Brasilien darf dank Neymar Samba tanzen

Brasilien darf dank Neymar Samba tanzen

Der 22 Jahre alte Angreifer präsentierte sich beim 3:1 (1:1) gegen widerspenstige Kroaten als Retter in höchster Not und ebnete den Gastgebern im WM-Eröffnungsspiel in Sao Paulo den Weg zum sechsten, vom ganzen Land erwarteten WM-Titel - und das nach einem frühen Rückstand.

"Die zwei Treffer waren besser als das, was ich erwartet habe, aber das Wichtigste zum Auftakt war der Sieg", sagte Neymar. Doch dieser Sieg hatte einen faden Beigeschmack. Der Elfmeter, den Neymar in der 71. Minute zum enthusiastisch umjubelten 2:1 nutze, war mindestens fragwürdig - der Kroate Dejan Lovren hatte den theatralisch stürzenden Fred nur leicht an der Schulter berührt.

Der überragende Oscar erzielte in der Nachspielzeit (90.+1) den Endstand und sagte erleichtert: "Dieses Spiel war ein Highlight, aber es war auch sehr schwer, nachdem wir in Rückstand geraten waren." Verteidiger David Luiz sah es ähnlich: "Wir haben nach dem Rückstand sehr gelitten, aber die passende Antwort gegeben."

Ivan Rakitic war hingegen wie alle Kroaten tief enttäuscht. "Das Ergebnis ist schade, und es ist vor allem schade, dass wir schon bei der WM-Eröffnung über Schiedsrichter-Fehler diskutieren müssen", sagte der Ex-Schalker: "Was wäre das für ein Fest geworden, wenn wir hier gewonnen hätten. Wir können stolz sein, es war ein gutes Spiel, und wir hätten mehr verdient gehabt." Brasilien trifft nun am Dienstag in Fortaleza auf Mexiko, Kroatien am Mittwoch auf das von Trainer Volker Finke betreute Kamerun.

Offensivkünstler Neymar hatte in seinem bereits 50. Länderspiel schon den Ausgleich erzielt (29.), nachdem der fünfmalige Weltmeister durch ein Eigentor von Marcelo in Rückstand geraten war. Marcelo bedankte sich anschliueßend für die "Hilfe meiner Mannschaftskollegen." Und der Sieg war aufgrund der größeren Spielanteile am Ende schließlich auch verdient.

Nach der 25-minütigen Eröffnungsfeier kamen zum ersten Spiel der WM genau jene elf brasilianischen Spieler auf den Platz, die im Vorjahr das Finale des Confed Cups gegen Weltmeister Spanien gewonnen hatten (3:0). Sie legten dem jeweiligen Vordermann die Hand auf die rechte Schulter, ein Symbol für den Zusammenhalt. Und den hatte die Selecao dann auch bald bitter nötig.

Elf Minuten waren gespielt, da passte der wie aufgedrehte Ivica Olic von der linken Seite in die Mitte, Nikica Jelavic lenkte den Ball leicht ab - und Marcelo, der gerade mit Real Madrid Champions-League-Sieger geworden war, verlängerte ihn mit der rechten Fußspitze ins eigene Netz. Der Unglücksrabe blickte drein, als kämen ihm die Tränen. Die Zuschauer schrien aus Trotz noch lauter als vorher.

Schon vor dem zweiten Eigentor in einem WM-Eröffnungsspiel hatten die Kroaten eine gute Chance besessen: Olic, einer von drei Wolfsburger Bundesliga-Profis auf dem Feld, köpfte nach Flanke von Klubkollege Ivan Perisic aber knapp am Tor vorbei (7.). Wie von Trainer Niko Kovac versprochen, hielt Kroatien dagegen, versteckte sich nicht, geriet aber immer mehr unter Druck.

Wie in einem schönen Märchen war es dann Neymar, der den Ausgleich erzielte. Zunächst war der erst 22 Jahre alte Superstar, unter Druck wie wohl sonst keiner der Kollegen aus der Selecao, kaum zu sehen in seinem immerhin schon 50. Länderspiel. Nach dem Rückstand wurde er besser, und in der 28. Minute nahm er sich den Ball, fasste sich ein Herz, zog aus 18 Metern flach mit links ab - Innenpfosten, Tor (29.).

Die Kroaten waren gehandicapt in die WM gegangen: Mario Mandzukic fehlte im Eröffnungsspiel wegen einer Rotsperre. Und Josip Simunic muss noch weitere neun Spiele pausieren wegen seiner Rassismus-Affäre. Doch auch ohne den Abwehrchef stand der WM-Dritte von 1998 gut, konnte trotz der großen Überlegenheit der Brasilianer immer wieder für Entlastung sorgen.

Brasilien rannte, Brasilien gab alles - doch die Kroaten ließen sich kaum aus der Ruhe bringen. So bedurfte es der umstrittenen Mithilfe von Schiedsrichter Yuichi Nishimura, der Fred die peinliche Sturzeinlage glatt abkaufte und Lovren sogar Gelb zeigte. Neymar, ansonsten ein wenig im Schatten des hervorragenden Oscar, durfte für den ersten großen Glücksmoment der Brasilianer sorgen. In der 88. Minute wurde er ausgewechselt, und die Fans feierten ihn mit Standing Ovations.

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