ÖSV-Präsident Schröcksnadel mit Snowboardern in Sotschi unzufrieden: "Unprofessionell!"

ÖSV-Präsident Schröcksnadel mit Snowboardern in Sotschi unzufrieden: "Unprofessionell!"

Österreichische Erfolge bei Sotschi 2014 gab es bisher nur aus dem ÖSV und bei den Rodlern. Vor allem das Abschneiden bei den Trendsportarten enttäuscht ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Auch ÖOC-Präsident Karl Stoss erklärt: "Ganz zufrieden sind wir nicht!"

Erstmals äußerte sich auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel ausführlich zu den bisherigen Ausbeute und seinen Eindrücken von den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Er hob hervor, dass neun von bisher zehn Medaillen von ÖSV-Athleten gewonnen wurden, kritisierte aber sowohl Snowboarder und neue Sportarten und dass abseits des ÖSV - wie im Sommer - nicht viel zu holen ist.

"Grundsätzlich bin ich sehr glücklich, weil wir die 300. Medaille bei Olympischen Spielen gewonnen haben. Ich war sehr glücklich, dass es die Kombinierer waren", gestand Schröcksnadel bei einer Pressekonferenz im Österreich-Haus in Krasnaja Poljana. "Ich bin auch sehr glücklich, dass wir nach 12 Jahren wieder eine goldene Abfahrtsmedaille gewonnen haben. Das war schon die halbe Miete."

ÖSV, dann lange nichts

Nicht glücklich ist er darüber, dass der ÖSV neun der bisher zehn Medaillen beigesteuert hat. "Rundherum ist es im Winter genauso finster, würde ich sagen, außer bei den Rodlern, wie im Sommer. Da ist gar nicht viel anders." Die vom ÖSV querfinanzierten Sportarten seien erfolgreich. "Da kriegen wir kaum öffentliche Mittel. Und alle anderen gewinnen nichts. Da muss ich sagen, da stimmt im ganzen Fördersystem in Österreich einiges nicht", sparte Schröcksnadel nicht mit Kritik.

Er selbst sieht natürlich noch einige Chancen für Medaillen bis zum Schluss und hofft auch auf Langläufer Johannes Dürr. "Für den bleibe ich extra da, dass habe ich ihm versprochen. Auf den zähle ich, der kann sogar Gold machen. Ich hoffe, dass er in die Medaillenränge kommt."

Auch ÖOC-Präsident Kark Stoss meinte, dass er nicht ganz zufrieden sei: "Ganz zufrieden sind wir nicht, weil dann hätten wir alles gewinnen müssen. Aber das ist unrealistisch - es treten noch 85 andere Nationen an."

"Eine unprofessionelle Partie"

Insgesamt sei er sehr froh, aber nicht ganz zufrieden, und sprach da über die neuen Sportarten, obwohl er gerade im Slopestyle großes Potenzial sieht. "Wenn man nach 50 Meter im Snowboard-Cross zehn Meter hinten ist, kann man nichts gewinnen. Das ist leider noch eine Partie, die sehr unprofessionell ist, da werden wir als Verband drauf schauen, dass da mehr Professionalität einkehrt", versprach Schröcksnadel.

Und hob auch das Abschneiden von Parallel-Läufer Benjamin Karl hervor. "Der Karl war neun Zehntel voraus und dann vergeigt er den zweiten Durchgang, also damit habe ich keine Freude." Dass Slopestyle olympisch ist, macht den Tiroler happy. "Das ist eine junge Sportart. Die bringt die Jungen in den Skisport und es ist ganz wichtig, dass uns die auch im Winter erhalten bleiben, auch touristisch gesehen. Schröcksnadel bedankte sich beim ÖOC für die Organisation und auch die Geld-Lukrierung. "Wir haben nichts mehr dazu zahlen müssen in Richtung ÖOC. Früher schon, da ist das Geld vielleicht versickert."

Zum Artikel: "Zoff in Sotschi: Snowboarder weisen Schröcksnadel-Kritik zurück"

Sotschi 2014 bestens organisiert

Schröcksnadel brach eine Lanze für das Veranstalterland, über das im Vorfeld so viele negative Berichte zu lesen gewesen seien. Bewerbe, Unterkünfte etc. seien "eigentlich noch nie so gut wie da" gewesen. Die Negativpresse bedauerte Schröcksnadel. "Man soll einen Gastgeber eigentlich besser behandeln, gab aber zu, "dass nicht alles fertig war, ist eine Tatsache".

