Sotschi 2014: GOLD für Ligety, nur Blech für Marcel Hirscher

Sotschi 2014: GOLD für Ligety, nur Blech für Marcel Hirscher

Ted Ligety aus den USA vor Steve Missilier aus Frankreich und dessen Landsmann Alexis Pinturault - das ist das Ergebnis im olympischen Riesentorlauf von Sotschi. Marcel Hirscher wird nur Vierter, Matthias Mayer Sechster, Benjamin Raich Siebter. Nur wenige Zehntel fehlten den ÖSV-Hoffnungen auf Edelmetall.

Ted Ligety ist Olympiasieger - als erster US-Amerikaner in einem Riesentorlauf. Der überragende Mann der vergangenen Saisonen wurde seiner Favoritenrolle gerecht und legte eine souveräne Demonstration seiner Stärke hin. Der Weltmeister siegte am Mittwoch in Krasnaja Poljana vor den beiden Franzosen Steve Missillier (+0,48 Sek.) und Alexis Pinturault (+0,64).

Für die österreichischen Mitfavoriten endete der Tag hingegen mit einer herben Enttäuschung. Rang 4 für Marcel Hirscher macht den Salzburger zur tragischen Figur dieses Olympia-Riesentorlaufs. Ohne Medaille aus dieser Entscheidung hervorzugehen, damit hat der erfolgsverwöhnte Hirscher wohl nicht gerechnet. 30 Hundertstel fehlten ihm schlussendlich auf Bronze.

Auch Benjamin Raich ist mit dem siebten Platz wohl nicht zufrieden. Der sechstplatzierte Matthias Mayer hingegen lieferte eine überraschende Top-Leistung - nach seiner Fahrt zu Gold in der Abfahrt ein erneutes Highlight für den Kärntner. Philipp Schörghofer landete auf dem 18. Platz.

Damit blieb es am Mittwoch auch den ÖSV-Alpinen verwehrt, die zehnte Sotschi-Medaille und das insgesamt 300. Olympia-Edelmetall (Sommer und Winter) für Österreich zu holen. Pechvogel Hirscher kam erstmals seit langem in einem Riesentorlauf nicht auf das Podest. Der tschechische Sensationsmann Ondrej Bank, der in Lauf eins als Einziger halbwegs mit Ligety mithalten konnte, belegte in der Endabrechnung Platz fünf.

Ligety hielt großem Druck stand, Franzosen feiern

Der Olympiasieger freute sich indes darüber, seiner Favoritenrolle gerecht geworden zu sein. "Super. Jedes Gold ist toll, es ist ein großartiges Gefühl. Ich habe den meisten Druck auf mich selbst gemacht vor diesem Riesentorlauf. Ich habe gewusst, dass das eine Riesenchance ist. Ich habe versucht, die Linie zu halten und alles zu geben. Der erste Lauf war super, da musste ich im zweiten nicht mehr ans Limit gehen, da war es schon sehr unruhig. Bei meinem ersten Olympia-Gold war ich 21, es waren meine ersten Spiele, damals hatte ich null Druck. Heute war ich schon sehr aufgeregt. Es ist nicht leicht, der Favorit zu sein. Ich bin stolz."

Der Zweitplatzierte Steve Missillier zeigte sich naturgemäß überwältigt: "Das ist unglaublich. Im Weltcup war ich noch nie auf dem Podest. Mein Geheimnis sind die guten Ski, der Schnee war auch perfekt für mich. Sowas mag ich. Ich war aber auch etwas glücklich, habe keinen gröberen Fehler gemacht." Sein französischer Landsmann Alexis Pinturault freute sich über Bronze - und über den Überraschungserfolg von Missillier: "Ich bin einfach nur glücklich. Es war sehr schwierig, ich war drei Zehntel hinter Steve und dachte, ich werde Vierter. Mit dem Teamkollegen da oben zu stehen ist ein großer Tag für das französische Team. In Österreich ist das ja oft so, bei uns nicht."

