ÖOC-Präsident Karl Stoss zu Sotschi 2014: "Nachhaltigkeit ist in Frage zu stellen"

ÖOC-Präsident Karl Stoss zu Sotschi 2014: "Nachhaltigkeit ist in Frage zu stellen"

ÖOC-Präsident Karl Stoss im format.at Interview über die Chancen Österreichs bei den Olympischen Spielen in Sotschi, die Programme "Rio 2016" und "Pyeongchang 2018", die Investitionen in Sotschi, ins Skigebiet Krasnaja Poljana und die Vergabepolitik des IOC.

format.at: Österreich reist mit einem Rekordaufgebot an Sportlern zu den Olympischen Spielen nach Sotschi. Nach den eher bescheidenen Erfolgen von Vancouver - 16 Medaillen waren der niedrigste Wert seit Lillehammer 1994 und es gab keine Medaille für das ÖSV-Herrenteam - und der Pleite in London 2012, wo Österreich gar keine Medaille gewinnen konnte, ist das ein neuer Anlauf für Österreichs Sportler. Wie sind Ihre Erwartungen vor den Spielen?

Karl Stoss: Bei Winterspielen gehören wir traditionell zu den stärksten Nationen – im ewigen Medaillenspiegel aller 21 Winterspiele rangiert Österreich mit 201 Medaillen, 55 davon in Gold, an fünfter Stelle. Vor uns liegen nur Russland, Deutschland, Norwegen und die USA. Da können wir den Spielen in Sotschi also durchaus optimistisch entgegensehen. Wenn wir uns am Ende zwischen Vancouver 2010 und Turin 2006 einpendeln, wo wir 16 beziehungsweise 23 Medaillen gewonnen haben, können wir zufrieden sein.

Als Skination sind die Erwartungen an die Sportler aus dem ÖSV wohl am höchsten. In anderen Sportarten, etwa im Eiskunstlauf, wären Medaillen dagegen große Überraschungen. Wie könnte man in diesen - unter Anführungszeichen und aus österreichischer Sicht "Randsportarten" - wieder zur Weltspitze aufschließen?

Stoss: Das Projekt "Rio 2016" war die erste Antwort auf die Medaillenflaute in London. Eine ausgewählte Anzahl von Hoffnungsträgern wird ganz gezielt gefördert – seit Beginn des Programmes sind schon mehr als sieben Millionen Euro geflossen. Der Großteil wurde für Trainingslager, die Beschickung von Wettkämpfen und generellen Infrastrukturmaßnahmen verwendet. Nach den Winterspielen wird ein Förderungskader für die Winterspiele 2018 nominiert bzw. das Projekt Pyeongchang lanciert.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wurde nach den Olympischen Spielen in London als Kopf des Projekts "Rio 2016" bestellt. Insgesamt wurden dafür 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Wie wird das Programm aufgenommen?

Stoss: Es wird seit knapp einem Jahr gezielt gefördert. Wenn man mit den SportlerInnen spricht, dann hört man, dass sie jetzt wirklich ideale Voraussetzungen haben. Das wird nicht bei jedem sofort zu einer Medaille führen. Aber das ist der richtige Weg. Dazu kommt, dass gleichzeitig eben auch die nötige Infrastruktur verbessert wird. Der neue Wildwasserkanal in Wien ist das jüngste Beispiel.

Für Sotschi 2014 wurden dem IOC Investitionen über 8,6 Milliarden Euro zugesichert. Tatsächlich werden die Spiele ein Vielfaches kosten. Kolportiert werden Kosten bis zu 50 Milliarden Euro. Fest steht, dass die Spiele die teuersten aller Zeiten sein werden. Halten Sie diesen Aufwand für gerechtfertigt?

Stoss: In den 50 Milliarden Euro sind viele Investitionen beinhaltet, die mit den Spielen nicht oder nur indirekt zu tun haben. Neben den elf Wettkampfstätten entstanden unter anderem 40.000 neue Hotelzimmer in der Vier- und Fünfstern-Kategorie. Es wurde 367 Straßen-, 201 Bahn- und 150 Ski-Pisten-Kilometer sowie 420 öffentliche Gebäude wie Flug- und Seehafen, vier Spitäler, Schulen und so weiter gebaut. Russland wollte den Süden beleben. Für Sotschi ist das zweifelsohne gelungen. Nächstes Jahr steigt hier der erste Formel-1-Grand-Prix, 2018 fungiert Sotschi als Spielort der Fußball-WM.

Sie sind ein Mann, der die Berge und die Natur liebt. In Österreich ist der Ausbau von Skigebieten aus Naturschutz-Gründen mit sehr strengen Auflagen verbunden. Beim Skigebiet Krasnaja Poljana, das an teils in einem Naturschutzgebiet liegt, wurden einschränkende Bestimmungen oft aufgehoben oder ignoriert. Halten Sie derartige Eingriffe für gerechtfertigt?

Stoss: Das IOC hat bei der Vergabe gewusst, wie viele Bauarbeiten für eine ordnungsgemäße Austragung der Spiele notwendig sein werden. In Mitteleuropa hatten wir mehrere Jahrzehnte Zeit, um ein Skigebiet auszubauen – das wurde in Sotschi in knapp sieben Jahren realisiert. Für uns Europäer stellt sich die große Frage, ob die Nachhaltigkeit gegeben sein wird. In der Bergregion kann man sich das zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer vorstellen.

Sollten Olympische Spiele nicht eher an Orten ausgetragen werden, an denen eine entsprechende Infrastruktur bereits vorhanden ist?

Stoss: Der neue IOC-Präsident Thomas Bach hat schon angekündigt, dass die Vergaberichtlinien Gegenstand von intensiven Diskussionen sein werden. Man darf aber auch nicht außer Acht lassen, dass auch manche der heute etablierten und infrastrukturell gut entwickelten Regionen irgendwann erstmalig zum Zug gekommen sind und große Anfangsinvestitionen leisten mussten.

1964 und 1976 fanden die Olympischen Winterspiele in Österreich statt. Halten Sie es angesichts der aktuellen Entwicklung und der hohen Kosten für möglich, dass die Spiele wieder einmal nach Österreich zurück kommen?

Stoss: Das klare Scheitern von Salzburg gegen Sotschi und Pyeongchang im Jahre 2007 im Rennen um die Winterspiele 2014 war ein deutlicher Fingerzeig. Auch die negativen Volksbefragungen in Wien oder München. Im Augenblick sind für ein Land wie Österreich Jugend-Spiele das höchste der Gefühle.

Die Vorlaufzeiten dafür sind auch extrem lang. Aber könnte das 2026 oder 2030 nicht doch der Fall sein?

Stoss: Wie gesagt, derzeit ist eine Bewerbung nicht aktuell.

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