Hannes Reichelt triumphiert in Kitz, Bode Miller enttäuschter Dritter

Hannes Reichelt triumphiert in Kitz, Bode Miller enttäuschter Dritter

Jubel in Kitz: Hannes Reichelt holt den ersten Heimsieg bei der klassischen Herren-Abfahrt in Kitzbühel seit 2006. Favorit Bode Miller wird hinter Aksel Lund Svindal nur Dritter.

Es war nicht sein Tag. Dabei hatte es so gut ausgesehen. Oben, am Steilhang und an der Mausefalle - dort wo man wirklich Schneid und Können braucht, um die Ski richtig krachen zu lassen. Die Rede ist von Bode Miller, der mit 36 Jahren seine vermutlich letzte Saison im Ski-Weltcup fährt und sich für diese ein großes Ziel gesetzt hatte: In Kitzbühel die Abfahrt zu gewinnen und sich in die ehrenwerte Liste der Sieger einzutragen.

Beim einzigen Training zum Abfahrtlauf in Kitzbühel 2014 hatte Miller auch eindrucksvoll demonstriert, wie ernst er es meint und mit seiner Fabel-Bestzeit alle schockiert. Er hatte eine Linie in den Schnee gezaubert, von der bisher niemand gedacht hatte, dass sie fahrbar wäre. Entsprechend zerknirscht war Miller auch bei einem ersten Interview vor der ORF-Kamera im Zielraum. "Normalerweise ist ein dritter Platz gut, aber heute nicht. Es bricht mir das Herz. Bei dem Level, auf dem ich derzeit Ski fahre hätte ich gewinnen müssen. Ich habe auch die schwierigen Passagen sehr gut genommen und Geschwindigkeit mitgenommen. Und dann dieser blöde Fehler auf der Seidlalm - das darf einfach nicht passieren."

Acht Zehntelsekunden - eine Welt im Skirennsport ließ Miller auf der Seidlalm liegen, und vermutlich wird er noch seinen Enkelkindern in fünfzig Jahren die Stelle zeigen können, die ihm damals, am 25. Jänner 2014, den Sieg gekostet hat. Jubeln durfte an seiner statt der Österreicher Hannes Reichelt, der davor erst eine einzige Weltcup-Abfahrt, am 29. Dezember 2012 in Bormio, gewonnen hatte. Es war sein Tag. Reichelt fuhr so nah an Millers Wunderlinie aus dem Training wie kein anderer. Mit einer nahezu fehlerfreien Fahrt machte er dank Millers Schnitzer auf der Seidlalm die 2,35 Sekunden Rückstand, die er im Training noch als Dritter auf Miller hatte, wett und übertrumpfte auch den in beiden Anläufen an zweiter Stelle liegenden Norweger Aksel Lund Svindal. Man kann den Sieg auch als besonderes Geburtstagsgeschenk an Harti Weirather sehen, der in Kitzbühel hinter dem Rennen die Fäden zieht und am Renntag seinen 56. Geburtstag feiert. (Siehe das Portrait: Harti Weirather – Der Abfahrer als Millionär und "Mr. Hahnenkamm"

Am Ende jubelte Reichelt jedenfalls über 21 Hunderstelsekunden Vorsprung auf Svindal und 34 Hundertsel auf Miller. Der gratulierte dem Sieger und hob sich die Antwort auf die Frage, ob er es in einem Jahr erneut versuchen werde, auf. Miller: "Ich weiß es noch nicht. Ich habe es schon so oft versucht und immer wieder sind mir dumme Fehler passiert. Der von heute tut richtig weh."

Reichelt hingegen hat nun allen Grund zum Feiern. "Ich kann es noch gar nicht glauben. Für einen Österreicher gibt es wahrscheinlich nichts Schöneres", meinte er nach dem bisher größten Triumph seiner Karriere, "es ist so geil, wenn du bei dieser Kulisse ins Ziel kommst und der Einser aufleuchtet."

Die weiteren Platzierungen: 4. Adrien Theaux (FRA/+0,66); 5. Christof Innerhofer (ITA/+0,77); 6. Carlo Janka (SUI/+0,85); 7. Max Franz (AUT/+1,03) und Travis Ganong (USA/+1,03); 9. Kjetil Jansrud (NOR/+1,08); 10. Didier Defago (SUI/+1,14)

Schnelle Damen

Schnell Ski gefahren wurde heute auch wieder in Cortina d'Ampezzo. Bei der zweiten Abfahrt auf der Tofana-Piste setzte sich die Slowenin Tina Maze durch und ließ ihre Konkurrentinnen hinter sich. Beste Österreicherin wurde Anna Fenninger als Fünfte. Maze, die den Damen-Weltcup im Vorjahr dominiert hatte, hat damit rechtzeitig vor den Olympischen Spielen in Sotschi die Formkurve gekratzt und sich zur Top-Favoritin auf Olympiagold gestempelt. Ein Umstand, der ihr angesichts des im Ziel zur Schau gestellten strahlenden Siegerlächelns sichtlich schmeichelt.

Dem Autor auf Twitter folgen:

36-jähriger ehemaliger Slalomweltmeister erklärt seinen Rücktritt vom aktiven Sport.
 

Wintersport

Ex-Slalomweltmeister Manfred Pranger beendet Karriere

Einen gelungenen Aprilscherz hat sich der Skifahrer Felix Neureuther erlaubt. Im bayrischen Radio erklärte er, in Zukunft für den ÖSV starten zu wollen.
#Felix Neurauther
 

Wintersport

April, April! Felix Neureuther startet (nicht) für den ÖSV

Ski-Rennläuferin Maria Höfl-Riesch hat knapp dreieinhalb Wochen nach den Olympischen Spielen in Sotschi ihren Rücktritt erklärt.
 

Wintersport

Maria Höfl-Riesch tritt zurück