Bitter: Österreicher auf den Rängen 4 bis 7

Marcel Hirscher zeigte sich nach dem verpassten Podium bitter enttäuscht: "Ich bin nicht wirklich happy, eher grantig. Positiv war, dass ich alles probiert habe. Aber Vierter, da kann ich mir gar nichts kaufen drum, das war ich vor vier Jahren auch schon. Viel Sachen haben nicht optimal funktioniert. Dass ich nach zehn Riesentorläufen in Serie diesmal nicht unter den drei bin, das ist auch schon wurscht, ob die Serie weg ist oder nicht. Es hat keinen Wert mehr. Drei waren heute besser, daran gibt es nichts zu rütteln. Der Hang war wie Beaver Creek, ist Ted fast auf den Leib geschneidert. Er hätte ein Jausenbrot auch noch essen können. Dahinter war es ein Zehnkampf um die Medaillen. Ich bin vor dem Slalom nicht allzu zuversichtlich, die Situation ist nicht die leichteste. Wenn man wo nicht zurecht kommt, kommt man nicht zurecht. Ich tu mir allgemein nicht so leicht."

Matthias Mayer war als Sechster der einzige der Österreicher, der trotz verpasster Medaille zufrieden war: "Es war alles eng beisammen. Ich habe es leider oben ein bisschen verbremst. Vor dem Rennen wollte ich ein Top-Ten-Resultat haben, jetzt bin ich Sechster - also kann ich zufrieden sein. Ich bin nicht so viele zweite Riesentorlauf-Durchgänge gefahren. Da fehlt mir vielleicht ein bisschen das Gefühl in den spitzen Kurven. Ich kann aber sehr zufrieden sein mit meinen letzten zwei Wochen. Gratulation an den Ted. Als Top-Favorit zwei solche Läufe herunterzubringen, dafür gebührt ihm größter Respekt."

Benjamin Raich hingegen trauerte um eine seiner letzten Chancen auf weiteres Edelmetall: "Ich habe alles gemacht. Ich habe mich gut vorbereitet, habe hart trainiert. Vier Zehntel auf eine Medaille - es wäre schon noch etwas mehr möglich gewesen. Es haben doch viele Außenseiter schon etwas gewonnen, vielleicht ist auch im Slalom noch etwas möglich. Es war für uns Österreicher ein starkes Ergebnis, aber von vier bis sieben - das ist halt schade."

Philipp Schörghofer war als 18. schlussendlich ohnehin weit weg von den Medaillenrängen: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist richtig enttäuschend, weil ich zuletzt eigentlich gut in Form gewesen bin. Ich bin einfach nicht schnell geworden. Ich habe keine Erklärung dafür. Es war einfach ein schlechtes Rennen von mir."

Hier die Entstehungsgeschichte der Entscheidung im Riesentorlauf der Herren zum Nachlesen in unserem Live-Ticker:

US-Amerikaner Jitloff voran, Miller und Kostelic abgeschlagen
Die ersten zehn Läufer im zweiten Durchgang sind im Ziel. Es führt Tim Jitloff aus den USA vor Leif Kristian Haugen aus Norwegen und Jared Goldberg, ebenfalls aus den USA.

Für die Österreicher gilt: volles Risiko
Die Ausgangssituation für die Österreicher ist durchaus vielversprechend. Phillip Schörghofer als 15. nach dem ersten Lauf ist der erste, der zum Angriff bläst. Unmittelbar zuvor kommen aber noch Hochkaräter wie Manfred Mölgg und Super-G-Olympiasieger Kjetil Jansrud

Manfed Mölgg draußen!
Der Italiener fliegt am Tor vorbei. Zu viel Risiko für den Südtiroler. Es führt sein Landsmann Luca De Aliprandini.

Jansrud ebenfalls out!
Auch der Olympiasieger im Super-G kommt nicht ins Ziel. Im Finish ging ihm etwas der Saft aus, ein Fehler im Schlussteil bedeutet das Aus.

Ab jetzt nur mehr Medaillenkandidaten
Die knappen Abstände nach dem ersten Lauf lassen alle aus den Top 15 auf Edelmetall hoffen. Den Anfang macht Phillip Schörghofer. Daumendrücken für die Österreicher!

Schörghofer unterwegs
Mit einem Top-Lauf geht sich was aus. Der erste Übergang wirkt etwas verhalten. 14 Hundertstel Rückstand bei der ersten Zwischenzeit. Schade, nicht so aggressiv wie wir es von ihm gewohnt sind. 55 Hunderstel Rückstand, nur Rang 5 im Ziel - Schade!

Henrik Kristoffersen voran, jetzt kommt Benjamin Raich!
Der Norweger Henrik Kristoffersen, Sieger des Nachtslaloms in Schladming, legt eine Bestzeit hin. 12 Hundertstel Vorsprung rettete er ins Ziel. Jetzt Raich - hoppauf Benni!

