Zanardi fährt wieder Autorennen

Zanardi fährt wieder Autorennen

Das letzte Mal, dass Alessandro Zanardi auf einer Auto-Rennstrecke als Erster über den Zielstrich fuhr, ist noch gar nicht so lange her. In Brands Hatch, wo früher auch die Formel 1 ihre Runden drehte, gewann er sogar zweimal. Er fuhr ein Handbike.

Am 5. und am 7. September 2012 holte Zanardi jeweils Gold im Straßenrennen der Londoner Paralympics. Ab April würde der Italiener auf dem Siegerpodest aber ganz gerne mal wieder Champagner verspritzen. Er fährt nämlich wieder Autorennen.

"Es ist ja keine schlechte Idee, mal wieder angetrieben zu werden, statt selbst etwas anzutreiben", sagt Zanardi mit einem Lächeln. Am 21. April beginnt die GT-Serie, sechs der sieben Sprint-Rennen über eine Stunde wird er bestreiten. In einem eigens für ihn angepassten BMW Z4. "Eine starke Maschine, ein sehr sexy Auto", sagt der nun schon 47 Jahre alte Rennfahrer aus Leidenschaft. Und der liebevolle Blick auf das hinter ihm stehende Auto verrät, wie sehr er sich auf den Tag freut, an dem es wieder losgeht.

Zanardi, das ist immer auch dieser 15. September 2001, als er in einem CART-Rennen auf dem Lausitzring so schwer verunglückte, dass er knapp drei Viertel seines Blutes verlor und ihm die Ärzte beide Unterschenkel amputieren mussten. "Seitdem", berichtet Zanardi mit einem Lachen, "mag ich Bier." Wie bitte? Naja, früher habe er kein Bier getrunken, aber als er nach dem Unfall wieder aufgewacht sei, habe er plötzlich das Verlangen danach verspürt: "Das muss an dem vielen deutschen Blut liegen, das ich bekommen habe."

Nach diesem Unfall ist Zanardi wieder Rennen gefahren, etwa ab 2005 in der Tourenwagen-WM WTCC, er hat auch ein paar gewonnen. Nach der Saison 2009 hörte er auf, regelmäßig Autorennen zu fahren. Er suchte eine neue Herausforderung, und so begann er, sich konsequent auf London vorzubereiten, auf die Paralympics. "Jeder Trainingstag", sagt er, "war ein Geschenk", jeden einzelnen Augenblick "dieses Abenteuers" habe er genossen. Nur als er in London zweimal Gold und Silber mit der Mannschaft gewonnen hatte, "da war ich traurig".

Traurig? Nun, sagt Zanardi, "es war fantastisch, aber ich dachte: Na gut, jetzt habe ich wieder ein Bild, das ich an die Wand hänge, aber was kommt danach?" Er brauchte ein neues Ziel. Die 500 Meilen von Indianapolis, das wäre etwas gewesen, ja. Mach nur, sagte seine Frau Daniela, ich rufe derweil einen Scheidungsanwalt an. Im Oktober 2012 saß Zanardi in einem DTM-Auto von BMW. Er stellte fest: "Es war ein großartiger Tag." Aber: Er war "nicht zu hundert Prozent" davon überzeugt, dass es das Richtige für ihn wäre.

Er sei jetzt in einem Alter, sagt Zanardi, wo sein Leben aus vielen Dingen bestehe, Dingen, die seiner Passion, seiner Leidenschaft für Auto-Rennen dazwischenkämen. Er fährt Handbike und will es auch bis zu den Paralympics in Rio de Janeiro 2016 tun. Er hat eine TV-Show, sie heißt "sfide" (Herausforderungen), dort laufen Porträts etwa über Ayrton Senna oder Marco Pantani. "Ich habe nicht mehr die Fähigkeit, gegen junge Leute zu fahren, für die Rennfahren das Einzige im Leben ist", sagt Zanardi.

Das Angebot, das ihm BMW nun gemacht hat, "ist großartig in jeder Hinsicht", sagt Zanardi: Er kann alles unter einen Hut bringen und vor allem tun, was er verdammt gut zu können glaubt. "Zum Glück", ergänzt er und grinst wieder wie ein Lausbub, "zum Glück gibt es genug Leute, die das auch glauben." Mehr oder weniger als Geschenk zum Geburtstag am 23. Oktober 2013 hat ihm BMW-Motorsportdirektor Jens Marquart das Angebot gemacht, und, wie gesagt, es passte alles.

Auch die Sache mit seiner Frau hat Zanardi geregelt. Das war gar nicht mal mehr so schwer. In seiner TV-Show hat er ein Angebot von einer Raumfahrtgesellschaft bekommen, die ihn als ersten Menschen mit körperlichem Handicap ins All schießen wollte. Als Zanardi mit dem Vorschlag zu Daniela ging, sagte sie nur: Wie war das nochmal mit Indianapolis? Sprich: Dann fahr lieber Autorennen. Das macht er nun, und er freut sich, das ist unüberhörbar: "Es gibt doch nichts Schöneres als den Champagner auf dem Podium zu schmecken."

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