Sotschi 2014 LIVE: Die Olympia-Abfahrt der Herren - Matthias Mayer holt GOLD

Sotschi 2014 LIVE: Die Olympia-Abfahrt der Herren - Matthias Mayer holt GOLD

Der aus Sicht des alpinen Skisport absolute Höhepunkt der Olympischen Winterspiele ist entschieden. Die Herren-Abfahrt ist mit einer kleinen Verspätung um 08:15 Uhr gestartet. Eine Verspätung, die der Kärntner Matthias Mayer zum Sieg nutzte. Er holte GOLD für Österreich.

Sotschi 2014. Es war angerichtet für ein Frühstück der Sonderklasse: In Sotschi ging die Abfahrt der Herren über die Bühne. Die Abfahrtsstrecke war - wie der Ex-Rennfahrer Hans Knaus bei seiner Probefahrt feststellte - "so was von olympiawürdig - wer hier siegt, der ist ein kompletter Skifahrer."

Das Wetter und die Piste präsentierten sich in Bestform. Es war leicht bedeckt und ein bisschen wärmer als im Training. Der Österreicher Matthias Mayer, der im Training am Freitag der Schnellste war, mag solche Bedingungen. Vor dem Start sagte er noch: "Es entwickelt sich für mich". Er konnte noch nicht wissen, wie richtig er damit liegen sollte. Mit seiner Fahrt mit Nummer 11 sollte er sich keine Stunde später den Sieg und damit Olympiagold sichern.

Klaus Kröll stapelte tief: "Es ist ein Rennen wie jedes andere, ein Tag wie jeder andere." Als Sportler wusste er allerdings, dass das geschwindelt war. Auch für den Abgebrühtesten und die Exoten im Starterfeld ist eine Olympia-Abfahrt ein absolutes Top-Ereignis, auf das man entsprechend hinfiebert.

Gestartet wurde nicht um 08:00 Uhr, sondern erst um 08:15, weil eine der Gondelbahnen zum Skiressort ausgefallen war. Der Amerikaner Steven Nyman eröffnete die Olympia-Abfahrt der Herren. Der erste Österreicher, Max Franz, startete mit Nummer 9, Matthias Mayer folgte mit 11.

Favorit Bode Miller war mit Nummer 15 an der Reihe, Aksel Lund Svindal mit Nummer 18, Klaus Kröll mit Nummer 22 und Georg Streitberger mit Nummer 23. Titelverteidiger Didier Defago ging mit Nummer 27 an den Start. Die Medaille mit dieser hohen Nummer zu verteidigen würde für ihn nicht leicht sein, das wusste und sagte auch er vor dem Start.

Das Rennen - Der Live-Bericht

Steven Nyman (USA) hat die Ehre, die Abfahrt zu eröffnen. Bei seiner Fahrt auf der 3,5 Kilometer langen Piste wird er erwartungsgemäß durchgebeutelt, zwischendurch zaubert es ihn einmal gewaltig. Die erste Richtzeit ist 2:09:15 und liegt damit klar über Bode Millers Bestzeit aus dem Training (2:06:09). Sie wird wohl nicht für eine Medaille reichen. Schon Nummer 2, Jan Hudec, nimmt ihm 66 Hunderstelsekunden ab.

Der Schweizer Carlo Janka schenkt sich mit Nummer 3 ebenfalls nichts. Respektlos knallt er die Piste hinunter und stellt wohl die erste richtige Richtmarke auf: 2:06:71, über 1,7 Sekunden vor Hudec. Das ist einmal eine Marke, die erst gebogen werden muss. Nummer 4, Ferran Terra, gelingt das nicht. Mit 2:11.43 bleibt er über vier Sekunden hinter Janka. Wie ein Tourist ist aber auch er nicht die Piste hinunter gerutscht. Das gilt auch für Nummer 5, dem Russen Alexander Glebow. 2:25 Sekunden Rückstand zeigen: Heimvorteil gibt es keinen. Höchstens für ihn als Russen ein bisschen mehr Applaus im Ziel. Davon kann sich Glebow aber nichts kaufen.

Die Sicht wird besser

Beim Kanadier Benjamin Thomson wird die Sicht besser. Die Sonne kommt heraus, er bleibt aber trotzdem 1:29 Sekunden hinter der aktuellen Bestzeit von Carlo Janka. Der zweite US-Boy, Travis Ganong, hat etwas gegen einen Schweizer Sieg. Er verdrängt Carlo Janka von der Pole-Position und stellt eine neue Bestmarke auf. Kjetil Jansrud unterbietet aber gleich wieder. 2:06:33 ist jetzt top.

