WM 2014: "Was da an Geld hinausgeschmissen wird, ist Wahnsinn"

WM 2014: "Was da an Geld hinausgeschmissen wird, ist Wahnsinn"

Erwin Kräutler, Missionar und seit 1980 Bischof und Prälat von Xingu, der größten Diözese Brasiliens, kritisiert die FIFA Fußball WM 2014 in Brasilien. Die Weltmeisterschaft werde auf Kosten der armen Bevölkerung und der Ureinwohner ausgetragen.

Heftige Kritik an der Fußball-WM 2014 in Brasilien übt der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler. Bei aller Fußballbegeisterung im Land würden viele Millionen Brasilianer die Veranstaltung höchst kritisch sehen, so Kräutler im "Kathpress"-Gespräch. Kräutler sagt: "Was da an Geld hinaus geschmissen und wie mit den Leuten umgegangen wird, das ist Wahnsinn."

Und: "Wenn man sieht, wie im Umfeld von Stadien Häuser abgerissen werden und die Leute nicht wissen, wo sie hin sollen - das schreit zum Himmel". Kräutler zeigte sich besorgt, dass es rund um die Fußball-WM zu massiven Protesten kommen werde. Statt einer WM wollten die Menschen Bildung, Gesundheit, funktionierende Infrastruktur und Sicherheit im Land.

FIFA ohne Rücksicht auf Verluste

Der Internationale Fußball-Verband (FIFA) greife viel zu sehr in nationale Rechte des Landes ein, was den Nationalstolz vieler Menschen verletzen würde, so Kräutler. Der 74-jährige gebürtige Vorarlberger und Bischof von Xingu in Amazonien befindet sich derzeit auf "Heimatbesuch" in Österreich. Kräutler tritt auch vehement gegen das Großprojekt des Belo-Monte-Staudamms am Xingu-Fluss auf, durch das die Lebensgrundlage vieler Ureinwohner bedroht sei.

In vielen Teilen Brasiliens würde rücksichtslos gegen die indigenen Völker vorgegangen. Wer sich hingegen für die Rechte der Indios einsetzt, stehe "mit einem Fuß schon im Kriminellen" und werde der Aufhetzung der indigenen Völker beschuldigt, beklagte der Bischof.

So wurde etwa im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul der weltweit bekannte Anführer des Indio-Volkes Guarani Kaiowa, Ambrosio Vilhalva, ermordet. Er hatte sich - medial viel beachtet - für die Landrechte der Ureinwohner eingesetzt. Was in Mato Grosso passiert sei ein "Genozid", so Bischof Kräutler: "Die Regierung geht über Leichen. Überspitzt formuliert: 'Jeder Indio ist für die Regierung einer zu viel.'"

Polizei und Justiz sehen weg

Das mangelhafte Justizsystem sei dabei eines der großen Probleme des Landes. Wer Geld hat, könne es sich oft "richten". Kräutler betonte, dass die Indios seit 1987/88 verbriefte Rechte in der brasilianischen Verfassung hätten. Damals sei es gelungen, im Grundgesetz zu verankern, dass sie ein Recht auf ihr angestammtes Land, ihre Kultur, Sprache und Religion hätten. Zuvor seien sie als "Waldbewohner" bezeichnet worden, hätten sich in die Gesellschaft integrieren und ihre Identität aufgeben sollen. Nach 1988 wurden dann aber zumindest 50 Prozent der den Indios zugesicherten Fläche abgegrenzt. Das sei auch für den weltweiten Klimaschutz von enormer Bedeutung, so der Bischof.

Kirche als Schutzherr der Ureinwohner

Allerdings gebe es inzwischen Tendenzen, diese Verfassungsbestimmung wieder zu lockern. Über die Landrechte der Indios solle neu verhandelt werden. Dagegen hätten sich alle brasilianischen Bischöfe mit Vehemenz ausgesprochen, hielt Kräutler fest. Trauriger Nachsatz: "Die Kirche ist in Brasilien die einzige Instanz, die sich für die Rechte der Indigenen einsetzt." Wohl sei er als Präsident des Indianermissionsrates der brasilianischen Bischofskonferenz (CIMI) das bischöfliche Aushängeschild des kirchlichen Einsatzes für die Indios, so Kräutler, "in der Bischofskonferenz habe ich aber vollen Rückhalt".

Der CIMI-Aktivist Cleber Buzatto beklagte in einem APA-Gespräch in Brasilia: "Die Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung in Brasilien haben sich in den vergangenen 40 Jahren massiv verschlechtert. Der Staat missachtet nicht nur die Rechte der Ureinwohner, er kriminalisiert sie."

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