The Biggest Loser: Englands Fußballteam in der Dauerkrise

The Biggest Loser: Englands Fußballteam in der Dauerkrise

Für die berüchtigte Yellow Press war der Fall bereits ein gutes halbes Jahr vor der WM klar. Die englische Fußball-Nationalmannschaft, schrieb die Sun im November, werde im Juni 2014 "im ersten Flieger sitzen, der Rio verlässt".

Und selbst Kapitän Steven Gerrard fielen da keine entkräftenden Argumente ein. "Es gibt bessere Mannschaften, als wir es sind. Wir gehören sicher nicht zu den Favoriten", sagte er nach den jüngsten Niederlagen gegen Chile (0:2) und Deutschland (0:1).

Aus den "30 Jahre Leiden", die die Band Lightning Seeds 1996 vor der Heim-EM mit Blick auf den einzigen Titel (1966) besang, sind 47 geworden - und ein Ende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Gegen die DFB-Elf gelang erstmals in einem Länderspiel seit 1999 kein einziger Torschuss; zwei Niederlagen im Wembley-Stadion nacheinander hatte es letztmals 1977 gegeben. Die Fans quittierten es mit Buh-Rufen und Fußgetrampel - Höchststrafe für englische Fußballer.

Die Three Lions, schrieb der Guardian, seien eine "auffallend mittelmäßige" Mannschaft, der echte Qualität fehle, und sehen "viel verwundbarer" aus, als es Teammanager Roy Hodgson eingestehen wolle. Der 66-Jährige schrieb die Enttäuschungen am Ende eines ordentlichen Länderspieljahres mit guten Testspielen gegen Brasilien (2:1/2:2) seiner Experimentierfreude zu. Die aufflammenden Zweifel, betonte er, "fechten mich nicht an". Bis zur WM aber "müssen wir noch arbeiten".

Allein: Es scheint aussichtslos. Während der deutsche Fußball aus der Vergangenheit seine Lehren gezogen hat und inzwischen wieder aus einem schier unerschöpflichen Talente-Pool schöpfen kann, tut sich auf der Insel in Sachen Nachwuchs wenig. Das ist auch ein Ergebnis der Politik der Klubs aus der Premier League, die zu oft auf teure Stars setzen und eigene Talente vernachlässigen.

Am Wochenende des deutschen Spitzenspiels zwischen Dortmund und dem FC Bayern standen bei den vier deutschen Champions-League-Klubs 24 Profis in den Anfangsformationen, die für den DFB spielberechtigt sind. Und das, obwohl gestandene Nationalspieler wie Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan, Bastian Schweinsteiger und Holger Badstuber verletzt fehlten. Zum gleichen Zeitpunkt waren es bei den vier englischen Spitzenteams neun Engländer; darunter mit John Terry und Rio Ferdinand zwei, die Hodgson nicht mehr zur Verfügung stehen.

Rund 60 Prozent der Bundesliga-Profis dürften in der deutschen Nationalmannschaft spielen, Hodgson kann lediglich rund 30 Prozent der Erstligaprofis nominieren. Und es ist ja auch nicht so, dass die ganzen englischen Spitzenkicker allesamt im Ausland ihre Fish and Chips verdienen. Es gibt sie schlicht nicht. Besserung ist nicht in Sicht. "Ich erwarte nicht, dass sich mir in den kommenden Monaten Spieler aufdrängen, an die ich bisher noch nicht dachte", sagte Hodgson.

Hauptprobleme sind die Besetzung der Innenverteidigung und der offensiven Außen. Dazu fehlen Gerrard und Stürmer Wayne Rooney die Power vergangener Jahre. Und zuletzt kriselte auch noch Joe Hart, mit dem man das fast traditionelle Torwartproblem schon überwunden geglaubt hatte. "Die Erwartungen sind nicht allzu hoch", sagte Gerrard, "aber ich bin sicher, dass uns das helfen wird." Na dann.

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