Erfreut war Schröcksnadel über Silber von Daniela Iraschko, weil sie bei der olympischen Premiere des Damenskispringens eine Medaille gemacht hat. "Da kann man mal überlegen, sie die Fahne tragen zu lassen. Wir haben ja wieder Olympische Spiele." Auf die Frage, ob man sie nicht auf seine Kosten auch für die Schlussfeier einfliegen könnte: "Ja freilich, wäre wurscht, Geld haben wir ja genug."

Apropos Skispringer: Die Diskussionen rund um einen Stützpunkt-Trainer sowie die Foto-Geschichte von Toni Giger empfand Schröcksnadel als "Unsinn". Er selbst sei ganz am Anfang in das Thema involviert gewesen. "Der Stützpunkt-Trainer war akkreditiert, hätte jederzeit fahren können. Also warum es die Diskussion gibt, verstehe ich nicht, weil der Herr Schlierenzauer mit dem Herrn Pointner gemeinsam beschlossen haben, den nehmen wir nicht mit. Das war gemeinsame Sache."

Enttäuscht über Skispringer

Von der Ausbeute der ÖSV-Adler ist er nicht sehr zufrieden, weil man habe eine sehr starke Mannschaft. "Das verstehe ich nicht ganz, aber im Springen geht es leider sehr schnell. Schlierenzauer hat es momentan halt auch nicht drauf. Da stimmen Kleinigkeiten nicht, dann geht es halt nicht. Da kannst du nicht dem Trainer die Schuld geben. Aber am Schluss haben alle zusammengehalten, sonst hätten die nie um die Medaille mitspringen können."

Und zum Giger-Foto im unerlaubten Bereich? "Ja mei. Er hat nichts fotografiert, was nicht erlaubt war. Ich war extra oben am Turm und habe mir das angeschaut. Der hat ein Tourismus-Foto gemacht. Was will denn der von hinten fotografieren? Da haben wir viel bessere Aufnahmen beim ORF, alles Unsinn. Wenn man das groß macht, sieht man viel mehr. Wenn nichts los ist, werden halt Geschichterln gemacht."

Konsequenzen nach Sotschi: Personalveränderungen

Auf Personalveränderungen allgemein befragt: "Es sind in einigen Bereichen Notwendigkeiten da, etwas zu verändern. Die größte Enttäuschung waren für mich die neuen Sportarten. Da waren Riesen-Chancen, dass man da zwei Medaillen macht. Da gehe zu einer Athletin gestern und habe mir die Kante angeschaut - die Kante habe ich nachgerichtet. So kannst nicht fahren, das ist unmöglich. Wenn wir als ÖSV diese Sportart weiter betreuen wollen, was wir auch wollen, dann muss dort Professionalität einkehren, die jetzt nicht da ist."

Das Umfeld passe nicht. "Wir werden schauen, dass die neuen Sportarten im Umfeld die Chance haben, dementsprechende Voraussetzungen zu bekommen." Und dies sei auf Nachfrage kein Versäumnis des Verbands: "Da gibt es Snowboarder, die haben drei Boards, die dürfen wir als Verband nicht einmal anrühren. So geht das nicht, da muss man dann eben auch 10 oder 20 Boards da haben, die an die Schneeverhältnisse angepasst sind. Entweder wir machen eine Gaude-Partie oder wir machen Sport."

Slopestyle statt Halfpipe

Ausnehmen will Schröcksnadel die Halfpipe. "Da tun wir nichts, da engagieren wir uns nicht. Weil wir die Athleten nicht dazu haben." Sämtlich in Österreich gebaute Halfpipes, so Schröcksnadel, seien leer. "Im Slopestyle haben wir großes Interesse - Halfpipe ist für mich eine rückläufige Sportart. Die machen dann zweifache Saltos mit dreifachen Schrauben, das kann keiner mehr. Der Sport killt sich selbst, in dem Moment, in dem er zu kompliziert wird", glaubt der ÖSV-Präsident.

Eine Diskussion über mangelnde Sportstätten für die Nicht-ÖSV-Sportarten will Schröcksnadel derzeit nicht führen - sondern empfiehlt den Sportlern mehr Beweglichkeit. "Wenn ich Sportler bin, dann muss ich mich halt auch bewegen. Wir gehen auch nach Südamerika trainieren, weil wir im Sommer keinen Schnee haben."

Auf den Einwurf, dass so mancher Sportler es sich wohl kaum leisten könne, eigenfinanziert nach Südamerika zu fahren, entgegnete Schröcksnadel. "Ich muss eine Eigeninitiative entwickeln, Leistung zeigen, dann kann ich etwas fordern. Die Langläufer haben sich entwickelt in einer Zeit, wo wir das Geld sogar reduziert haben. Das Geld allein ist es nicht, es ist auch die Begeisterung. Zu viel Geld macht auch oft müde und satt."

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