Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück
Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Rennaissance eines Klassikers: Technics will mit dem SL1200GAE am Markt für Hifi-Plattenspieler mitmischen.

Der Markt für Vinyl-Schallplatten erlebt ein Revival. Davon profitieren auch die Hersteller von Plattenspielern wie die Wiener Firma Pro-Ject, die Weltmarktführer für Hifi-Plattenspieler ist. Aber auch die japanische Schmiede Technics will wieder am Markt mitmischen: Mit einer Neuauflage des legendären SL1200 aus den 1980er-Jahren.

Unter den Musikabspielgeräten gilt er eigentlich als Dinosaurier und folglich als ausgestorben. Doch in Zeiten, in denen Musik als physischer Tonträger immer mehr an Bedeutung verliert, erfährt der Plattenspieler ein Comeback. Aktuelles Beispiel: Die japanische Plattenspieler-Schmiede Technics präsentierte auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas den Nachfolger des legendären Disco-Plattenspielers SL1200.

Panasonic - der Konzern zu dem Technics gehört - springt auf den analogen Trend auf, denn die Vinyl-Verkäufe erlebten in den vergangenen Jahren einen wahrhaftigen Boom. So wurden allein in den USA 2014 rund 9,2 Millionen Platten verkauft, was einem Anstieg von 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Platten zwar Nische, aber mit zweistelligen Wachstumsraten

Auch in Österreich verkaufen sich Schallplatten sensationell: Für 2015 rechnet der Verband der österreichischen Musikwirtschaft (IFPI) mit einer Steigerung von 25 bis 30 Prozent. Beim IFPI schätzt man die Verkäufe auf rund fünf Millionen Euro. Bereits 2014 stieg der Umsatz mit Vinyl um 60 Prozent auf vier Millionen Euro an. Freilich machen die Plattenverkäufe nur ein klitzekleines Stück vom Kuchen aus: Der Umsatz von gepressten Scheiben liegt bei lediglich 3,5 Prozent des gesamten Musikmarkts. Noch immer sind mehr als die Hälfte aller verkauften Tonträger CDs (siehe Grafik).

Unter der silberglänzenden Haube des neuen Technics Technics SL1200G steckt aber nicht nur analoge Technik: Das Unternehmen hat einen Direktmotor ohne Eisenkern entwickelt, der Drehzahlschwankungen unterbinden soll. Ein Mikroprozessor steuert außerdem kleine Sensoren, welche kleinste Motorvibrationen ausgleichen sollen. Auch der japanische Konkurrent Sony bringt mit dem PS-HX500 einen knapp 500 Euro teuren Plattenspieler auf den Markt. Das Gerät wandelt die abgespielte Musik von der Platte gleich in digitale Dateien. Das ist per se keine technische Neuheit, aber auch Sony will vom wiederaufkeimenden Vinyl-Trend profitieren.

Technics knüpft mit den beiden Modellen an die Tradition der unter Discjockeys in den 1970er-Jahren legendären Plattenspieler SL1200 sowie SL1210 an. Sie beeinflussten maßgeblich die Disco- sowie Hip-Hop-Szene, 2010 wurde die Produktion der beiden Design-Ikonen jedoch aufgrund der geringen Nachfrage eingestellt.

Der auf 1.200 Stück limitierte Grand Class SL-1200GAE soll heuer im Sommer auf den Markt kommen, der Grand Class SL-1200G folgt im Winter 2016 in unlimitierter Stückzahl. Laut der Website „TheVerge“ soll die limitierte Version rund 4.000 US-Dollar (3682 Euro) kosten. Technics will mit den Premium-Plattenspielern vermutlich die kaufkräftige und Hifi-affine Kundschaft anlocken.

Auch Sony will am Vinyl-Kuchen mitnaschen: Auf der CES in Las Vegas stellte der japanische Konzern den PS-HX500 vor.

Wiener Unternehmen ist Weltmarktführer

Damit wird Technics aber keinen Erfolg haben, glaubt Heinz Lichtenegger, Geschäftsführer von Pro-Ject. "Technics hat im normalen Hifi-Bereich nie eine Bedeutung gehabt, die neuen Modelle sind für Audiophile nicht interessant." Er muss es wissen, denn sein Unternehmen in Wien gilt als Weltmarktführer für Hifi-Plattenspieler. 2015 hat er weltweit 120.000 Plattenspieler verkauft, 20 Prozent mehr als noch 2014. Sein Umsatz ist im vergangenen Jahr um ein Viertel gewachsen, Pro-Ject zählt insgesamt 530 Mitarbeiter.

Auch Lichtenegger war auf der CES in Las Vegas und stellte zwei neue Plattenspieler-Modelle vor. Einer davon kann sogar senkrecht an der Wand oder einem Regal montiert werden. "Analog-Vinyl ist zum Lifestyle geworden", sagt der Unternehmer, der seit 35 Jahren in der Branche tätig ist. Seine Plattenspieler gibt es von 199 bis 9.500 Euro, und er verkauft sie vor allem in die USA, nach Großbritannien, Australien, Deutschland, Polen oder Skandinavien. Das Interesse sei extrem im Steigen, sagt Lichtenegger. Deswegen will er die Produktion in seiner Fabrik in Tschechien heuer auf bis zu 160.000 Stück steigern und das Werk um die Hälfte vergrößern.

2016 hat sein Unternehmen 25-jähriges Bestehen. Vor einem Vierteljahrhundert kaufte Lichtenegger ein altes Werk des Erfinders Nikola Tesla in Tschechien, in dem Plattenspieler und andere elektronische Geräte für die Sowjetunion hergestellt wurden.

Den nächsten Trend hat der Unternehmer auch schon ausgemacht: Plattenwaschmaschinen. Dazu zog er in Tschechien eine neue Fabrik auf, in der seit Anfang Dezember produziert wird. Im ersten Jahr will er 10.000 Stück verkaufen, im zweiten 15.000 Stück. 500 Euro soll der schwarze Kasten kosten, der in einer Umdrehung eine Platte reinigt. "Die Nachfrage ist sehr stark", sagt er.

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