Der erste Österreicher

Max Franz wirft sich in das Rennen. Bei der ersten Zwischenzeit liegt er 3 Hunderstel vor Jansrud. Nach knapp eineinhalb Minuten Fahrzeit ist Franz aber 66 Hundertsel, danach 95 Hunderstel und im Ziel mit 2:07:03 klar zurück. Das wird leider keine Medaille. Rang vier nach seiner Fahrt. Aber wir haben noch drei Jungs im Talon.

Der Italiener Werner Heel hat trotz einer engagierten Fahrt mit den Medaillen nichts zu tun. Er bleibt im Ziel hinter Max Franz auf Rang 5. Jetzt Matthias Mayer. Er will es wissen. Hat im Training schon groß aufgegeigt und geht, wie er selbst sagt, seit Tagen mit einem Dauergrinser durch Sotschi.

Ein kleiner Fehler im obersten Abschnitt kostet Mayer ein paar Hunderstel, doch er holt auf. Nach 1:30 Minuten liegt er eine Zehntel vor Jansrud! Noch eine gute halbe Minute - und er hält den Vorsprung bis ins Ziel! 2:06:23 ist seine Zeit, die neue Bestzeit und jetzt hoffentlich eine Bestzeit, die ganz bis zum Ende des Rennens hält.

Der erste Ausfall

Der Franzose Johan Clarey mit Nummer 12 ist der erste, der es nicht ins Ziel schafft. Er rutscht an einem Tor vorbei, passiert ist ihm nichts. Es kommen Beat Feuz, dann Peter Fill - am Samstag im Training Dritter - und dann Bode Miller.

Der Schweizer Beat Feuz kann die Abfahrt vergessen. 1:29 Sekunden Rückstand im Ziel ist nur der vorläufige Platz 7. Der Südtiroler Peter Fill zeigt, dass seine Trainingszeiten kein Zufall waren. Er ist top unterwegs, liegt während der Fahrt ein paar Hunderstel vor Mayer, dann aber doch 0:49 hinter dem Österreicher. Im Mittelteil muss Mayer sehr gut gefahren sein.

Bode Miller

Mit Nummer 15 Bode Miller. Oben 27 Hunderstel vor Mayer. Dann fällt er zurück. Macht ein paar Fehler - es ist nicht die einwandfreie Fahrt, die ihm im Training gelungen ist! Miller zaubert, scheint irgendwie nicht mit letztem Einsatz zu fahren, obwohl das natürlich Quatsch ist. Er will dieses Olympia-Gold vielleicht wie kein anderer. Aber daraus wird nichts!

Bode Miller erreicht das Ziel mit 2:06:75 - das ist nur Platz sechs. Miller, der schnellste aus dem Training, der große Favorit auf Olympiagold ist geschlagen! Fassungslos und enttäuscht greift sich Miller im Ziel an den Kopf. Im Zielraum verkriecht er sich in eine Ecke, möglichst weit weg von allen Kameras, die seine Enttäuschung aber dennoch erbarmungslos einfangen. Einige kleine Fehler im unteren Teil haben ihm die heiß ersehnte Medaille bei seinen schon fünften und mit Sicherheit letzten Olympischen Spielen gekostet.

GOLD für Österreich und MATTHIAS MAYER rückt damit in Griffweite. Doch es kommen noch die Top Favoriten. Warten wir einmal noch auf Aksel Lund Svindal, mit Nummer 18.

Patrick Küng aus der Schweiz wird Mayer den Platz an der Sonne jedenfalls nicht streitig machen. Küng bleibt 1:59 Sekunden zurück und ist nach seiner Fahrt nur zehnter. Auch Dominik Paris bleibt 0:90 Sekunden zurück. Das bedeutet vorerst Rang 7.

Aksel Lund Svindal

Der Sieganwärter Nummer zwei, der zweite von Vancouver 2010, wirft sich ins Rennen. Auch er muss ein paar Fehler einstecken, ist oben neun Hunderstel hinter Mayer, bei Minute 1:30 dann schon fast eine halbe Sekunde hinter dem Östereicher. Svindal ist geschlagen! 2:06:52 - Svindal ist im Ziel 0:29 Sekunden hinter Mayer und nur auf Platz 3! Es ist angrichtet für österreichisches Olympia-Gold!

Der nächste, Adrien Theoux ist jedenfalls auch keiner, der Mayers Bestzeit etwas anhaben kann. 2:07:98 sind nur Zwischenrang 13. Aber jetzt Christof Innerhofer: Er ist schnell! bei 1:30 noch zwei Zehntel vor Mayer, aber auch ihm gelingt es nicht, Mayer zu biegen. Er bleibt 6 Hunderstel hinter Mayer. Im Ziel jubelt er aber dennoch, als hätte er gewonnen. Ist das eine Medaille für Innerhofer?

