Doping-Fall Dürr: "Das Schlimmste, das ich in meinem Leben gemacht habe"

Doping-Fall Dürr: "Das Schlimmste, das ich in meinem Leben gemacht habe"

Die letzten Gäste nach nächtlicher Medaillenparty waren erst vor wenigen Stunden gegangen und der Boden gerade gekehrt, als sich ÖOC-Präsident Karl Stoss in weißem Hemd und dunklem Sakko im Austria Tirol House "tief erschüttert" zum Dopingfall des Langläufers Johannes Dürr äußerte. Dieser hatte seinen EPO-Fehltritt sofort zugegeben, eine Öffnung der B-Probe war somit nicht notwendig.

Aus dem Nichts zum großen Hoffnungsträger und schnurstracks ins Doping-Abseits. Johannes Dürr hat nach einem steilen Aufstieg in der in Österreich von vergangenen Dopingfällen ohnehin bereits schwer geprüften Sportart Langlauf einen tiefen Fall hingelegt.

Zunächst schien es, dass es der 26-jährige Niederösterreicher allen Widrigkeiten zum Trotz mit erlaubten Mitteln in die- dank vieler anderer Dopingfällen unter Generalverdacht stehende - Langlaufweltspitze geschafft haben könnte. Seit dem Olympiaschlusstag steht aber fest, dass er es wie schon einige seiner namhaften Vorgänger ebenfalls mit unlauteren Methoden probiert hat.

Dürr hat Doping sofort gestanden

Nach seinem eingestanden Fehltritt klingt Dürr so: "Es bleibt mir nichts anderes über, als mich bei allen zu entschuldigen, bei meiner Familie, bei meiner Frau", so der seit dem Vorjahr mit einer Südtirolerin in Antholz lebende Niederösterreicher. Er sei sich der Tragweite seines Fehltritts bewusst. "Ich kann das nicht mehr gut machen, aber ich möchte mich einfach dafür entschuldigen. So viele Leute haben sich den Arsch für mich aufgerissen und ich habe sie enttäuscht mit meiner Blödheit." Er habe "mit Sicherheit" den falschen Leuten vertraut." Es ist in jeglicher Hinsicht das Schlimmste, was ich in meinem Leben gemacht habe. Das ist ganz, ganz schwer, das kann man nicht in drei Sätzen erklären."

Vor Olympia: Dürr: "Alles sauber"

Am 28. Jänner wurde Dürr bei der Einkleidung zu Sotschi 2014 von Sky Sport News noch zum Thema Doping im Langlaufsport gefragt. Er wurde gefragt, ob der Langlaufsport jetzt suaberer ist als vor acht Jahren in Turin, wo die Österreicher für einen veritablen Doping-Skandal sorgten.

Dürr antwortete darauf: "Ich hoffe und gehe davon aus, dass der Langlaufsport jetzt schon sehr sauber ist. Also ich glaube nicht, dass wahnsinnig viel getan wird. Erstens sind die Kontrollen wahnsinnig intensiv. Also ich hatte heuer seit Juni bereits 13 Kontrollen gehabt und muss eben auch 24 Stunden angeben, wo ich bin. Jetzt gibt es den neuen Blutpass. Das geht alles in die richtige Richtung und ich glaube somit gehen wir einen Weg, wo man das soweit wie möglich – also ganz kann man das nie ausschließen – aber soweit wie möglich eindämmen und ausmerzen kann."

Sportdirektor und Langlauf-Legende Markus Gandler, war nach der positiven Doping-Kontrolle von Johannes Dürr am Boden zerstört und sagte: "EPO ist nicht irgendetwas. Das ist das Schlimmste, das passieren konnte. Alle haben sich für ihn den Arsch aufgerissen und dann das - ich bin tief enttäuscht."

Bei der Einkleidung der Athleten sagte Gandler noch: "Turin ist eigentlich weit weg. Alles abgeschlossen und es gibt nur mehr die Blickrichtung nach vorne. Und ich gehe davon aus, dass der Sport sauber ist. Sonst können wir gleich morgen zusperren, wenn irgendwer etwas anderes wüsste."

Ende einer Sportlerkarriere

Der ÖSV hat in der Zwischenzeit bereits reagiert und Johannes Dürr ausgeschlossen. Der Werdegang des Göstlingers war bemerkenswert. Am Anfang seiner Karriere hatte er lange mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Das Pfeiffersche Drüsenfieber und eine Bakterieninfektion kosteten ihm drei ganze Saisonen. Erst in den vergangenen vier Jahren hatte er sich unter ÖSV-Trainer Gerald Heigl ungehindert entwickeln können. Und das gelang zuletzt in Riesenschritten.

In der Vorsaison ließ Dürr im Weltcup mit den ersten Top-Ten-Plätzen und der viertbesten Laufzeit beim harten Schlussanstieg der Tour de Ski erstmals so richtig aufhorchen. In diesem Winter legte er bei der hoch dotierten Tour noch ein Schäuferl nach. Nach starkem Saisonauftakt skatete er Anfang Jänner zu zwei Tour-Etappensiegen und stand schließlich nach bester Laufzeit als Gesamtdritter inmitten der Topstars auf der Alpe Cermis.

Daran schloss der Langdistanzspezialist auch bei Olympia an und lief zum Auftakt im Skiathlon zu einem starken achten Platz. Eine Woche später bekam er im Trainingslager für den 50-km-Bewerb Besuch dann aber den folgenschweren Besuch der Dopingjäger.

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