Raich mit Superfahrt!
Benjamin Raich versucht seine ganze Routine auszuspielen - und es gelingt! Es schaut gut aus, Raich schon im Zielhang, mit Vorsprung - 44 Hunderstel voran, eine super Zeit! Dieser Lauf könnte einiges Wert sein. Die Chance auf Edelmetall lebt!

Fritz Dopfer geschlagen. Raich darf vor Top Ten hoffen
Der Italiener Roberto Nani schaffte es nicht ins Ziel, Fritz Dopfer aus Deutschland nur mit sechs Zehntel Rückstand (Zwischenrang 4). Benjamin Raich darf vor den Top Ten auf eine Meaille spekulieren. Hochspannung vor den Besten!

Steve Missillier mit Knüllerzeit!
Der Franzose könnte die Medaillenträume von Raich schneller begraben als es dem Tiroler ist. Er fährt beherzt, führt im Ziel überlegen, mit sechs Zehntel Vorsprung. Nun darf sich also Missillier berechtigte Hoffnungen machen.

Carlo Janka geschlagen. Nun Felix Neureuther, dann Marcel Hirscher
Der Schweizer Janka kann mit dem weichen Schnee und dem flachen Hang nichts anfangen und liegt nur auf Rang 6. Jetzt kommen die absoluten Top-Leute. Neureuther macht den Anfang, dann kommt schon Hirscher.

Neureuther nicht lupenrein, Auto-Unfall steckt ihm noch in den Knochen
Felix Neureuther bezeichnete sein Antreten nach dem Unfall in der Vorwoche als "Wunder", ein zweites in Form einer Medaille geht sich nicht aus. Zwischenrang 3 für den Deutschen, 82 Hunderstel hinter dem führenden Missilier. Doch jetzt kommt Österreichs Top-Hoffnung: Marcel Hirscher, los geht´s!

Marcel Hirscher muss alles geben. Volles Risiko!
Explosiver Start des Medaillen-Favoriten. Er riskiert, man sieht ihm den unbändigen Willen an. Ein paar kleine Fehler, aber dynamische Fahrt! Letzte Tor und - Nein! Nur Rang 2! Missilier war nicht zu schlagen.

Missilier vor Hirscher und Raich. Jetzt unterwegs: Alexis Pinturault
Ein Franzose führt, zwei weitere starke kommen jetzt.

Pinturault Zweiter! Raich damit vom Podest verdrängt
Doppelführung für Frankreich. Marcel Hirscher ist jetzt als dritter auf dem Zitterplatz.

Thomas Fanara nur auf Rang 6, doch jetzt gilt´s: Matthias Mayer am Start
Der junge Matthias Mayer trägt wohl als Letzter die österreichischen Medaillenhoffnungen. Hirscher ist zur Zeit nur Dritter, das reicht wohl nicht für Edelmetall. Der Abfahrts-Olympiasieger aus Kärnten startet - alles Gute, Matthias!

Matthias Mayer nur Vierter!
Mayer kämpft, aber leider, er verliert zusehends. Weite Linie, auch unten läuft es nicht nach Wunsch - nur Platz 4! Schade schade, es schaut nicht allzu gut aus für eine österreichische Medaille. Die Top 3 kommen noch, Hirscher muss als Dritter zittern!

Davide Simoncelli auch hinter Missilier - und hinter Hirscher!
Der Italiener Simoncelli wird durchgereicht. Noch ist Hirscher also weiter Dritter! Und Steve Missilier wird zum Sensations-Mann! Im Weltcup noch nie auf dem Podest, nun hat er eine Medaille sicher. Doch welche wird es? Jetzt Ondrej Bank aus Tschechien, dann Ted Ligety!

Ondrey Bank geschlagen!
Der überraschende Zweite nach dem ersten Durchgang nur Vierter! Missilier hat Silber sicher, sein Landsmann Pinturault mindestens Bronze! Hirscher noch Dritter, doch Ted Ligety, der Riesentorlauf-Dominator komm erst. Und er hat einen gewaltigen Vorsprung...

Ted Ligety unterwegs!
Der überragende Führende lässt nichts anbrennen - souveräne Fahrt! Gold für den Dominator in "seiner" Disziplin!

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