Der nächste Österreicher Klaus Kröll hätte diese Abfahrt, diesen Tag vielleicht doch nicht wie "jeden anderen" angehen sollen. 2:08:50 sind nur Platz 18. Das war wohl nichts für ihn.

Zum Abschluss aus dem ÖSV-Team wirft sich Georg Streitberger ins Rennen. Oben 9 Hunderstel vor Mayer, nach 50 Sekunden 3 Hunderstel hinter seinem Teamkollegen, doch jetzt kommt er entscheidende untere Teil, wo die Favoriten Miller und Svindal geschlagen wurden. Und leider auch Georg Streitberger. Nach 1:30 Fahrminuten ist er neun Zehntel zurück, im Ziel 1:63 Sekunden.

Ist das Gold für Österreich?

Ist Matthias Mayer der nächste Österreicher, der eine Olympia-Abfahrt gewinnt? Mit Nummer 27 kommt noch einer, der Mayer diese Medaille streitig machen will: Der Schweizer Didier Defago, Sieger von Kitzbühel und Olympiasieger in Vancouver 2010. Die dazwischen fahrenden Natko Zrincic aus Kroatien, Marco Sullivan aus den USA und David Poisson aus Frankreich haben mit der Medaillenentscheidung nichts zu tun.

Defago iegt oben vor Mayer, 0:24 Sekunden, nach 1:30 Fahrminuten aber 79 Hunderstel zurück. Defago ist geschlagen! Im Ziel mit 1:56 Sekunden zurück nur auf Rang 14 - GOLD für Matthias Mayer ist damit sicher!" Der Kärntner holt Gold für Österreich, zweiter wird Christof Innerhofer aus Italien und dritter der Norweger Kjetil Jansrud.

Nach dem Rennen

"Es ist das Größte und Geilste überhaupt", sagt Mayer beim ersten Siegerinterview. Im Weltcup ist er noch nie auf das Podest gefahren, hatte schon ein paar Mal angekratzt. "Ich bin heute in der Früh noch mit Bode Miller Lift gefahren, der war sehr nervös. Als er im Ziel war und hinter mir war, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen", sagt der frischgebackene Olympiasieger - der erste Österreicher seit Salt Lake City 2002, der erste, der seit Turin 2006 eine Medaille in der Herren-Abfahrt gewinnen kann.

Favorit Bode Miller gesteht seine Niederlage ein. "Ich weiß nicht, wo meine Zeit liegen geblieben ist, habe keine großen Fehler gemacht, bin gut gefahren, aber die Bedingungen waren für mich nicht optimal." Sonnenschein wie am Vortag hätte er sich gewünscht - Bedingungen, wie er sie braucht, um so fahren zu können, wie er es technisch kann. Enttäuschung schwingt mit, genauso wie bei dem Viertplatzierten Aksel Lund Svindal, der Mayer zu seinem Sieg gratuliert: "Viele haben gesagt, dass sich Bode und ich den Sieg ausmachen werden, aber ich wusste, dass das nicht so sein wird. Bode hatte ein paar tolle Zwischenzeiten, aber Matthias war auf der ganzen Strecke der Konstanteste. Er hat verdient gewonnen." Wir schließen uns Svindals Meinung an, gratulieren und freuen uns mit Matthias Mayer.

So wie auch Franz, der Kaiser, Klammer, der Olympiasieger von 1976. Er sagte, er habe den Matthias auf der Liste der potenziellen Sieger gehabt. "Er war in diesem Rennen der Konstanteste, der Coolste. Bode hatte ein bisschen Pech mit der Sicht, Aksel hat einfach zu viele Fehler gemacht. Matthias ist nach den Trainings in den Favoritenkreis aufgestiegen, ist aber mit dieser Rolle perfekt umgegangen. Er ist keiner, der herumschreit, er zeigt sein Können lieber auf der Piste", analysierte Klammer. Und Fritz Strobl, der Olympiasieger in der Abfahrt von 2002 fragte: "Sind es die Kasnudeln oder die Kärntner Luft?" Die Antwort auf diese Frage blieb offen, doch auch das ist an einem Tag wie diesem letztlich gleichgültig. Eines zählt für Strobl aber doch: "Jetzt ist auch im Super-G alles möglich. Auch Gold, wenn er das Hoch ausnutzt."

Klicken Sie hier zum Matthias Mayer Siegerportrait

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