowattstunden“, weiß die Öko-Beraterin. Weiteres Beispiel: Bis zu zehn Prozent des Stromverbrauchs entstehen durchschnittlich beim Standby-Betrieb von Elektro­geräten. Durch deren völliges Abschalten ergibt sich eine CO2-Einsparung von 150 Kilo und 64 Euro im Jahr.

Finger weg vom Auto
Ein strenges Auge wirft die Klima­schutz-Consulterin auf das Auto, einen VW Touran. Die Familienkutsche verbraucht zwar wenig Benzin, dennoch sollten so viele Kilometer wie möglich zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, meint sie. „Die Hälfte meiner Wege bewältige ich nicht mit dem Auto, sondern mit Öffis“, beteuert Reiterer, „und jetzt, da ich nach ‚Dancing Stars‘ so viel Kondition habe, werde ich vielleicht auch öfter aufs Rad steigen.“
Ihren anstehenden Urlaub wird Reiterer mit Mann und Kind auf einem Biobauernhof im Salzkammergut verbringen. „Sehr lobenswert“, meint die Öko-Nanny. Denn Flugreisen sind wie eine CO2-Bombe. Eine einfache Strecke nach Mallorca verursacht 1.300 Kilogramm CO2, ein Flug nach Thailand sogar 3.300 Kilogramm.

Insgesamt ist Claudia Reiterer bestens informiert. „Das meiste habe ich in ­meinen eigenen Sendungen gelernt, leider gibt es in Österreich keine zentrale Anlaufstelle“, beschwert sie sich.

Fazit von Öko-Nanny Birgit Kohlmaier-­Schacht: „Claudia ist auf einem guten Weg, perfekt ist sie freilich nicht. Sie geht die Dinge gelassen an. Das ist besser, als jeden Fehler verbissen zu vermeiden.“

Gut fürs Klima:

http://klima.orf.at : Eine persönliche CO2-Bilanz mit maßgeschneiderten Energiespartipps.

www.umweltberatung.at : Viele Tipps und Tricks rund ums ökologische Leben. Etwa Hilfe beim klimafreundlichen Kochen mit Saison-Rezepten.

www.e-control.at : Die österreichischen Stromanbieter im Preisvergleich mit Herkunftshinweisen (Strom aus fossilen, nuklearen und erneuerbaren Quellen).

Von Barbara Nothegger

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