Zoff in Sotschi: Snowboarder weisen Schröcksnadel-Kritik zurück

Zoff in Sotschi: Snowboarder weisen Schröcksnadel-Kritik zurück

Österreichs Snowboarder müssen nach dem medaillenlosen Abschneiden bei Sotschi 2014 Kritik einstecken. Der sportliche Leiter Christian Galler wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Was wir nicht stehen lassen können ist, dass wir eigentlich unprofessionell arbeiten! Ich weiß, dass meine Mannschaft souverän und sehr, sehr gut arbeitet."

"Wenn man nach 50 Meter im Snowboard-Cross zehn Meter hinten ist, kann man nichts gewinnen. Das ist leider noch eine Partie, die sehr unprofessionell ist, da werden wir als Verband drauf schauen, dass da mehr Professionalität einkehrt", sagte ÖSV-Präsident Schröcksnadel gestern.

Zum Artikel: ÖSV-Präsident Schröcksnadel mit Abschneiden in Sotschi unzufrieden: "Unprofessionell!"

Der sportliche Leiter Christian Galler will die Kritik an der Snowboard-Sparte nicht stehen lassen. Im Interview wehrt er sich unter anderem gegen die Vorwürfe, dass unprofessionell gearbeitet werde, und den Zeitpunkt des Rundumschlags.

Wie haben Sie die Kritik von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel aufgenommen?

Christian Galler: Der Herr Präsident hat sicher sehr gut erkannt, dass wir mit den neuen jungen Sportarten hier weit unter dem Wert geschlagen wurden. Das hat nicht nur er erkannt, das wissen wir auch selbst. Und nicht nur ihm tut das weh, sondern auch uns oder speziell unseren Athleten. Dass wir gewisse Leistungen nicht punktgerecht abrufen haben können.

Was sagen Sie zum Zeitpunkt der Kritik am Tag vor den letzten Medaillenrennen?

Galler: Man muss sich halt überlegen, ob man zu einem Zeitpunkt vor dem Abschlussrennen in dieser Form auch das Team und die Athleten dementsprechend motiviert. Ich sehe, dass alle unsere Athleten und Betreuer so professionell sind, dass sie Gott sei Dank diese Sager ausblenden können. Wir haben uns mit dem ersten Bewerbstag, dem Slopestyle, bemüht, wie bemühen uns auch mit dem letzten Bewerbstag. Peter Schröcksnadel wirft dem Snowboard-Lager unprofessionelles Verhalten vor.

Galler: Was wir nicht stehen lassen können ist, dass wir eigentlich unprofessionell arbeiten, weil wir ein Prozedere haben, dass bei sehr vielen Weltcups und in den letzten zehn Jahren bei Großveranstaltungen sehr, sehr gut funktioniert hat. Wir habe heuer schon eine große und kleine Kugel daheim im Kasten stehen. Wir haben 13 Podiums in dieser Saison eingefahren. Wenn man das schafft, dadurch dass man eigentlich unprofessionell arbeitet, dann müssen wir richtig viel Glück gehabt haben. Und das glaube ich nicht. Ich weiß, dass meine Mannschaft souverän und sehr, sehr gut arbeitet. Wenn man natürlich beim Saisonhöhepunkt danebengreift, ist es sehr, sehr bitter. Wir sind alle sehr enttäuscht, aber auch alle sehr, sehr motiviert. Diese Dinge liegen sehr eng beieinander.

Seine Kritik zielte auch auf die Crosser ab. Er weiß aber sicher, dass bei den Herren hier drei Athleten am Start waren und zwei davon sich in dieser Saison schwer verletzt haben, oder?

Galler: Da muss man fragen, inwiefern Peter wirklich voll und ganz informiert ist. Ich nehme an, dass er weiß, wie es unseren Athleten auch mit dem Gesundheitszustand geht. Das möchte ich aber nicht vorrangig hinstellen. Ich hatte auch den Eindruck, dass unsere Boards nicht hundertprozentig schnell waren. Ich habe das auch bei anderen Sparten gesehen, dass wir nicht ganz glücklich in der Wahl der Wachse waren. Allerdings ist das akkordiert mit der Forschungsabteilung, da ist ein riesiges Forschungsteam da. Das geht einher mit jenen Dingen, die wir auch verwenden und einfließen lassen in die Beurteilung der Situation. Das kann passieren. Wie gesagt, das geht einmal daneben. Und wenn man da so einen Rundumschlag macht, ist das für mich unverständlich.

Wie sieht es mit der Zahl der Serviceleute aus?

Galler: Schauen wir die Gesamtstruktur an, der Präsident leitet ja auch die finanziellen und strukturellen Geschicke in meiner Abteilung, weil er mir die Budgets gibt. Die Betreuerstruktur im Ski-Alpinsport ist so, dass wir bei den Herren auf eineinhalb Athleten einen Betreuer haben. Bei den Damen sind es 2,1 und in meinem Sport sind wir bei 3,2. Das Verhältnis ist schon ein anderes. Aber ich glaube, dass wir auch mit diesen Verhältnissen gezeigt haben, dass wir sehr gut arbeiten können. Die Betreuersituation ist in Ordnung, da und dort aber definitiv noch verbesserbar. Aber wie gesagt, steuern tut der Präsident. Auch die Rahmenbedingungen und das professionelle Verhalten. Ich nehme aber gerne die Hand, die er mir gereicht hat, in dem er gesagt hat, schauen wir, dass es ein bisschen professioneller wird. Ich nehme jede Hilfe an.

Präsident Schröcksnadel hat auch kritisiert, dass die Athleten nur drei Boards hätten, man solle doch 10 oder 20 Boards zur Verfügung haben, die an die Schneeverhältnisse angepasst sind.

Galler: Wir haben nicht 40 Paar Ski. Wir haben keine zusätzliche Unterstützung aus der Industrie. Das Trainer-Läuferverhältnis, das ich vorhin erwähnt habe, ist ja noch ohne industrielle Zusatzleistungen. Wenn er sagt, wir haben zu wenig Boards, ist das richtig. Bei uns ist es so, dass wir Boards selber kaufen, weil sie abgestimmt auf die Athleten sind und in Kleinschmieden erzeugt werden. Wo das Stück zwischen 700 und 1.500 Euro inklusive dem kompletten Set-up kostet. Das müssen unsere Athleten dafür bezahlen. Im Skibereich bekommt man was dafür, wenn man einen Ski fährt, das ist eine ganz andere Situation. Wir sind Randsport, da gibt es nichts zu verdienen. Wie soll ich mir was kaufen können, wenn ich das Geld dafür nicht habe? Wenn der Peter meint, mir da helfen zu können, bitte gerne. Das ist die Hand, die ich sehr gerne annehme. Bei mehr Boards brauchen wir aber definitiv mehr Serviceleute.

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